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[Vorstellung] Verzweifelt

LuxLisbon

unregistriert

1

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:09

Verzweifelt

Meine lieben Freunde!


Ich hoffe ihr verzeiht mir, dass ich mit der Tür ins Haus
falle. Dass ich einfach alle Türen aufstoße, ohne ein Profil angelegt zu haben
etc. Das ist nicht die feine Art. Aber ehrlich.

Denn die Wahrheit ist: Ich wünsche mir Gleichgesinnte, die ‚es’
verstehen. Dieses Gefühl, wenn es einen überkommt. Wellenartig,
unkontrollierbar… stark bis zum Wahnsinn. Dieser Drang. Mehr. Mehr… Noch mehr…
Kein Geschmack im Mund – eigentlich. Einfach nur etwas im Mund haben, das man
kauen kann. Nein, schlingen. Damit dieses Verlangen schweigt, damit man die
Klauen der Angst nicht mehr spürt.

Ich beschreibe es, als beherrsche es mich. Das tut es auch.
Bei mir sind diese Essanfälle wirklich unkontrollierbar geworden. Morgens
überlege ich schon, wie und was und wo ich am Abend esse. Die Nahrung
beherrscht mich.

Ich finde erst Ruhe, wenn ich mich vollgestopft habe. Und
dann folgt das schlechte Gewissen. Die Gewissheit, dass man es wieder nicht
geschafft hat. Wieder hat man keinen Weg gefunden, sich auf normalem,
natürlichen Wege mit dem Leben abzufinden. Man hat sich wieder einem Ausweg
hingegeben. Man hat sich gehen lassen. Pfui.

Bis vor einigen Minuten wusste ich kein Wort dafür. Wusste
nicht, dass es dies als ‚Krankheitsbild’ gibt. Fühlte mich allein. Schließlich
habe ich keine Magersucht. Schließlich habe ich keine Bulimie. Irgendwie eine
Essstörung, ja. Aber vielleicht eine unspezifische. Vielleicht auch nicht.
Wisst ihr, was ich meine? Könnt ihr nachvollziehen, was ich fühle? Vor all dem
schützt mich nichts. Nicht mein junges Alter, nicht mein wacher Geist, nichts.
Diese Sucht beherrscht mich. Genauso wie jede andere Sucht zu beherrschen
vermag.

Wie findet man einen Weg aus all dem?

Lux

2

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:20

Hallo Lux,

whao, bin ehrlich hingerissen von deinem -für mich- auch etwas poetischem Text.
Nicht falsch verstehen... ich fühle deine tiefe Verzweiflung gut nach.
Und was du da schreibst... beschreibt so gut das, was ich an vielen Tagen durchleide...

Willkommen im Forum. Hier wirst du wohl vieles finden was gut für dich zu lesen ist.
Und ich hoffe du wirst dich so gut angenommen und aufgehoben fühlen wie ich es tue.

Wie man einen Weg aus dem Allem findet...
das kann ich dir wohl auch nicht beantworten denn ich stecke mittendrinnen...
aber es gibt viele Möglichkeiten es zu versuchen (Therapie, Selbsthilfegruppen, dieses Forum, Selbsthilfebücher, psychosomatische Kliniken, sonstige auf Essströrungen spezialisierte Beratungsstellen - vierschieden je nach Stadt, und bestimmt noch Sachen die mir jetzt nicht einfallen oder die ich selbst nicht kenne...). Es gibt auf jeden Fall Hoffnung.

Vielleicht kannst du nicht absolut JETZT sofort alles ändern - aber nach und nach und vielleicht mit Hilfe wenn du magst... wird es wohl gehen.
Wenn du dich auf den Wegbegibst, daran arbeitest... kämpfst...
Natürlich ist es nicht bei jedem Gleich. Jeder hat seine Geschichte und doch haben scheinbar so viele von uns vieles gemeinsam.

Willkommen nochmal, freue mich auf Austausch und wünsche dir viel Kraft!
triv.

