You are not logged in.

Tobias

Administrator

  • "Tobias" is male

Location: Kassel

Lexicon articles: 37

  • Send private message
Redirected by »Binge Eating«

Sunday, January 24th 2010, 6:11pm

Tags

Binge Eating Disorder

Abstract

Binge Eating ist eine Esssucht ohne Gegenmaßnahmen

Article



© Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, http://www.bzga.de , mit freundlicher Genehmigung entnommen
aus der Broschüre „Essstörung … was ist das?“

1. Was ist ist Binge Eating?


Die Binge-Eating-Störung (Binge-Eating-Disorder) wird zu den Eßstörungen gezählt und soll sich einigen Autoren zufolge zur neuen Zivilisationskrankheiten entwickeln. Betroffen sind in der Regel Mädchen und Frauen, zunehmend jedoch auch Männer, man geht mittlerweile davon aus, daß fast ein Drittel der Betroffenen männlich ist.

„Binge-Eating“ kommt aus dem Amerikanischen und kann übersetzt werden mit „ein Freßgelage abhalten“. Typisches Merkmal des Binge-Eatings sind Heißhunger-Attacken, denen sich die Betroffenen ausgeliefert fühlen. Im Gegensatz zur Bulimie wird die während der Attacke zu sich genommene Nahrung aber nicht wieder „losgeworden“, d.h. die Betroffenen erbrechen nicht, nehmen keine Abführmittel, treiben auch nicht exzessiv Sport und fasten auch nicht.

Gemeinsam ist beiden Störungsbildern das Schuldgefühl, welches sie nach Beendigung der Attacke wie eine Welle oder eine andere Art Attacke überkommt und sich dermaßen ausbreitet, daß der nächste Freßanfall schon vorprogrammiert ist: aus Scham, daß man es wieder mal nicht geschafft hat, die Kontrolle über das Eßverhalten zu behalten. Die Scham, daß man wieder zunehmen wird. Es folgt eine Zeit der übermäßigen Kontrolle über das eigene Eßverhalten, damit bloß kein erneuter Freßanfall ansteht. Dies geht natürlich nicht lange gut.

Darüber hinaus gibt es auch noch [article]Night Binge Eating[/article], das Nachtesser Syndrom.

2. Diagnostik


Die „Binge-Eating-Disorder“ wird im DSM IV folgendermaßen umschrieben.

A. Regelmäßige Eßanfälle mit folgenden Merkmalen:

  1. in einem abgrenzbaren Zeitraum wird eine Nahrungsmenge gegessen, die deutlich größer ist als die Menge, die andere Menschen im selben Umfang unter den gleichen Umständen essen würden.
  2. während des Essanfalls wird der Verlust der Kontrolle über das Essen empfunden B. Die Essanfälle sind mit mind. 3 der folgenden Merkmale verbunden
  1. Es wird wesentlich schneller gegessen als normal,
  2. es wird gegessen, bis man sich unangenehm voll fühlt,
  3. es werden große Mengen gegessen, obwohl man sich nicht körperlich hungrig fühlt,
  4. es wird allein gegessen, weil es einem peinlich ist, wie viel man isst,
  5. man fühlt sich von sich selbst angeekelt, depressiv oder sehr schuldig nach dem Überessen.

B. Seelisches Befinden Es besteht hinsichtlich der Essanfälle merkliche Verzweiflung.

C. Häufigkeit der Eßanfälle Die Essanfälle treten im Durchschnitt an mindestens 2 Tagen pro Woche über 6 Monate auf.

D. Kein Kompensationsverhalten (wie die Betroffenen mit der während der Attacke aufgenommen Menge an Nahrung umgehen)

Die Essanfälle sind nicht mit der regelmäßigen Anwendung von unangemessenen Kompensationsverhalten (z.B. abführende Maßnahmen, Fasten oder exzessiver Sport) verbunden und treten nicht im Verlauf einer Anorexia nervosa (Magersucht) oder Bulimia nervosa (Eß-Brech-Sucht) auf. Unterscheiden muß man Binge-Eating von der Adipositas. Adipöse Menschen überessen sich sozusagen ständig, während bei Binge-Eatern das Überessen eben anfallsartig auftritt und sie sich außerhalb dieser Anfälle nicht überessen. Binge-Eater haben häufigt Übergewicht, dies ist aber nicht zwangsläufig eine Folge von Binge-Eating. Manche Betroffene haben Normal- oder sogar Untergewicht.

