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[Vorstellung] Verzweifelt

LuxLisbon

unregistriert

21

Sonntag, 11. April 2010, 20:49

Wie lieb von dir triggerhippie. Ich bin
so froh, dass ich hier inmitten von Menschen bin, die meine Gefühle so gut
verstehen. Allzu oft war ich mir sicher allein zu sein.

Himmel, ja. Ich gehöre auch zu diesen ‚Organisierern’. Wie…
wo… was… wann… Und vor allem: So viel wie möglich!? Am besten mit einer Flut
von Geschmäckern: Süß, salzig, sauer, bitter… Alles nacheinander, ein Reigen,
ein Tanz. Diese Explosion auf der Zunge, diese rasende Abfolge. Für den Moment
tut das gut.

Aber dann? Was bleibt danach? Außer der Scham, dem Ekel? Man
wollte sich doch näher kommen… und ist sich hinterher fremder denn je. Jeder
Bissen trägt einen weiter fort von sich selbst. Man lässt sich selbst allein.

Manchmal empfinde ich den Vorgang selbst wie eine Symphonie.
Aber der Nachklang, das Dröhnen in den Ohren… lässt einen Spüren: Das ist es
doch nicht wert?!

Lux

sommer86

unregistriert

22

Montag, 12. April 2010, 07:00

Vorallem der Ekel vor sich selber regt mich manchmal sehr auf . Warum kann man net einmal mehr zufrieden mit sich sein? Jeden Tag das selbe Spiel....

triggerhippie

unregistriert

23

Dienstag, 13. April 2010, 01:42

Ja, der Beginn eines FA`s ist für mich "ausatmen"... plötzlich konzentriere ich mich nur noch auf das eine, es ist als würde ich meine eigene Seele streicheln...
und dann, wenn der Körper sich meldet, weil er nichts mehr aufnehmen kann und ich versuche immer tiefer in die Welt der Geschmäcker einzutauchen, ich möchte dieses Gefühl nicht verlieren...aber plötzlich schmecken die Dinge anders, der Geschmack ist verzerrt, das stört mich sehr, ich hab doch noch lange nicht genug?! Ich mache weiter, aber die Befriedigung lässt nach... und dann ist mein Körper erschöpft und mit Ihm meine Seele. Meine Gedanken sind das einzige, das sich noch rühren kann...und sie tun es, sie wüten, erfassen jedes Eckchen in meinem Kopf,haha - wir sind dran - sie nutzen die Chance meiner körperlichen Resignation.

...und was sie mir sagen, macht mich traurig, macht mich noch müder, sie schleifen mich vor Gericht und schlachten mich innerlich aus...
(und wieder einmal reduziere ich mich auf meinen Körper, diese befleckte Hülle, die zeigt das ich versagt habe, die die Folgen meiner Gelüste nach außen offen zur Schau stellt !)

Das schlimme ist, ich kann Dir nicht sagen, ob es das wert ist...
Im Nachhinein denken wir uns alle: nein!
Aber dieser Strahl warmen Lichts, der zu Beginn durch die Tür blitzt, die ersten Minuten eines FA`S, dieses Manifest für meine Sinne ( und ich mein nicht nur den Geschmacksinn) - ist etwas nachdem ich mich auch sosehr sehne, selbst in diesem Augenblick...

endlich kann ich den Stecker ziehen und mach mal Pause

bloß blöd, das ich danach wieder raus muss, aus meiner warmen, weichen Welt - und dann brech ich mich wieder selber...

Liebste Grüße
eine sehr,sehr Ratlose

24

Dienstag, 13. April 2010, 09:46

triggerhippie,
aber genau das ist der Punkt, der Essanfall hat etwas Gutes an sich. Ich fand es unglaublich erleichternd, als ich rausgefunden habe, dass ich nicht etwas Dummes tue, für das es keine Erklärung gibt. Es ein Rausch, ein Kick. Den wollen wir natürlich wieder. Ich finde, dass man damit gut arbeiten kann. Könnte es etwas geben, dass Dich ähnlich fordert in Deinen Sinneswahrnehmungen? Gibt es etwas, dass Dich genauso glücklich machen könnte? Anfangs ist man glaube ich immer überzeugt, dass nichts genauso gut sein kann und auf genau diese Art und Weise wird einen wohl auch nichts berühren. Aber man kann Alternativen schaffen! Doch eben nur dann, wenn man genau das, was Du da beschrieben hast, deutlich genug spürt...

25

Dienstag, 13. April 2010, 20:01

Und triggerhippie was wäre, wenn du dir diesen genuss nicht verbieten würdest. vielleicht könntest du dann aufhören, wenn du genug hast.

Ich stelle grade bei mir fest, das ich mich bestrafe innerlich, weil ich überhaupt esse und geniessen ist irgendwie schon lang nicht mehr da.

triggerhippie

unregistriert

26

Mittwoch, 14. April 2010, 09:37

Vielen Dank Ihr Lieben...

Im Moment weiss ich leider noch nicht, was mich so in seinen Bann ziehen könnte, wie ein FA. Nichts, vermag mich so zu füllen, alles abzustellen, als würde ich mein Leben für einen Moment anhalten. Aber ich arbeite dran...