3

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:25

Hallo du...
...ohjaa leider verstehe ich dich auch nur zu gut! Wenn das Essen so viel im Leben einnimmt, die Gedanken und alles um einen rum beeinflusst!
Ich bin auch noch neu hier und habe noch nicht wirklich Tips...aber ich hoffe du findest hier etwas das dir hilft und wenn es nur Gleichgesinnte sind!

lg

4

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:30

Grüss Dich, Lux.

Du hast "uns" hier perfekt beschrieben :)

Sei willkommen!

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

LuxLisbon

unregistriert

5

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:41

Liebe triviality!

Tausend Dank für deine rasche Antwort – es tut so gut, dass
jemand ‚da’ ist. Denn gerade geht es mir gar nicht gut. Ich bin gerade mitten
drin in einer dieser Phasen, wo nur das Essen das rasende Chaos in mir zähmt.
Verrückt, oder? Dass man das Essen zum Rettungsanker zu machen versucht?


Es tut so gut zu hören, dass du all das auch kennst. Warum
glaube ich bisher, dass ich damit allein bin? Vielleicht, weil diese Form der
Essstörung nicht so bekannt in den Medien ist. Ich habe davon noch nie gehört
und ich bin weiß Gott nicht schlecht informiert.

Ich habe ganz doll Hoffnung, dass ich hier viele Antworten
auf für mich ungeklärte Fragen finde. Viele Menschen, die mir helfen, mich und
diesen Zustand zu verstehen, in dem ich mich phasenweise hilflos gefangen
fühle. Das Problem ist, dass ich ein ganz intensiver Mensch bin. Mit ganz
intensiven Gefühlen… die ich nicht kompensieren kann. Diese tiefen Gefühle
geben mir tolle Worte ein und machen mich zu einer guten Zuhörerin und einem
scheinbar unbeschwerten Menschen. Aber das täuscht so sehr. An all dem leide
ich auch jeden Tag. Und keiner ahnt etwas?!

Was Therapie betrifft. LEIDER habe ich damit ganz große
Probleme. Es klingt unglaublich- aber zu Therapeuten finde ich absolut keinen
Draht. Das sind einfach nur Menschen für mich, die gutes Geld für das bekommen,
was sie leisten. Ich kann mich da absolut nicht öffnen. Vielmehr betreibe ich
eine Art Selbstdarstellung (wie stets in meinem Leben) und es kommt nichts
dabei rum. Gespräche mit Gleichgesinnten, die es wirklich nachvollziehen
können, die wünsche ich mir. Das fehlt mir sehr.

Trotzdem danke. Für deine aufrichtigen, aufbauenden Worte.
Ich nehme mir all das zu Herzen. Auch wenn es für mich unüberwindlich scheint.
Aber SO will ich nicht mehr leben. Wirklich nicht. Mir ist das selbst so
unangenehm und ich schäme mich so entsetzlich. Da zieht man sich in sein
kleines Kämmerlein zurück und plündert den Kühlschrank. Warum? Mit welcher
Motivation? Was verspreche ich mir nur davon? Ich verstehe das selbst nicht. Es
ist wie ein Selbstläufer. Schon eingespielt. Routine.



Liebe najica!

Habe auch du Dank für deine Rückmeldung. Mir scheint, dass
ich tatsächlich nicht allein bin. Hier ist es, dieses Fünkchen Verständnis, das
ich mir ersehne. Danke.

Essen beschäftigt mich wirklich ständig. Morgens nach dem
Aufstehen schon, bis spät abends. Wieviel. Welche Menge. Was. Ich habe diese
Diätphasen, dann wieder Fressanfälle. Aber niemals ein gesundes, normales,
ausgeglichenes Maß. Nur Extreme.


Gleichgesinnte… das ist mein erster Wunsch. Alles andere
wird sich finden. Diese Isolation muss aufhören. Eine Isolation, die sich aus
dem Gefühl des ‚anders seins’ speist. Gemeinsam anders sein… das ist schon
einfacher zu ertragen.



Lieber Petrus!

