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montagsmaler

unregistriert

1

Sonntag, 30. August 2009, 09:06

Wieviel soll ich meinem Partner erzählen?

hallo zusammen

vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen...
ich bin seit 2 jahren mit meinem freud zusammen und habe ihm bis jetzt noch nichts von meinen ES erzählt. irgendwie brennt es mir aber auf dem herzen, dass er es weiss und deshalb dann auch gewisse reaktionen (absagen im letzten moment) verstehen kann. ist es besser ihm nichts davon zu sagen, um ihn nicht mitrein zu ziehen?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »lols« (30. August 2009, 09:36)


2

Sonntag, 30. August 2009, 09:28

Hallo,

zuerst einmal herzlich willkommen.

Ich selbst habe meiner Frau von Anfang an von meinen Essstörungen erzählt, und auch enge Freunde wissen darüber Bescheid. Für mich war es nicht vorstellbar, wie sie mich richtig verstehen sollen/können, ohne zu wissen, was mit mir los ist. Ich habe mein Leben mit diesem Problem nicht von meiner Frau und meinen Freunden abtrennen können, so sollte das auch möglich sein? Aber allgemeine Empfehlungen kann es da eigentlich nicht geben, es kommt immer auf den Betroffenen und sein Umfeld an. Wobei mir Wahrheit und Offenheit immer sehr wichtig waren und sind.

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

3

Sonntag, 30. August 2009, 09:38

Auch von mir ein herzliches Willkommen Montagsmaler,

auch ich habe eher gute Erfahrungen damit gemacht, es zu erzählen.
Es wird nicht immer sofort verstanden, manchmal musst ich es mehrmals erklären und ich habe auch das Gefühl, Nicht-Betroffene verstehen es nie so ganz. Deshalb bin ich in diesem Forum gelandet.

Hoffe du fühlst Dich hier wohl
LG lols
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.

4

Sonntag, 30. August 2009, 10:22

Hallo...

auch ich habe meinem Partner sofort am ersten Tag alle meine Macken auf den Tisch gelegt - von den ES bis zu dem SVV und dem MB, damit er weiss mit wem er es zu tun hat. Es hat ihn nicht abgeschreckt und wir sind nun trotz aller widrigkeiten fast 6 jahre zs. Auch mein restliches umfeld, freunde und arbeitskollegen wissen alles von mir.

Der druck es zu verheimlichen macht es oft noch schlimmer...


Leilah

5

Sonntag, 30. August 2009, 12:00

Hallo Montagsmaler,



ich schließe mich meinen Vorrednern an, mein Mann, meine Kinder und noch einige andere Leute aus meiner Familie wissen Bescheid. Zugegeben, der eine oder andere hat kein Verständnis dafür und hält mich einfach nur für labil, aber mein Mann und auch meine Kinder sind sehr daran interessiert mich zu verstehen und sind daher auch immer gesprächsbereit. Und das tut gut. Ich darf sein, wer ich bin.



LG Bella

6

Sonntag, 30. August 2009, 12:23

Ich darf sein, wer ich bin.


Ein wunderbarer Satz, Belladonnascha!

Und er ist mit Sinn zu füllen, wenn man seiner Umgebung die Wahrheit darüber sagt, wer und wie man ist.

Montagsmaler, ich denke, Dein Partner kann Dich nur dann so sein lassen," wer und wie Du bist", wenn er diesen wichtigen Teil Deines Lebens auch kennt...

Liebe Grüsse

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

7

Sonntag, 30. August 2009, 13:35

Danke Petrus. Aber weißt du was komisch ist? Dass ich (fast) die Letzte war, die diese Tatsache verstanden und auch anerkannt hat. Ich habe solange geglaubt eine andere (bessere) sein zu müssen. Echt schade.



LG Bella

8

Sonntag, 30. August 2009, 13:54

Hallo, Belladonnascha,

aber Du hast es erkannt! Viele Menschen erkennen es nie, oder brauchen, wie ich selbst, fast 30 Jahre dafür...

