Liebe
najica!
Ich denke schon, dass ich eine Motivation habe zu essen. Ich
will einfach den Zustand von Erfülltheit, von Ausgefülltheit erreichen, zu dem
ich im Alltag sonst nicht gelange. Dazu muss ich sagen, dass ich mich nicht
gerade in meinem Traumberuf befinde, aber auch keine Alternativen für mich
sehe. Es fühlt sich so nach… hoffnungslos an. Und dann kommt dieses: „Ist eh
alles egal. Wie du aussiehst, was du isst, wie es schmeckt. Hau einfach rein!“
Ich habe echte Rituale und Mechanismen entwickelt.
Mir geht es ähnlich wie dir. Ich öffne mich ebenfalls nur
schwer. Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass das Gegenüber meine Gefühle
nicht teilen kann. Wie in der
Therapie eben. Der Therapeut kann versuchen sich
in mich hinein zu versetzen- aber es wird ihm nicht gelingen. Das können nur
Betroffene, die meine Gefühle nachvollziehen können.
Bis gestern dachte ich, dass es für meine Form der
Essstörung keinen Begriff gibt. Ich habe das nur zufällig erfahren. In einem
Essstörungsforum berichtete ein junges Mädchen von ihrem Essverhalten. Dort
fiel dann der Begriff
Binge Eating Disorder. Ich dachte nur: Was ist das? Von Bulimie
und Magersucht hört man wenigstens ab und zu mal etwas. In diese Essstörungen
konnte ich mich nie einordnen. Ich bin froh, dass ich das jetzt kann. Dass ihr
mich offensichtlich gleich als eine von euch erkannt habt.
Liebe laverne !
Supersüß, danke. Ich bin auch jemand, der sehr viel Kraft
hat. Ich bin sehr impulsiv, intensiv, sehr energetisch. Aber das alles… bis zur
Selbstaufgabe. Ich habe den Drang nach Perfektion. Mich voll stopfen… das
bedeutet ein gehen lassen, dass ich im Alltag nicht kenne. Das ist ebenfalls
eine Erklärung, die ich gefunden habe. Dass ich einfach eine Sehnsucht danach
habe, kein Schauspiel mehr für andere abzuziehen. Einmal nicht vollkommen sein
zu müssen.
Was du beschreibst interessiert mich sehr. Andere Wege für die Gefühle finden. Das
muss ich wohl auch lernen. Hast du schon ansatzweise Möglichkeiten gefunden? Tricks,
wie es besser funktioniert? Wenn du magst, dann berichte mir doch bitte…
Denn du hast Recht. Mit Willenskraft allein kommt man nicht
weiter. Das alles ist viel zu sehr in mir verwurzelt. Es hat sich tief in meine
Seele gebohrt und ich muss nicht nur Ursachenforschung betreiben, sondern mich
mit allen Teilen an und in mir aussöhnen, die ich bisher so eisern ablehne.
Liebe
triviality!
Danke für diesen informativen und sehr konkreten Beitrag.
Über all das werde ich intensiv nachdenken.
Denn mir ist in letzter Zeit klar geworden, wie tief mein
Unwille gegen Therapien im klassischen Sinne ist. Ich habe da schon eine ‚Karriere’
hinter mir (nicht im Bezug auf die
Essstörung, sondern auf andere
Angstbereiche) und diese ganze therapeutische Schiene bringt nicht den Erfolg,
wie ich ihn brauche.
Eine Selbsthilfegruppe wäre wirklich prima. Leider befinde
ich mich momentan in einer Prüfungssituation und habe weder Zeit noch Geld. Das
belastet mich alles sehr. Erstens die Situation mit dem ganzen Lernstress an
sich, zweitens, dass diese Essanfälle wieder eingesetzt haben (Reaktion auf den
Stress) und drittens, weil ich derzeit so wenig dagegen tun kann. Ein
Teufelskreis, der mich sehr schlaucht.
Das alles mit der selbst geleiteten Gruppe klingt gut. Ich
würde das gerne machen. Aber derzeit geht das einfach nicht. Und ich frage
mich: Wie soll ich diese Zeit ohne Hilfe überbrücken? Ich habe echt Angst,
weißt du.
Bei mir sind die Essanfälle wirklich vor allem
Gefühlskompensation. Ich leide sehr an meinem übersensiblen Wesen, dass stark
von Emotionen und Empfindungen, aber auch von Ängsten beherrscht ist. Es ist
unglaublich, was sich manchmal in mir abspielt. Ich würde das gerne für euch in
Worte fassen, aber ich kann das nicht. Dafür fehlen Worte. Chaos trifft es am
besten, aber das ist es doch wieder nicht ganz.
An
lols:
Vielen Dank. Ich werde mich am WE in Ruhe hier einlesen und
dann auch ein bisschen was über mich im Einzelnen posten, wenn ich Zeit finde.
An
sonja:
Auch dir meinen herzlichsten Dank!
Lux