Ich genieße die Wärme, die hier alle mir entgegen bringt.
Ich habe das Gefühl hier in einem Reigen warmherziger Menschen gelandet zu
sein. Ich genieße das schon jetzt.

Tausend Dank.

Lux

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »LuxLisbon« (20. Januar 2010, 21:41)


6

Mittwoch, 20. Januar 2010, 21:55

Ich frag mich auch oft wieso ich esse, welche Motivation ich hab...aber da ist eigentlich keine..denn ich will gar nicht essen! Es macht mich so unglücklich wenn ich mich voll stopfe, es hat keinen Sinn! Aber doch tut man es immer wieder! Routine..ich weiß nicht!?

Therapie ist sicher nicht für jeden etwas..mir fällt es schwer Leuten ehrlich zu sagen wenn es mir schlecht geht und mich zu öffnen! Liegt sicher an meiner Kindheit in der es niemanden interessiert hat wie es mir ging und mich Gefühle um so verletzbarer gemacht haben!
Aber ja du hast hier Leute die vieles so auch fühlen und erleben und sich sicher auch fragen! Und es wird dir hoffentlich helfen!

Hmm..ja wenn man dicke im Fernsehen sieht, habe ich das Gefühl es ist nicht so das es als Krankheit wie unsere gezeigt wird..sondern die vielen die da sagen ich füle mich wohl, ich hab mit der Schilddrüse, die sich ein Magenband einsetzen lassen oder wo einfach die Tatsache benannt wird das es immer mehr Übergewichtige gibt!
Wobei bei Bulemie etc schon mehr in Reportagen eingegangen wird zb...aber evt täusch ich mich auch!?

7

Donnerstag, 21. Januar 2010, 06:48

Hallo Lux,
wow - ich habe eine Gänsehaut bekommen, als ich deinen Text gelesen habe. Das ist so wahr, so nahe, aber auch so voll Power ... Für mich selbst ist der "Weg da raus" kein gerader Weg, sondern vielleicht eher eine Wendeltreppe. Auf der ich auch manchmal wieder ein paar Stufen rückwärts gehe ... In meiner ersten Therapie vor 6 Jahren habe ich gelernt und vor allem gefühlsmäßig begriffen, dass es ungewollte Gefühle sind, die ich "wegessen", ja, "in mich hineinfressen" will. Nun arbeite ich daran, andere Wege für diese Gefühle zu finden ... In letzter Zeit beschäftige ich mich viel damit, dass es nicht unbedingt die "Willenskraft" ist, mit der ich dieses Problem angehen kann. Sondern ich muss mein Unbewusstes "mit ins Boot holen" ...
Herzlich willkommmen hier bei uns!
GLG
laverne
"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht." (Vaclav Havel)

8

Donnerstag, 21. Januar 2010, 07:27

Lux,

wollte dir nochmal kurz schreiben... ;)
Das mit der Therpie- dass das nix für dich ist... ist doch völlig ok. Und heute ist ja nicht aller Tage Abend oder wie geht der Spruch noch gleich... :rolleyes:
Aber wenn du dringend gleichgesinnte brauchst könntest du es (abgesehen von diesem tollen Forum) wirklich mit einer Selbsthilfegruppe probieren. Und falls du das Therapeutisch so garnicht magst - es gibt auch "nicht geleitete" Selbsthilfegruppen! Ich bin in einer zum Bespiel.
Wir sind immer zwischen vier und zehn Mädels die sich einmal die Woche in einem (zur Verfügung gestelltem) Gruppenraum treffen.
Wir sind alle in etwa gleich alt. Wobei das garnicht so eine große Rolle spielen würde. Wir müssen jeder Pro Person und Treffen 1,50€ Raumgebühr zahlen. Also eher wenig. Die Gruppe ist nicht geleitet. Wir sind also unter uns. Aber der Ausstausch... das Wissen, dass es anderen genauso geht... sich gegenseitig unterstützen...
Und natürlich machen wir auch mal privat was, ohne das Thema Essstörung spezifisch. Aber es ist leichter, denn alle wissen bescheid. Keine Schamgefühle, keine oh-Gott muss ich vielleicht was essen wenn ich mit denen was mach oder so...
Kann nur jedem wünschen der eine Selbsthilfegruppe sucht, dass er eine so tolle findet wie ich.
Muss aber zugeben, dass ich jetzt paar Mal nicht hingegangen bin, weil es mir in mir einfach zu schlecht ging. Aber da ist das Wissen in mir -
ich kann hingehen wenn ich will. Sie sind immer da...