3. Ursachen


Die Ursachen von Binge-Eating können ganz verschieden sein. Oft sind Mädchen und junge Frauen betroffen, die Angst vor dem Dickwerden haben, weil sie dann nicht mehr dem u.a. von den Medien suggerierten Bild von Attraktivität bzw. Schönheit entsprechen würden. Damit verbunden ist die Angst vor dem Gemiedenwerden von Gleichaltrigen oder die Angst, keinen Partner zu finden. Aber auch immer mehr Männer entwickeln Binge-Eating, um dem vermeintlichen Schönheitsideal zu entsprechen. Beim Binge-Eating-Syndrom sollen ungefähr ein Drittel der Betroffenen männlich sein; die Dunkelziffer ist jedoch um einiges höher. Für viele Betroffene ist die Freßattacke die scheinbar einzig verfügbare Methode, mit unangenehmen Gefühlen (z.B. Trauer, Einsamkeit) fertizuwerdern. Oder aber sie finden in der Freßattacke einen Trost nach Niederlagen, Verlusterlebnissen oder bei Problemen in ihren Freundschaften/Partnerschaften (Frustfressen). Die meisten Betroffenen haben eine Vielzahl an Diäten hinter sich. Auch dies wird als Ursache angesehen: nach unzähligen Diäten mit meist keinem oder wenig Erfolg wird das kontrollierte Essen gänzlich aufgegeben. Ein Sättigungsgefühl scheint nicht mehr vorhanden zu sein. Bedeutsam scheint jedoch vor allem der Umgang mit Gefühlen zu sein.

4. Folgen


Neben Übergewicht hat die Binge-Eating-Störung vor allem auch psychosoziale Folgen. Um das veränderte Eßverhalten vor der Umwelt zu verbergen, ziehen sich die Betroffenen sehr häufig zurück und isolieren sich damit. Die zwischenmenschlichen Kontakte zerbrechen häufig daran. Und das verhindert natürlich erst recht, aus diesem Teufelskreis aus Kontrolle über das Essen und Kontrollverlust bei den Freßattacken auszusteigen. Ein erster Schritt ist es daher, aus der Heimlichkeit und der damit oft verbundenen Einsamkeit auszusteigen und (wieder) in Kontakt mit der Außenwelt zu treten. Das ist schwer, aber nicht unmöglich!

5. Therapie


In der Therapie gilt es im wesentlichen, zwei Problemfelder zu bearbeiten. Zum einen soll erreicht werden, sich wieder an eine normale und ausgewogene Ernährung zu gewöhnen bzw. ein normales Eßverhalten überhaupt erst einmal zu lernen. Der zweite wichtige Therapiebereich sind die zugrundeliegenden psychischen Probleme, die zu dem gestörten Eßverhalten geführt haben. Die Behandlung ist in der Regel – wie bei den meisten Eßstörungen – verhaltenstherapeutisch orientiert. Die Betroffenen lernen die Auslöser für ihre Freßattacken kennen und lernen Alternativen um mit dem „Freßdruck“ umzugehen. Dabei hilft es vielen ein Tagebuch zu führen. Da sehr viele Betroffene ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper haben (z.B. verzerrte Körperwahrnehmung) wird in den meisten Therapien auch körperorientiert gearbeitet. Die Gewichtsreduzierung ist nicht Ziel der Psychotherapie. Diese soll vielmehr langfristig über das veränderte Eßverhalten erfolgen.

6. Heilbar


Ist Binge Eating Disorder heilbar?

Viele in unserem Forum sind der Ansicht, dass es sich bei BED um eine Sucht, ähnlich wie Alkoholismus handelt. Daher gehen sie davon aus, dass man zwar ein Leben lang "abstinenz", aber nicht "gehelit" werden kann. Andere wieder sind der Meinung, wenn die Störung noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass man wieder ein gesundes, "normales" Essverhalten entwickeln kann. Wie so oft ist das wahrscheinlich eine Frage des individuellen Verlaufs. In jedem Fall geht es um das Wiedergewinnen von Lebensqualität.

Lexikon 4.1.0, developed by www.wbb-security.de