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

9

Sonntag, 30. August 2009, 14:06

Hallo Petrus,



ich bin 45, habe ungefähr seit 32-33 Jharen ein ES und bin zu dieser Erkenntnis auch erst im Laufe der letzten paar Monate gekommen. Ich glaube fast, wir können uns die Hand geben. Aber natürlich hast du Recht: Hauptsache man merkt es überhaupt irgendwann einmal und lebt dann auch danach.



LG Bella

10

Sonntag, 30. August 2009, 14:22

Hallo M,

ich habe eigentlich keine guten Erfahrungen damit gemacht. Meine Familie (Mann,Mutter, Schwester) und meine beiden besten Freunde wissen davon. Meine Familie ignoriert es, eine Freundin kann wenig damit anfangen (versucht verständnisvoll zu sein ist aber auch hilflos). Meine andere Freundin geht ziemlich gut damit um und versucht mich zu verstehen.

Ich fand/finde es ziemlich schlimm, dass z.B. mein Mann meine Probleme ignoriert.

Das sind meine Erfahrungen ....

Sonja.
Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit weg vom Weg der Weisheit. (aus China)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

Guardian Angel

unregistriert

11

Montag, 31. August 2009, 07:54

Hallo M,


Ich fand/finde es ziemlich schlimm, dass z.B. mein Mann meine Probleme ignoriert.



Hallo Sonja,

ich weiß, dass es sehr schmerzlich ist, wenn der PArtner einen nicht zuhört/ernst nimmt. Mein PArtner kann auch nicht so richtig mit meinem Problem umgehen. Das Schlimme ist, dass mein Freund selbst nachts aufsteht, um sich ein halbes Glas Nutella reinzuziehen. aber im Gegensatz zu mir macht er sich darüber keine Platte, sondern lacht halt über diese Eigenheit und meint, dass das schon nicht so schlimm wäre. $-z

12

Montag, 31. August 2009, 08:20

Es ist sicher auch schwer verständlich für jemanden der zwar manchmal über die Stränge schlägt aber keine Essstörung hat. Diesen Suchtdruck kann sich kein Mensch vorstellen der das noch nicht erlebt hat.

Trotzdem würde ich mir etwas mehr Verständnis wünschen ....

LG,

Sonja.
Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit weg vom Weg der Weisheit. (aus China)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

13

Montag, 31. August 2009, 08:45

Hallo, Sonja,

wie zeigt sich dieses Unverständnis denn, wenn ich mal fragen darf?!

Klar, meine Frau kann das auch nicht "verstehen" im Sinne von "nachvollziehen". Sie ist nicht süchtig, war es nie, weder nach Essen, noch nach irgendetwas sonst. Sie ist absolut kein Suchtmensch. Wirklich empfinden, was in mir vorgeht, wie das ist, diesen Suchtdruck zu haben, essen zu "müssen", nein, das kann sie nicht. Aber sie respektiert, dass ich eine Krankheit habe, dass ich DIESE Krankheit habe, und manchmal reagiert sie mit Traurigkeit darauf, nimmt mich in den Arm, sagt mir, dass sie sich um meine Gesundheitsorgt, usw., will trösten, will mit-tragen. Aber Vorwürfe (direkter oder indirekter Art) höre bzw. sehe bzw. spüre ich da NIE. Sie weiss ja, wie sehr mich seit 30 Jahren diese Essstörungen belasten. Sie fragt, sie will verstehen, was verstehbar ist, aber alles klappt natürlich auch nicht. Ich verstehe es ja selbst immer noch nicht so ganz.

Lieben Gruss!

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

14

Montag, 31. August 2009, 08:54

Aber sie respektiert, dass ich eine Krankheit habe, dass ich DIESE Krankheit habe, und manchmal reagiert sie mit Traurigkeit darauf, nimmt mich in den Arm, sagt mir, dass sie sich um meine Gesundheitsorgt, usw., will trösten, will mit-tragen. Aber Vorwürfe (direkter oder indirekter Art) höre bzw. sehe bzw. spüre ich da NIE.


Hallo Petrus,

es ist schwer zu sagen. Er reagiert eigentlich überhaupt nicht darauf, er ignoriert es. Vorwürfe gibts allerdings auch keine. Obwohl ich ihn schon so oft gebeten habe keine Süßigkeiten zu kaufen tut er es weiterhin. Als ich ein halbes Jahr Therapie hinter mir hatte hat er mich gefragt, wann es denn endlich Ergebnisse gäbe (wörtlich:"es muss doch inzwischen schon einen Meilenstein geben. Wenn nicht, dann ist sie - die Thera. - vielleicht nur aufs Geld aus").

Die Frage ist natürlich, ob ein Partner/Freund da überhaupt helfen kann. Ich habe eine sehr enge Freundin (nicht essgestört), die mich immer wieder nach der Fresserei fragt. Sie ist auch die Einzige der ich mich da öffnen kann (außer der Therapeutin). Sie hat da ein so gutes Gespür für das was ich brauche und das tut einfach gut.

LG,

Sonja :verzweifelt: .
Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit weg vom Weg der Weisheit. (aus China)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

15

Montag, 31. August 2009, 09:51

hallo ihr lieben,
in meinem umfeld weiss es kaum einer... mein partner weiss es und versucht es umzusetzen, allerdings kämpft er vor allem auch mit meinem diabetes... er will da alles wissen und mich in allem "diabetischen" unterstützen und erkämpft sich seine infos stück für stück... ich denke, das geht auch eines tages mit meiner Essstörung so.
auf meiner arbeit soll es keiner wissen, da es einen angriffspunkt bedeutet.
ansonsten weiss es nur hier das forum und ein langjähriger chatfreund.
liebe grüsse
c.
born to be.... sweet :eye:

16

Montag, 31. August 2009, 14:16

Liebe Sonja,

>Obwohl ich ihn schon so oft gebeten habe keine
>Süßigkeiten zu kaufen tut er es weiterhin.

Hast Du ihn mal (liebevoll!) gefragt, ob er eine Flasche Wein kaufen würde, wenn er wüsste, dass Du Alkoholikerin wärest, die gerade versucht, trocken zu werden?

> Als ich ein halbes Jahr Therapie hinter mir hatte
>hat er mich gefragt, wann es denn endlich Ergebnisse gäbe
>(wörtlich:"es muss doch inzwischen schon einen Meilenstein geben.
>Wenn nicht, dann ist sie - die Thera. - vielleicht nur aufs Geld aus").

Das klingt, als ob er sehr wenig Kenntnisse über Psychologie und Psychotherapie hat.

>Ich habe eine sehr enge Freundin (nicht essgestört), die mich immer wieder
>nach der Fresserei fragt.

Ja, einige Freunde machen das bei mir auch. Andere aber geben offen zu, dass sie nicht wissen, wie sie "richtig" damit umgehen, und bitten mich immer mal wieder, dass ICH auf sie zukommen soll, wenn ich mich aussprechen möchte. Sie haben Scheu, einfach zu fragen, wie es essensmässig mit mir geht, usw. Natürlich kann ich das nicht, ich "fresse alles in mich hinein" (!!), aber es ist lieb, dass sie es mir angeboten haben. Und ihnen geht es damit auch besser.

Wirklich und 100% offen und frei und direkt kann ich nur mit meiner Frau sein. Meinen Freunden mache ich es leichter, indem ich das Thema nicht so thematisiere, wie es mir vielleicht am Herzen liegt (aber alle Freunde wissen davon, wie bereits gesagt).

Liebe Grüsse

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

17

Montag, 31. August 2009, 15:22

das finde ich auch total schwierig.

bei mir wissen das auch nur meine eltern, meine besten freunde. bei letzteren bekomme ich nur teilweise verständnis entgegengebracht. da ich als ein "immer gut gelaunter", selbstbewusster mensch auftrete, vergessen es sogar ab und zu einige. sie vergessen einfach das ich in der klinik war und schon 14 jahre leide. sie wissen von meiner bulimie/BED (je nach phase) und von meinen depressionen die ich hatte...aber sie vergessen es. so nach dem motto "sie ist raus aus der klinik, ah sie hat wieder zugenommen, ist nicht mehr so dünne, sie ist geheilt". ich bin da immer sehr verletzt, wenn es heißt "mein gott, du hast doch nicht wirklich viel zu tun als studentin. immer bist du müde. du hast doch keinen stress" Dann denke ich mir immer, wenn DIE wüssten, wieviel energie mir meine ES raubt.....aber wenn ich das sage, dann kommt ein verständnisvolles nicken und eine woche später kann ich mir den spruch wieder anhören. meine mutter macht das auch so. sie weiß sie soll mich in ruhe lassen, wenn ich essen/nicht essen will. ich bitte sie darum gewissen sachen nicht einzukaufen. sie sagt ja und meint es auch so, und vergisst es wieder. aber ich bin eben auch nicht der typ, der den ganzen tag rumläuft und jedem erzählt, wie traurig, wie einsam wie sch***** man sich fühlt. wer macht das schon.

dahingehend wünschte ich mir manchmal - so furchtbar das klingt - ich hätte wenn schon eine ES eine magersucht. nicht weil dünn sein schöner ist. sondern weil man mir meine gefühle ansehen würde. meine verletzlichkeit. aber so sehe/wirke ich nur stark. und das bin ich nicht. aber sagen würde ich das nie.

hätte ich einen partner würde ich es ihm sagen, wenn ich ihm sehr vertraue. aber ich glaube ich wäre vorsichtig. man erwartet dann auch mehr rücksicht und verständnis. ich glaube, dass kann man aber eben nicht immer erwarten. viele partner schaffen das einfach nicht. und man selbst ist dann dauernd verletzt. ich glaube das kommt darauf an, was man sich davon erhofft.

gruß, isa

18

Montag, 31. August 2009, 15:26




Das klingt, als ob er sehr wenig Kenntnisse über Psychologie und Psychotherapie hat.


Kann man absolut so sagen!


Hast Du ihn mal (liebevoll!) gefragt, ob er eine Flasche Wein kaufen würde, wenn er wüsste, dass Du Alkoholikerin wärest, die gerade versucht, trocken zu werden?


Das habe ich ihn fast wörtlich so gefragt .... er hat´s nicht verstanden/verstehen wollen.



Schwieriger Fall!

LG,

Sonja.
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Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)

19

Montag, 31. August 2009, 15:27

Hallo, Isa,

ich kann das gut verstehen, dass Du Dir manchmal die Magersucht wünscht. Mir geht es auch so. Ich war zwei Jahre lang magersüchtig, und sozial hatte ich damals kaum Probleme. Mitgefühl, Verstehen und Bewunderung (!) meiner "Disziplin", NICHT zu essen, wurden mir geradezu aufgenötigt, auch viel Sorge um mich, viele besorgte Blicke. Wie gefährlich die Magersucht ist, ist offenkundig, sichtbar. Wie gefährlich BED/Esssucht ist, erkennen die meisten nicht...

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

20

Montag, 31. August 2009, 15:29

ich bin da immer sehr verletzt, wenn es heißt "mein gott, du hast doch nicht wirklich viel zu tun als studentin. immer bist du müde. du hast doch keinen stress"


Liebe Isa,

ich verzweifle heute noch oft an mir selbst und denke mir: " es geht dir doch so gut, was hast du eigentlich?" Wenn das meine Familie/Freunde/egal wer heute sagt, tut es mir trotzdem sehr weh (auch oder gerade weil ich mit mir selbst oft so hart umgehe).

LG,

Sonja.
Solange du dem anderen sein Anderssein nicht verzeihen kannst, bist du noch weit weg vom Weg der Weisheit. (aus China)

Die Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens. (Friedrich Nietzsche)