Übrigens find ich kein bisschen verrückt, dass du schreibst, dass das Essen dein inneres Chaos zähmt...
Ich kenne die betäubende Wirkung von Essen (als Suchtmittel) nur zu gut.

Das Essen so zu "benutzen" wie wir es tun ist eben ein Suchtverhalten. Und wie bei jeder anderen Sucht auch gibt es vielleicht nicht für jeden einzelnen Suchtanfall (Essanfall bei uns) eine Erklärung oder Rechtfertigung. Bei einigen Essanfällen sind sicher Gefühle dahinter wie Wut, Langeweile,Traurigkeit, Einsamkeit... andere essen auch positive Gefühle weg... aber ich weiss, dass es bei mir einfach auch immer wieder "lediglich" der Suchtdruck ist der mich zum Fressen bringt. Die Sucht hat dann einfach gesiegt in dem Moment. Der Kampf gegen die Sucht ist nicht leicht. Aber wie andere süchtige auch können wir es schaffen aus dem Suchtkreislauf auszubrechen. Rein theoretisch. Praktisch ist das nicht so leicht... aber sicher trotzdem schaffbar. Wenn du durchs Forum liest, stößt du sicher auch auf positiv Beispiele...
Will dir nur aufzeigen, dass es nicht total hoffnungslos ist. Außerdem bist du jetzt nicht mehr alleine damit...
Wir alle sitzen im gleichen Boot.

Glg, triv.

9

Donnerstag, 21. Januar 2010, 09:01

Ich habe das Gefühl hier in einem Reigen warmherziger Menschen gelandet zu
sein. Ich genieße das schon jetzt.


Ja, das bist Du...ich genieße das hier auch sehr.

Herzlich Willkommen hier im Forum.
Komm in Ruhe an und schau Dich um.

lols :forum:
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.

10

Donnerstag, 21. Januar 2010, 09:15

Hallo Lux,

will kommen im Forum!

LG,

Sonja :D .
Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit weg vom Weg der Weisheit. (aus China)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

11

Donnerstag, 21. Januar 2010, 14:22

Liebe Lux,

ich sende Dir erstmal ein ganz :herz: liches Willkommen hier. Ich hoffe sehr, dass Du findest, was Du gesucht hast...

Und Du bist ganz sicher nicht alleine. Jeden, wirklich jeden Gedanken, im Zusammenhang mit der Sucht hat hier irgendjemand schon genauso gedacht. Wir sind uns in gewisser Hinsicht sehr ähnlich und deshalb wirst Dich sicher auch vieles "lernen" und mitnehmen können, wenn Du Dich hier ein wenig einliest.

Du kommst auch zu einer sehr guten Zeit hier an, der Austausch ist gerade sehr rege, denn es sind in den letzten Wochen sehr viele Neue hinzugekommen, weshalb sich auch total viele spannende Themen über "den Einstieg" hier finden über all die grunsätzlichen Fragen, die es eben zu klären gibt...

Sei Dir sicher, es gibt Möglichkeiten den Kreislauf zu durchbrechen. Es ist wirklich, wirklich nicht einfach, aber es ist möglich und das ist doch schon sehr viel wert.

Ich grüße Dich ganz lieb,
Deine N811e

LuxLisbon

unregistriert

12

Donnerstag, 21. Januar 2010, 14:34

Liebe najica!

