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sternstaub

unregistriert

1

Mittwoch, 3. Oktober 2007, 20:56

gedanken

es fühlt sich jedes mal aufs neue an, wie ein furchtbarer selbstbetrug. man schwört sich, es würde nie wieder passieren und tage, stunden oder minuten später findet man sich wieder in einer kekspackung und all den alten problemen. wann wird das enden? wann wird nicht mehr das essen, sondern ich selbst über mein leben bestimmen können? wann werde ich meine bedürfnisse rechtzeitig spüren, um nicht später alles mit dieser furchtbar banalen handlung zu komensieren - essen? wann nur?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Tobias« (25. Februar 2010, 14:36)


2

Mittwoch, 3. Oktober 2007, 21:24

RE: gedanken

Zitat

Original geschrieben von sternstaub

es fühlt sich jedes mal aufs neue an, wie ein furchtbarer selbstbetrug. man schwört sich, es würde nie wieder passieren und tage, stunden oder minuten später findet man sich wieder in einer kekspackung und all den alten problemen. wann wird das enden? wann wird nicht mehr das essen, sondern ich selbst über mein leben bestimmen können? wann werde ich meine bedürfnisse rechtzeitig spüren, um nicht später alles mit dieser furchtbar banalen handlung zu komensieren - essen? wann nur?


Hallo, Sternstaub,

ich kann und will nur von mir reden. Bei mir ist das LOSLASSEN dann geschehen, als ich begriffen habe, dass ich SÜCHTIG bin, und dass die Sucht eine Ursache hat, die therapeutisch gefunden werden kann und wurde. Und als ich die gefunden (oder wenigstens als Vermutung erkannt) und bearbeitet hatte, dann musste ich abstinent werden, was der schwerste Schritt war. Ich musste wie ein Alkoholiker, wie ein Drogenjunkie, "meine" Suchtstoffe konsequent meiden, und muss es nach wie vor, vermutlich sogar mein Leben lang. Das tu ich nun seit dem 28.5. Seit diesem Tag bin ich abstinent, das Essen ist nicht mehr mein Beherrscher, und das tut wunderbar gut.

Ich denke wirklich, dass unsere Sucht kein böses Schicksal ist, sondern eine Ursache hat, die man entweder therapeutisch erarbeiten oder wenigstens therapeutisch vermuten kann. Danach muss es Abstinenz geben. Ich kenne keinen anderen Weg. Zumindest war es bei mir so, und ich habe über 25 Jahre Essstörungen hinter mir. Und in diesem 25 Jahren bin ich nun zum ersten Mal über 4 Monate lang FREI (trotz aller Einschränkungen, denn ich meide gewisse Lebensmittel konsequent. Aber diese Einschränkungen sind NICHTS gegenüber der Freiheit, die ich verspüre).

Schönen Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Eternity

unregistriert

3

Mittwoch, 3. Oktober 2007, 21:47

Ich fange an zu glauben, dass das was Petrus schreibt auch auf mich zutrifft.
Hatte es ja jetzt ein paar Wochen probiert mit "gönnen" von gewissen Lebensmitteln. Aber die letzten Tage haben mir gezeigt, dass es eventuell doch nicht funktioniert.
Gestern z.B. da habe ich 3 Riegel Keksschokolade gefuttert, einer hat nicht gereicht und zwei auch nicht.
Die Schokolade hat 300g, die Tafel hat 9 Riegel, das heißt nach Adam Riese, ich habe 100 g gefuttert, das ist das gleiche wie eine Tafel von einer regulären Tafel Schoki. Toll
Ich denke fast, ich muss auch abstinent werdn. So wie Petrus. Ich merke schon wieder, wie ich wieder zu schlingen anfange. Lecker Essen in Maßen, geht wahrscheinlich doch nicht. Mist

Auf jeden Fall hilft es tatsächlich die Krankheit zu erkennen und ab da zu bekämpfen. Und einzusehen, dass es lebenslänglich ist. Und dass man wie ein Alkoholiker sogut es geht abstinent leben muss.
Ganz geht ja leider nicht, man muss ja essen. Und genau das ist das schwierige an der Eßsucht.
Alk kann man weglassen, das Essen nicht.

