2.Wie lang leidest du schon unter BED/Essstörungen?
gute Frage, dass ich so unkontrolliert zu süßen Sachen greife, ist erst seit ca. einem 3/4-Jahr so.
Allerdings bedeutet Essen für mich etwas ganz besonderes. Früher durfte ich nie mal ein 2. Stück Torte essen oder Süßigkeiten oder so etwas in der Art. Meine Mutter hat mich immer als Pummel oder "Ey-Fatty-Bomm-Bomm" bezeichnet, sodass ich schon in der Jugendzeit ein gestörtes Verhältnis zu meinem Körper aufgebaut habe.
Irgendwann, ca. 2004 bin ich bei WW gelandet und habe dort einiges abgenommen und war damit gut in meinem BMI drin. Das hat mir sehr gut getan, ich war stolz auf mich und ich habe gelernt, mich vernünftig zu ernähren.
Nach der Geburt meines Kindes und dem Stress mit der Arbeit (auch wenn ich es liebe, zur Arbeit zu gehen) hat es sich so eingeschlichen, dass ich immer, wenn ich alleine war, Süßes in Kombination mit Salzigem in mich reingestopft habe. Gut gefühlt habe ich mich dabei nicht...
3.Wie kamst du darauf Betroffen zu sein (Schlüsselmomente)?
Ich bin in einer Verhaltenstherapie und beobachte mich sehr deutlich. Ein Schlüsselmoment war ganz klar, dass ich ja bei WW gelernt habe, wie ich mich zu ernähren habe, es aber einfach nicht schaffe, mich an den Plan zu halten, sondern immer wieder so unkontrolliert esse. Ich war mehrmals wieder in der WW-Gruppe und trotzdem hat es mir nicht geholfen. Das hat mich nachdenklich gemacht. Außerdem habe ich gemerkt, dass ich einen sehr hohen Puls nach den Attacken habe.
4.Worin siehst du die Ursachen deiner Essstörung?
Oh das ist schon in der Kindheit begründet. Mein Vater ist Alkoholkrank und meine Mutter hat sich von ihm getrennt, als ich 6 war. Meine Mutter ist auf dem Land groß geworden, wo man sich sowieso nicht trennt und schon sie war ein uneheliches Kind und ein Mädchen und somit keine Hoferbin und somit hat sie ihr ganzes Leben damit verbracht, sich selber und wem auch immer zu beweisen, wie gut sie ist. Dazu gehörte auch, dass ihre Tochter ein Vorzeigekind sein musste. Sie hat mich extrem streng erzogen und ich dufte ganz viele Sachen nicht und sie hat mich immer gehänselt, weil ich etwas pummeliger war. Außerdem hat sie kaum Zeit für mich gehabt, sie hat für ihre Arbeit gelebt. Selbst im Studium, wo man ja eigentlich erwartet, dass die Mutter anruft und fragt: "Kind, wann kommst du nach Hause, ich vermisse dich", war ich diejenige, die angerufen hat und dann hatte meine Mutter im Schnitt vielleicht 2 Minuten für mich Zeit, weil sie ja noch arbeiten musste (sie war Schulleiterin). Erst, als ich mit WW abgenommen habe, hat sie mich gelobt und da erst hatte ich das Gefühl, von ihr geliebt zu werden.
D.h. ich verbinde mit Wertschätzung und Liebe, dass ich schlank sein muss. Jetzt, nach ihrem T*, denke ich sehr viel darüber nach und anscheinend habe ich eine große innere Leere und EInsamkeit, die ich nun mit Essen kompensiere.
Ja, ich weiß, das ist alles sehr reflektiert, aber ich komme da trotzdem leider nicht raus...
5.Was bedeutet es für dich Binge Eater zu sein?
Da ich sowieso mit mir und meinem Aussehen hadere, ist es furchtbar für mich zu sehen, wie das Gewicht wieder nach oben klettert. Für mich bedeutet das ein Versagen auf ganzer Linie. Ich bin enttäuscht von mir, dass ich die Disziplin nicht aufbringe, "einfach" mal nein zu sagen. Außerdem glaube ich nach wie vor, dass ich nur gemocht werde, wenn ich schlank bin (was immer auch schlank bedeutet).
6. Behandlung
* Warst/Bist du in einer Therapie?
Ich bin in einer Verhaltenstherapie wegen meiner Wochenbettdepression. Die Therapeutin ist absolut klasse!
* Warst du schonmal in einer Klinik?
nein
* Hat es dir etwas gebracht?
Die Therapie ist wirklich gut. Das liegt aber in erster Linie daran, dass ich so gut mit der Therapeutin klar komme. Trotzdem ist es sehr schwer, so früh angelegte Probleme zu lösen, weil die "negativen" Gedanken früh bei mir eingepflanzt worden sind. Ich muss immer wieder an mir arbeiten und das ist mal leichter, mal schwieriger...
* Welche Form bzw. welchen Weg würdest du empfehlen?
Oh, das muss jeder für sich selber klären, das kommt auf die Lebensumstände, auf den Charakter usw. an. Da würde ich niemandem etwas empfehlen, außer vielleicht, dass man, wenn man in Therapie ist, dem/der Therapeuten/in vertrauen muss.
* Was hat Dir gar nicht zugesagt?
Der Nervenarzt, der mir Tabletten verschrieben hat. Die haben zwar gut geholfen, aber als ich ihn auf meine Essprobleme angesprochen habe, meinte er nur, dass ich einfach etwas stärker sein sollte und nein sagen muss, dann wäre das alles kein Problem. Echt super... hat mir richtig geholfen...
7. Was für eine Rolle spielt die Ernährung für dich?
Eine sehr große. Eigentlich dreht sich ein Großteil meiner Gedanken darum. Ich nehme mir immer vor, gesund zu kochen, tu es dann aber nicht und esse lieber "schnelle Snacks". Schlimm... obwohl ich genau weiß, wie ich mich ernähren muss, das macht es nur noch schlimmer.
8. Welche Ernährungsform würdest du für dich wählen?
Die, die Ernährungswissenschaftler empfehlen: 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag, ausreichend trinken, wenig Süßes und dafür gesunde Kost zu mir nehmen. Die Ernährungsumstellung mit WW sagt mir sehr zu und ist für mich genau das Richtige, auch wenn ich momentan den Dreh nicht bekomme, aber das ist eher ein Kopfproblem.
9. Wie siehst du deine Zukunft und was sind deine Ziele?
Ich möchte gerne wieder Gold-Mitglied bei WW sein und mich gesund ernähren, damit meine Gesundheit eher sicher gestellt ist und ich auch wieder agiler bin. Am Schönsten wäre es, wenn ich wieder in die Hosen von vor der Schwangerschaft passen würde Und natürlich ist mein großes Ziel, die FAs abzuschalten und wenn wieder so ein Impuls kommt, diesen umlenken zu können.
- Zusatzfrage "Wie hast Du zu uns gefunden?" - "gegoogelt, über eine Empfehlung oder über einen Link?"
gegoogelt