Ich denke schon, dass ich eine Motivation habe zu essen. Ich
will einfach den Zustand von Erfülltheit, von Ausgefülltheit erreichen, zu dem
ich im Alltag sonst nicht gelange. Dazu muss ich sagen, dass ich mich nicht
gerade in meinem Traumberuf befinde, aber auch keine Alternativen für mich
sehe. Es fühlt sich so nach… hoffnungslos an. Und dann kommt dieses: „Ist eh
alles egal. Wie du aussiehst, was du isst, wie es schmeckt. Hau einfach rein!“
Ich habe echte Rituale und Mechanismen entwickelt.

Mir geht es ähnlich wie dir. Ich öffne mich ebenfalls nur
schwer. Vor allem, wenn ich das Gefühl habe, dass das Gegenüber meine Gefühle
nicht teilen kann. Wie in der Therapie eben. Der Therapeut kann versuchen sich
in mich hinein zu versetzen- aber es wird ihm nicht gelingen. Das können nur
Betroffene, die meine Gefühle nachvollziehen können.

Bis gestern dachte ich, dass es für meine Form der
Essstörung keinen Begriff gibt. Ich habe das nur zufällig erfahren. In einem
Essstörungsforum berichtete ein junges Mädchen von ihrem Essverhalten. Dort
fiel dann der Begriff Binge Eating Disorder. Ich dachte nur: Was ist das? Von Bulimie
und Magersucht hört man wenigstens ab und zu mal etwas. In diese Essstörungen
konnte ich mich nie einordnen. Ich bin froh, dass ich das jetzt kann. Dass ihr
mich offensichtlich gleich als eine von euch erkannt habt.

Liebe laverne !

Supersüß, danke. Ich bin auch jemand, der sehr viel Kraft
hat. Ich bin sehr impulsiv, intensiv, sehr energetisch. Aber das alles… bis zur
Selbstaufgabe. Ich habe den Drang nach Perfektion. Mich voll stopfen… das
bedeutet ein gehen lassen, dass ich im Alltag nicht kenne. Das ist ebenfalls
eine Erklärung, die ich gefunden habe. Dass ich einfach eine Sehnsucht danach
habe, kein Schauspiel mehr für andere abzuziehen. Einmal nicht vollkommen sein
zu müssen.

Was du beschreibst interessiert mich sehr. Andere Wege für die Gefühle finden. Das
muss ich wohl auch lernen. Hast du schon ansatzweise Möglichkeiten gefunden? Tricks,
wie es besser funktioniert? Wenn du magst, dann berichte mir doch bitte…

Denn du hast Recht. Mit Willenskraft allein kommt man nicht
weiter. Das alles ist viel zu sehr in mir verwurzelt. Es hat sich tief in meine
Seele gebohrt und ich muss nicht nur Ursachenforschung betreiben, sondern mich
mit allen Teilen an und in mir aussöhnen, die ich bisher so eisern ablehne.

Liebe triviality!

Danke für diesen informativen und sehr konkreten Beitrag.
Über all das werde ich intensiv nachdenken.

Denn mir ist in letzter Zeit klar geworden, wie tief mein
Unwille gegen Therapien im klassischen Sinne ist. Ich habe da schon eine ‚Karriere’
hinter mir (nicht im Bezug auf die Essstörung, sondern auf andere
Angstbereiche) und diese ganze therapeutische Schiene bringt nicht den Erfolg,
wie ich ihn brauche.

Eine Selbsthilfegruppe wäre wirklich prima. Leider befinde
ich mich momentan in einer Prüfungssituation und habe weder Zeit noch Geld. Das
belastet mich alles sehr. Erstens die Situation mit dem ganzen Lernstress an
sich, zweitens, dass diese Essanfälle wieder eingesetzt haben (Reaktion auf den
Stress) und drittens, weil ich derzeit so wenig dagegen tun kann. Ein
Teufelskreis, der mich sehr schlaucht.

Das alles mit der selbst geleiteten Gruppe klingt gut. Ich
würde das gerne machen. Aber derzeit geht das einfach nicht. Und ich frage
mich: Wie soll ich diese Zeit ohne Hilfe überbrücken? Ich habe echt Angst,
weißt du.