Linette

unregistriert

4

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 00:41

RE:

Zitat

Original geschrieben von Eternity
Und einzusehen, dass es lebenslänglich ist. Und dass man wie ein Alkoholiker sogut es geht abstinent leben muss.
Ganz geht ja leider nicht, man muss ja essen. Und genau das ist das schwierige an der Eßsucht.
Alk kann man weglassen, das Essen nicht.


Hallo,

genau das wäre mein Einwand gewesen. Man kann nicht abstinent vom Essen leben, man kann aber einige Lebensmittel weglassen.
Meines Wissens nach, soll man aber genau das nicht machen, damit man nicht wieder rückfällig wird, wenn man einen Heißhunger auf diese Lebensmittel entwickelt.

Wenn man aber seinem Drang nachgibt, ist es auch falsch. Es ist und bleibt schwierig.
Würde mich interessieren, wie Petrus das geschafft hat.

MfG Linette


5

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 07:13

RE:

Zitat


Auf jeden Fall hilft es tatsächlich die Krankheit zu erkennen und ab da zu bekämpfen. Und einzusehen, dass es lebenslänglich ist. Und dass man wie ein Alkoholiker sogut es geht abstinent leben muss.
Ganz geht ja leider nicht, man muss ja essen. Und genau das ist das schwierige an der Eßsucht.
Alk kann man weglassen, das Essen nicht.


Das ist genau das Fazit aller Auseinandersetzungen mit unserer Krankheit.

Liebe Grüsse

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

6

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 07:18

RE: RE:

Zitat

Original geschrieben von LinetteMan kann nicht abstinent vom Essen leben, man kann aber einige Lebensmittel weglassen.
Meines Wissens nach, soll man aber genau das nicht machen, damit man nicht wieder rückfällig wird, wenn man einen Heißhunger auf diese Lebensmittel entwickelt.


Hallo, Linette,

meine Erfahrungen sind andere. Ich bin seit 1982 essgestört, zuerst magersüchtig, dann bulimisch und seit 15 Jahren esssüchtig; in diesen 25 Jahre hatte ich über mehrere Phasen hinweg mehr als 15 Jahre Therapie. Ich habe meine Abstinenz NUR erreicht (nach tausenden Rückfällen!), in dem ich die Lebensmittel KONSEQUENT weglasse, die mich in Gefahr bringen, rückfällig zu werden. Es sind nur vier oder fünf Lebensmittel, aber die meide ich 100%. Ferner esse ich nur nach "festen Zeiten". Ein spontanes Essen gibt es für mich nicht mehr, damit kann ich nicht umgehen. Und ich fühle mich sehr wohl bei all dem, ich bin seit fast 5 Monaten abstinent, ich denke NICHT mehr jeden Tag von morgens bis abends nur ans Essen, sondern nur dann, wenn Essenszeit ist. Und dann esse ich "alles" minus den 4-5 Lebensmitteln.

Mir fällt das absolut nicht schwer, selbst in psychisch schweren Zeiten gelingt es mir, abstinent zu bleiben (wie zur Zeit, da stecke ich wieder in einer leichten Depression), und mit aufkommendem Suchtdruck kann ich gut umgehen, verblüffend gut.

Aber das sind MEINE Erfahrungen. Ich denke, einen allgemeingültigen Weg gibt es nicht, auch wenn Psychotherapeuten uns das manchmal gerne erzählen, aber ich glaube das nicht (mehr).

Liebe Grüsse

Petrus

Edit: Eine Ergänzung noch: Bei mir kommt noch hinzu, dass ich körperlich schwer krank bin, ich bin aufgrund von zwei schweren Herzinfarkten herzkrank und wusste und weiss, dass ich mich zu Tode fr..., wenn ich nicht endlich abstinent würde. Auch das hat mir natürlich geholfen (aber es hat nicht ausgereicht, abstinent zu werden, denn herzkrank war ich all die Jahre vorher auch, und das allein hat es nicht geschafft).
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

7

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 11:02

Ich habe da ähnliche Erfahrungen wie Petrus gemacht. Auch ich darf einfach bestimmte Lebensmittel nicht zu mir nehmen, da sie bei mir einen FA auslösen.

