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Tobias

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Weitergeleitet von »NPS«

Sonntag, 26. September 2010, 13:55

Kurzbeschreibung

Die NPS ist eine schwere psychische Störung des Selbstbildes und Empfindens des Betroffenen mit problematischen Folgen für die sozialen Beziehungen und für ihn selbst

Artikel

1. Persönlichkeitsstörung


Unter einer „Persönlichkeitsstörung“ versteht man ein relativ überdauerndes Verhaltensmuster, das zu unadäquaten Anpassungen und schweren Beeinträchtigungen des sozialen Verhaltens sowie zu massiven subjektiven Beschwerden führen kann. Zu diesen Persönlichkeitsstörungen gehören neben anderen z.B. die antisoziale Persönlichkeitsstörung, die Borderline-Persönlichkeitsstörung (auch Borderline-Syndrom genannt), die histrionische (früher: hysterische) Persönlichkeitsstörung, die depressiven Persönlichkeitsstörung und eben auch die "narzisstische" Persönlichkeitsstörung, die von manchen auch (angeblich weniger diskriminierend) "strukturelle Persönlichkeitsstörung" genannt wird.

2. Entstehung


Persönlichkeitsstörungen entstehten laut tiefenpsychologischer Auffassung in der frühen Kindheit. Als Ursachen werden schwere frühkindliche Vernachlässigung, aber auch Überbehütung, sowie fehlende oder instabile Bindung an Bezugspersonen bis hin zu sexuellem Missbrauch in früher Kindheit diskutiertIm Falle der narzisstischen Persönlichkeitsstörung liegt eine „Instabilität der Identität“ vor (darum auch „strukturelle PS“), eine starke Störanfälligkeit und Unsicherheit in Bezug auf die eigenen Gefühle, aber auch in Bezug auf die Gefühle anderer. Wesentliches Kennzeichen ist eine starke Verunsicherung durch sich selbst, durch andere und durch soziale Situationen. Allerdings reagiert der Betroffene meist völlig anders:

3. Typen des NPS


Laut Heinz-Peter RÖHR gibt es zwei Typen von NPS, nämlich der männliche Typ, der auf die o.g. Instabilität mit scheinbarer Kälte, (direkter oder latenter) Aggressivität, Arroganz und übersteigertem Egoismus und Egozentrismus reagiert, gepaart mit einem meistens sehr grossen Charme und zwischenmenschlicher Überzeugungsfähigkeit (sprich: „er manipuliert andere mit leichter Hand und charmantem Lächeln“, wie eine Psychotherapeutin mir gegenüber mal sagte).

Der andere Typ ist der „weibliche Typ“ der NPS, der zwar ähnliche Instabilitäten wie oben beschrieben aufweist, aber völlig anders reagiert, nämlich eher ängstlich, depressiv, sich unterordnend, ausgesprochen altruistisch und meistens sehr „sozial eingestellt“. Aber auch dieser Typus hält sich prinzipiell für etwas „Besonderes“, „Aussergewöhnliches“, z.B. besonders „leidensfähig“. Aber all das lebt es nicht kalt und arrogant aus wie sein „männliches“ Gegenstück, sondern eher sozialverträglich“. Der weibliche Typ der NPS ist oft mit einer depressiven NPS gekoppelt, d.h. Er tritt seltener „in Reinkultur“ aus.

„Weiblich“ und „männlich“ bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht, dass der männliche Typ nur bei Männern und der weibliche nur bei Frauen zu finden ist. Es gibt durchaus Männer, die den weiblichen Typ einer NPS haben und umgekehrt gibt es Frauen mit einem „männlichen Narzissmus“

4. NPS Typ nach Kohut


Eine andere Einteilung nimmt der Psychoanalytiker Kohut vor: Er unterteilt die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen in zwei Untergruppen, nämlich die der narzisstischen Verhaltensstörungen, zu denen sexuelle Perversionen, pathologische Delinquenz und Suchtverhalten (!) gehören, und die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen im engen Sinne, die oft mit Hypochondrie, Depressionen, Überempfindlichkeit gegen Zurücksetzungen und (zeitweisem oder gänzlichem) Mangel an Lebensfreude einhergehen.

Narzisstisch gestörte Persönlichkeiten können nach Kohut vielerlei Charaktere ausbilden:
  1. Narzissten, die ständig nach Bespiegelung ihres Selbst suchen, und dies oft in einem anderen Menschen. Aus diesen Selbstobjekten nähren sie ihr ausgehungertes, ja, verhungerndes Selbst.
  2. Andere hungern nach Idealen, die jedoch die innere Leere meistens nur für kurze Zeit füllen.
  3. Wieder andere hungern danach, ähnlich empfindende Menschen zu finden, die ihnen ein „ideales Alter Ego“ bilden.
  4. Dann gibt es Menschen mit narzisstischer Störung, die nach Verschmelzung mit anderen hungern, sie brauchen intensive "Selbstobjekte", die sie auch intensiv kontrollieren, um die fehlende eigene Selbststruktur zu "ersetzen".
  5. Und schliesslich gibt es Narzissten, die Kontakte meiden und sich isolieren, und zwar weil das Bedürfnis nach Kontakten nicht etwa fehlt, sondern übergross ist!
Nebengruppen dieser Charaktere sind auch Fanatiker und Erfinder überwertiger Ideen, die jedoch meistens auch noch andere Strukturteile (z.B. paranoide oder schizoide Strukturen) aufweisen. Narzissten treten meistens nicht in dieser "reinen" Charakterisierung auf, sondern bilden Zwischen oder Summenformen.

5. Zitat zweier Betroffener


Ich möchte das oben genannte, eher theoretisch anmutende durch ein Zitat zweier Betroffener abschliessen:

„Ich denke manchmal, dass ich eine Art Identitäts-Ping-Pong habe, ein Ich, das mal unendlich sicher, und dann kurze Zeit später total unsicher ist, das oft vollkommen überzogene Grössen-Erwartungen an mich selbst stellt, und dann wieder mit dem Gefühl totaler Unfähigkeit, Wertlosigkeit und Leere zu kämpfen hat. Ich spüre keine echte und stabile Identität, auf der ich sicher stehen kann, sondern ich „schwimme“ immer. Und dieses „Schwimmen“ führt zu einem ständigen Hin und Her, Auf und Ab. Wenn ich auf einer Holzscholle stünde oder an ihr hänge, dann glaube ich, jeden Fluss überqueren zu können, und stark zu sein. Habe ich diese Holzscholle aber nicht, und schwimme "frei", so fühle ich mich, als gehe ich jeden Moment unter. Die Holzschollen sind die Handlungen, Meinungen, Standpunkte anderer, die mir hin und wieder "Sicherheit" geben, die aber extrem störanfällig sind, weil sie eben nicht meinen wirklichen Grund bilden, denn diesen Grund (Identität) kenne ich nicht.“

(Bei diesem Schreiber handelt es sich eher um einen „weiblichen Typus“)

Und ein anderer Betroffener schrieb mir mal:

„Ich orientiere mich vor allem an mir selbst, auch wenn ich heute, nach der Therapie weiss, dass dieses Selbst gar nicht richtig ausgebildet ist. Als mir das noch nicht so klar war, musste ich das mit Egoismus „aufpeppen“. Manchmal spüre ich den Grund, warum das so ist, da ist Angst, dass da nichts ist, das da nichts hinter oder vor dem Ich steht. Um das auszuhalten, muss ich auf mein Äusseres achten, muss den Intellektuellen geben, ich muss immer Recht haben, denn wenn ich Unrecht hätte, würde mir das das Gefühl geben, NICHTS zu sein. Alles, was mein Selbstwertgefühl erhöht, ist mir wichtig, denn es gibt mir ein Gefühl von Ich. Selbstverständlich muss ich perfekt sein und bin es meistens
auch, ich ertrage es nicht, von Unperfektem umgeben zu sein. Also belehrt ich sie, notfalls nötige ich sie, selbst perfekt zu werden. Wie sollte ein Perfekter mit Unperfektem umgehen können! Und wenn man sich dann mir widersetzt, manipuliere ich, darin war ich grossartig.“

(Zusammengestellt aus verschiedenen Briefen des Betroffenen)

6. Empfehlungen


Vertiefenderes zum Thema Narzissmus:

„RÖHR, Heinz-Peter: Narzissmus. Das innere Gefängnis“

„KOHUT, Heinz: Narzissmus“

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