Bei mir sind die Essanfälle wirklich vor allem
Gefühlskompensation. Ich leide sehr an meinem übersensiblen Wesen, dass stark
von Emotionen und Empfindungen, aber auch von Ängsten beherrscht ist. Es ist
unglaublich, was sich manchmal in mir abspielt. Ich würde das gerne für euch in
Worte fassen, aber ich kann das nicht. Dafür fehlen Worte. Chaos trifft es am
besten, aber das ist es doch wieder nicht ganz.

An lols:

Vielen Dank. Ich werde mich am WE in Ruhe hier einlesen und
dann auch ein bisschen was über mich im Einzelnen posten, wenn ich Zeit finde.

An sonja:

Auch dir meinen herzlichsten Dank!

Lux

LuxLisbon

unregistriert

13

Mittwoch, 7. April 2010, 19:10

Hallo Leute!

Ich habe mich schon vor einiger Zeit hier angemeldet, aber mich hat leider der Mut verlassen, mich hier weitergehend zu beteiligen.

Leider nehmen meine Fressanfälle jetzt immer ausgeprägtere Formen an. Ich sehne mich so nach Austausch, nach Leuten, die mich wirklich verstehen.

Drückt mir die Daumen, dass ich DEN Mut finde, alle meine Sorgen mit euch zu teilen.

Lux

sunflower

unregistriert

14

Mittwoch, 7. April 2010, 21:22

Hallo Lux,
auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Sehnsuchtshunger...Du hast den Mut doch schon gehabt, Dich hier zu öffnen. Was besseres kann einem für den Anfang nicht passieren: daß man erkennt; daß man sich öffnet; daß man sich sich mitteilt und Hilfe annimmt; das ist der Beginn des Weges - fühl Dich hier geborgen und in einem Netz von Mitgefühl, Anteilnahme und jede Menge Verstandenwerden gehalten.

Gruß
Susanne


PS. Werde hier immer noch als Schüler geführt...mit dreiundvierzig :-))

15

Mittwoch, 7. April 2010, 21:29

Hallo, Lux,

einfach mal ein herzliches Willkommen. Hier hatte fast jeder anfangs ein wenig Probleme, die ersten Schritte zu machen, aber das kommt bald ganz schnell. Ich glaube, dieses Forum tut "unsereins" sehr gut.

Viele Grüsse, fühl Dich hier wohl...

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

LuxLisbon

unregistriert

16

Donnerstag, 8. April 2010, 04:07

Liebe Sunflower!

Vielen Dank für deine Anteilnahme – tut gut. Es stimmt, die
Anmeldung hier war der erste Schritt. Dennoch müssen auf diesen kleinen Schritt
ja noch weitere folgen. Und diesen zu beschreiten, das fällt mir unheimlich
schwer. Sich erst einmal einzugestehen, dass etwas außer Kontrolle geraten ist.
Und das nicht nur als ‚Phase’, sondern über einen längeren Zeitraum… das ist
schon SEHR schwer. Auch wenn hier ENDLICH unheimlich viele Menschen sind, für
die DAS nicht nur seltsam oder ekelig ist… sondern ebenso der Alltag… Ehrlich
gesagt denke ich, dass diese Essstörung relativ unbekannt und für Außenstehende
oft vollkommen unverständlich ist.

Und was das Schülerin betrifft… im Grunde sind wir das –egal
wie alt wir sind – doch alle? Wir sind hier angemeldet, weil wir unseren Umgang
mit der Essstörung bzw. dem Essverhalten allgemein SCHULEN müssen. Insofern
finde ich das gar nicht mal so untreffend.




Lieber Petrus!

Ja, das stimmt. Keinem von uns dürfte es leicht fallen, sich
damit auseinander zu setzen, was da passiert. Es ist zwar wichtig, aber es ist
auch schmerzlich. Manchmal denke ich, dass ich gar nicht wissen will, was alles
dazu führt, dass das alles so entgleist ist. Dann wieder denke ich, dass diese Sucht
eigentlich nur der Hilfeschrei meiner Seele ist. Meiner Seele, die sich anders
nicht zu helfen und/ oder zu retten weiß. Insofern hat sogar diese Sucht ihre
Daseinsberechtigung.