Ganz wichtig ist dabei jedoch sich vorher ganz genau klar zu werden: welche Lebensmittel lösen einen FA bei mir aus? Welche habe ich mir aus rein kalorischen Aspekten auf die Liste gesetzt? Man muss sein Essverhalten sehr genau beobachten, ein Protokoll kann dabei sehr hilfreich sein. Und dann wirklich ganz differenziert beobachten, sich nicht zu viele Verbote auflasten, die dann wieder ins Gegenteil umschlagen. Also wirklich nur die "gefährlichen" Lebensmittel meiden, und das konsequent.

Aber bevor man dies tun kann, ist für mich eine Therapie unabdingbar!! Man muss die Ursache erkennen, nur so kann man seine ES besiegen. Wenn ich nicht weiß, warum ich essgestört bin kann ich noch so tolle Regeln aufstellen, es wird nicht funktionieren!! Erst wenn man die Ursache kennt und nach langer Arbeit dann einigermaßen stabil ist kann man anfangen sich an dieses Modell zu wagen. Vorher bringt das meiner Meinung nach nichts.

Ayla

8

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 11:31

ich habe z.b. andere erfahrungen gemacht

auf der einen seite gibt es dinge die mehr für einen essanfall geeignet sind als andere
und auch ich habe meine "lieblingssorten" an obst isst man sich ja kaum über...
aber wenn ich diese dinge konsequent streiche baut sich in mir ein enormer druck auf.
ich komme damit besser klar wenn ich mir keine verbote auferlege und schaue, dass alles im rahmen bleibt und ich auch sie "sorgenkinder" kontrolliert integriere.
das ist weißgott nicht einfach, vor allem weil man doch gern "noch ein bisschen" gern hätte, aber mittlerweile esse ich meinen lieblingskuchen eben nichtmehr komplett an einem tag, sondern tagesform abhängig über mehrere tage.
manchmal kommt es sogar vor, dass ich es "vergesse".
eine gewisse struktur muss immer da sein, da bin ich vollkommen einer meinung mti euch ohne geht es nicht.

aber ich sach mal so, mein leben lenkt mich meist davon ab wo ich mich vorher von meinem leben abgelenkt habe.
und fertig oder so bin ich nicht, denn mein essen läuft noch oft aus dem ruder, wenngleich das auch keine anfälle mehr sind.
man hält sich auch irgendwo daran fest und ich glaub ich muss noch an vielem arbeiten.

natürlich wird das nie so sein, wie bei jemandem der nie so ein problem hatte ich bin auch der meinung, dass man immer wachsam sein sollte, weil man einfach anfällig dafür ist, aber ich hab die erfahrung gemacht das auch ich wieder ein entspannteres verhältnis zum essen aufbauen kann und ich kenn auch andere die es schaffen.

lg dai




9

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 11:48

Ja, genau, Ayla, aus kalorischen Gründen sollte nichts auf der Liste stehen, sondern wirklich nur die LM, die nachweislich Attacken auslösen. Ich esse z.B. sehr sehr gerne Avocados mit Bananen, im Mixer püriert, die sind SOOOO lecker, da ist viel Fett drin, je nach Grösse der Avocado kann das den Fettgehalt einer Tafel Schokolade haben. Kein Problem. Das esse ich oft, und geniesse das auch.

Liebe Grüsse

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Loreley

unregistriert

10

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 19:09

RE:

Zitat

Original geschrieben von Dailaitha

ich habe z.b. andere erfahrungen gemacht

auf der einen seite gibt es dinge die mehr für einen essanfall geeignet sind als andere
und auch ich habe meine "lieblingssorten" an obst isst man sich ja kaum über...
aber wenn ich diese dinge konsequent streiche baut sich in mir ein enormer druck auf.
ich komme damit besser klar wenn ich mir keine verbote auferlege und schaue, dass alles im rahmen bleibt und ich auch sie "sorgenkinder" kontrolliert integriere.
das ist weißgott nicht einfach, vor allem weil man doch gern "noch ein bisschen" gern hätte, aber mittlerweile esse ich meinen lieblingskuchen eben nichtmehr komplett an einem tag, sondern tagesform abhängig über mehrere tage.
manchmal kommt es sogar vor, dass ich es "vergesse".
eine gewisse struktur muss immer da sein, da bin ich vollkommen einer meinung mti euch ohne geht es nicht.