Ja, manchmal klappt es, wenn ich nicht so hart mit mir ins Gericht gehe bei einem FA, und plötzlich kann ich aufhören, bevor die körperliche Erschöpfung eintritt. Aber es gelingt mir nicht jedesmal.

Liebste Grüße
triggerhippie

LuxLisbon

unregistriert

27

Donnerstag, 15. April 2010, 15:12

@sommer86: Vor allem zehrt
das alles oft sooo an den Kräften. Manchmal habe ich das Gefühl, echt nicht
mehr zu können. Obwohl ich doch jeden Tag weiter kämpfe. Das zeigt mir auch,
dass es geht. Aber die Lebensqualität leidet darunter so sehr.

@ triggerhippie: Mir fällt auf, dass wir alle beide eine
beinahe poetische Sicht auf die Sache haben. Irgendwie kommt mir das seltsam
vor. Ich meine… würde beispielsweise ein Alkoholkranker die Poesie in seiner
Sucht erkennen? Oder ein Drogenabhängiger? Das ist eine Frage, die ich mir
schon öfter gestellt habe. Auch, warum die Esssucht die Angewohnheit hat, sich
so oft wirklich… gut anzufühlen. Warum sie der Strohhalm ist, nach der wir
greifen.

Zumal ich es sehr ähnlich empfinde wie du. Deine
Formulierung finde ich sehr treffend und hätte es nicht besser beschreiben
können.

Manche Fragen quälen mich. Beispielsweise, ob es das wert
ist. Natürlich sehne ich mich auch nach der Befriedigung, die es mir gibt. Sehr
sogar. Viel öfter, als mir lieb ist. (Man hat ja nicht immer einen FA, wenn man
sich danach sehnt. Manchmal ist das Verlangen einigermaßen kontrollierbar,
manchmal bricht es sich einfach Bahn). Aber ‚wert’ im eigentlichen Sinne… kann
ich es eigentlich nicht finden. Denn es raubt mir im Grunde mehr, als es mir
für einen kurzen Augenblick geben kann. Dennoch kann ich nicht davon lassen.
Weil manchmal alles so übermächtig wird und ich keinen Ausweg finde.

Denn du beschreibst es selbst: Es ist eine Parallelwelt, die
man betritt. Aus der man nicht gehen will. In der alles besser ist. Aber die
eben doch nicht real ist.

@ N811e: Wie hast du es geschafft
einen derartigen ‚Waffenstillstand’ mit deiner ES zu schließen? Mir gelingt das
überhaupt nicht. Ich kann die FA’ s durchaus nicht als gut wahrnehmen. Ich
versuche mir oft ähnliche Denkweisen zu erschaffen. Mir zu sagen: „Okay, du
hast offensichtlich Möglichkeiten, dir Ruhepole zu erschaffen. Das ist doch
gut. Jetzt lenke deine Energie auf etwas, dass ähnlich befriedigend ist und
schon ist alles supi.“ Leider funktioniert das bei mir überhaupt nicht. Der
Gedanke ist da. Aber er treibt lose in meinem Kopf herum und findet keinen Ort,
an dem er Wurzeln fassen kann.

@ Karo48: Irgendwann aufhören,
das geht bei mir gar nicht. Nicht bevor gar nichts mehr reingeht. Bei mir sind
die FA von heute auf Morgen aufgetreten und sie sind sehr extrem, soweit ich
das beurteilen kann. Bei mir ist halt immer der Gedanke: „Jetzt ist eh alles
egal!“ Fress halt. Das ist richtig eine schneidende Stimme in meinem Kopf. Wie
ein Peitschenhieb.

Lux

28

Sonntag, 18. April 2010, 13:36

Liebe Lux,
wie ich das geschafft habe? Keine Ahnung... Das ist ja das fiese, man kann hier Ratschläge geben und Ratschläge geben und dennoch kann man eigentlich nicht helfen. Wir alle wissen ja woran es liegt: Selbstliebe, übersteigerter Perfektionismus, Kontrollgedanken usw. Und helfen tut es meistens dennoch nichts... Im Grunde hilft es mir ja auch nichts, dass ich Frieden mit der Esssucht geschlossen habe. Ich überesse ja weiterhin und ich werde dicker. Und leide darunter ;(

Hab mir gerade meinen letzten Beitrag durchgelesen. Der klingt ja deutlich optimistischer. Mir geht es gerade nicht so besonders, da hab ich dann immer das Gefühl, dass ich keinen Schritt voran gekommen bin, obwohl das vermutlich nicht stimmt...

29

Sonntag, 18. April 2010, 15:17

Hab mir gerade meinen letzten Beitrag durchgelesen. Der klingt ja deutlich optimistischer. Mir geht es gerade nicht so besonders, da hab ich dann immer das Gefühl, dass ich keinen Schritt voran gekommen bin, obwohl das vermutlich nicht stimmt...


Ja, genau so geht es mir auch!
aber wenn die dunklen Wolken wieder weg sind und wir zurückblicken sehen wir den Weg und alles was wir auf ihm geschafft haben. Jetzt wird das eben durch die Wolken verdeckt, aber es tröstet (mich) ein bisschen, dass da hinter was ist.

LG lols
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.