Viele liebe Grüße

Lux

17

Donnerstag, 8. April 2010, 07:33

Hallo Lux,

ganz herzlich willkommen hier im Forum.
Hoffe Du fühlst Dich wohl und bald so heimisch wie ich hier.

Drückt mir die Daumen, dass ich DEN Mut finde, alle meine Sorgen mit euch zu teilen.


Vielleicht ja nicht gleich ALLE Sorgen? ;)
Mach langsam, mach in Deinem Tempo, Vertrauen und Mut müssen wachsen!
Es wird von ganz alleine kommen...


LG lols
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.

Malin

Profi

Beiträge: 826

Wohnort: Bremen

Beruf: Erzieherin

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18

Donnerstag, 8. April 2010, 08:37

Herzlich willkommen, Lux,
ich habe auch zuerst sehr lange hier mitgelesen, bis ich mich angemeldet habe, und dann hat es noch eine weile gedauert, bis ich mich auch "zeigen" mochte....
Jetzt gehört dieses forum zu meinem leben, ich schaue täglich nach, habe zu meinen fragen sofort etliche , ehrliche rückmeldungen bekommen, was mir total hilft,
DANKE ALLEN noch mal dafür! Und wie lols sagt, mach es nach deinem gefühl und thempo-

Gruß Malin

LuxLisbon

unregistriert

19

Freitag, 9. April 2010, 13:38

@lols:

Als ich mich hier angemeldet habe, habe ich gleich das
Gefühl gehabt, dass ich hier gut aufgehoben bin und eigentlich keine Scham
haben muss. Dennoch ist die Überwindung enorm für mich. Es fällt mir schwer mir
das zuzugestehen. Dabei ist Angst doch nichts, was man verurteilen müsste.
Dieser erste Schritt ist immerhin für jeden eine riesige Überwindung.

Sagen wir es so: Ich hoffe, dass ich es schaffe, mit euch zu
teilen, was ich teilen möchte. Und nicht aus Angst und Sorge mit etwas hinter
dem Berg halte, was ich eigentlich besprechen möchte.

Aber du hast recht: Das Tempo bestimme ich. Ich kann mir
Zeit lassen. Kein Druck, kein Druck…



Lieber Malin!

Ich denke, dass viele hier erst einmal ein Weilchen
reinschnuppern, ehe sie sich trauen. Für mich persönlich kann ich nur sagen,
dass ich auch durch verschiedene derzeitige Lebensumstände daran gehindert
wurde, mich hier zu beteiligen. Eventuell war aber auch eine enorme Portion
Verdrängung und das ‚es nicht sehen wollen’ Mitauslöser.

Aber wie auch immer: Jetzt bin ich hier.

Ich hoffe einfach auf die Kraft der Gemeinschaft, die
Denkansätze aufzeigt und etwas mehr Verständnis für mich selbst in mir weckt.
Denn manchmal verurteile ich mich einfach nur dafür, dass ich es nicht ‚wie
andere einfach so schaffe’.

Lux

triggerhippie

unregistriert

20

Sonntag, 11. April 2010, 20:22

Liebe Lux,

Du hast das sooo (haaaaaaa...ausatmen) treffend geschrieben. Ja es ist so, es beherrscht mich, nichts kann mich aufhalten, ich geifere danach, ich verstecke, organisiere, plane:wie,wo,wann, und ist auch genug da.... oh, welch ein Verlangen, diese Unersättlichkeit, dieses große Fragezeichen, das gefüllt werden will...

und dann: der Ekel, der Selbsthass, die Isolation...ich will nicht mehr in die Welt hinaus, ich will mich nicht waschen, will nicht meinen Körper sehen....

ach, ich kenne es nur zu gut, hab mir diese verdammt schweren Stiefel angezogen und kriegs nicht gebacken, sie abzustreifen, dabei kommt doch jetzt der Sommer ;g)

Danke, für Deinen Beitrag!!!!

triggerhippie