aber ich sach mal so, mein leben lenkt mich meist davon ab wo ich mich vorher von meinem leben abgelenkt habe.
und fertig oder so bin ich nicht, denn mein essen läuft noch oft aus dem ruder, wenngleich das auch keine anfälle mehr sind.
man hält sich auch irgendwo daran fest und ich glaub ich muss noch an vielem arbeiten.

natürlich wird das nie so sein, wie bei jemandem der nie so ein problem hatte ich bin auch der meinung, dass man immer wachsam sein sollte, weil man einfach anfällig dafür ist, aber ich hab die erfahrung gemacht das auch ich wieder ein entspannteres verhältnis zum essen aufbauen kann und ich kenn auch andere die es schaffen.

lg dai





Mir geht das ganz genauso. Wenn ich mir sage: ich ess nie wieder Schokolade, denke ich den ganzen Tag an nichts anderes als an Schokolade und überesse mich todsicher daran.

Im Moment fahre ich gut damit, mich 3x am Tag satt zu essen, ohne Angst oder Verbote. Ich habe wieder soetwas wie ein Sättigungsgefühl und achte sogar darauf.
Aber ich rutsche auch manchmal ab. da werden dann nur "gute" Lebensmittel eingekauft (oder "verbotene mit schlechtem Gewissen), manchmal esse ich zu viel oder ausserhalb der 3 Mahlzeiten. Das ist aber echt selten geworden, und die permanente Beschäftigung mit Nahrung, Fettgehalt und Gesundheitsqualität des Essens hat nachgelassen. Gottseidank, das hat nicht nur mich sondern auch mein Umfeld sehr belastet.

Leider nehme ich dadurch nicht ab, was ich aus gesundheitlicher Sicht dringend müsste. Aber wie gesagt, sobald ich anfange, mir etwas zu versagen, fangen unkontrollierte Essattacken wieder an.
Vielleicht sollte ich mich mehr bewegen. Ich bin relativ faul, was Sport anbelangt.

11

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 19:43

Hallo,
ich find es interesannt, daß jeder seine eigene Art hat mit seiner ES umzugehen...

Bei mir ist das mittlerweile so, daß ich nicht bestimmte LM essen "darf", sondern "will" ich habe sie zur Feinde entwickelt, weil sie mir nicht gut tun...
Nun, ich bin auch momentan daran intrerssiert am Gewicht zu verlieren, was an manchen Stellen kritisch wird... aber ich hab es im Griff, denn noch nie konnte ich so lange eine Nahrungsumstellung aufrecht erhalten... Wichtig ist für mich, daß ich mich richtig satt esse und auch mit Genuß..., dann kann ich ab und an auch die Gefährlichen LM zu mir nehmen... verliere ich die Kontrolle, werfe ich es dann einfach weg. Ich weiß, daß essen wegwerfen ist nicht gerade die feine englische Art.. Dafür versuche ich dosiert einzu kaufen... Bei mir sind leider auch die Lm auf der Liste die am fettesten sind.. und wo ich fette sparen kann, lege ich mich ins Zeug... Nun, ab und an esse ich dann auch einen Döner, aber auch nur gewisse Sorten.. Die Bedienung ist schon immer genervt, wenn ich sie nach dem Fettgehalt frage oder die Bäckerfrau bitte mir ein Brötchen nur mit Tomate pur zu belegen... Dabei, frage ich mich immer.. Jeder will dünn sein und bleiben und der ganze Diätwahn tralala.., aber wehe, Du bittest die FastFood Gastronomie um fettarme Speisen....
@ Dai,
ich denke, daß wir auch schon von der Tk in punkto Binge störung die Möglichkeiten hatten gewisse Wege vorher zu glätten. Es ist eine Schande, daß sie geschlossen wurde...

Liebve Grüße
Yrla
Is(s) doch:
Und: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
By the way: Be yourself, no matter what they say...
Procrastination is the thief of time (Verschiebetaktik ist der Dieb der Zeit) :whip: