Hallo Ihr Lieben,
ich hatte heute erst meine 5. Sitzung aber wie es scheint haben wir die Ursache für meine "Störung" gefunden. Oder zumindest den Löwenanteil daran.
Und so sieht es aus:
Seit ich klein bin weiß ich, dass ich Mutter sein will. Ich wollte so werden wie meine Mama, sozial, viele Kinder, tolle Ehefrau und irgendeinen Job nebenher wenn die Kinder aus dem gröbsten raus sind.
Ich hab immer wieder in meinem Leben festgestellt, dass ich nichts wirklich gut kann. Ich war in der Schule mittelmäßig, habe noch 3 Schwestern, die waren alle am Gymnastium - nur ich nicht, hab die Aufnahmeprüfung nicht bestanden - kam mir also irgendwie wie die Dümmste vor, aber das war nicht weiter schlimm, ich wußte ja, dass ich was anderes wollte, ein weiteres Ziel hatte und dafür brauchte ich die Schule nicht wirklich.
Dann hab ich eine Ausbildung gemacht, auch da war ich nicht gut, ich war mittelmäßig, egal wieviel Mühe ich mir gegeben hatte, ich war nie wirklich gut in etwas - aber das störte mich nicht, ich wollte gut sein, in dem was mein Traum war. Dann lernte ich meine Mann kennen und stellte schnell fest, dass ich nicht die Ehefrau sein konnte die ich wollte. Ich war nicht so locker, zu eifersüchtig, schon immer nicht schlank genug, nichts worauf er -in meinen Augen- hätte stolz sein können. Aber halb so wild - ich hatte ja noch das Muttersein was ich gut machen konnte. Ich hatte meinen Job und hab mir Mühe gegeben, aber egal was ich gemacht hab, ich hab immer wieder richtig Mist gebaut.
An je mehr Aufgaben ich gescheitert bin, desto mehr hat sich mein Bild von mir als Hausfrau, Ehefrau und Mutter versteift auf etwas was perfekt sein musste - ohne das mir all das bewusst gewesen wäre.
So: jetzt bin ich Mutter - und langsam - aber sicher, stellte sich heraus, was sich herausstellen MUSSTE. Auch hier bin ich nicht perfekt. So. Und dann kam heute raus... Was ist mein Wert? Was KANN ich eigentlich wirklich!? Fakt ist: ich bin in NICHTS wirklich gut. Es gibt NICHTS was ich wirklich gut kann. Und das ist auch was meine
Essstörung ausgelöst hat.
Ich hab mir ein sooo festes Bild davon gemacht, wie ich aussehen will, wie ich als Mutter sein möchte, wie mein Tagesablauf als Mutter Ehefrau und Hausfrau aussehen soll, dass es sozusagen zum scheitern verurteilt ist. Und sobald ein Tag nicht so lief, wie er in meinen Augen laufen sollte, war "ich gescheitert" und das
Binge Eating übernahm mich quasi völlig.
So sieht es aus - ich seh es ganz klar wie das gekommen ist und meine Aufgabe jetzt ist auch klar.
Ich muss meinen Selbstwert wohl steigern, etwas finden, worin ich mich gut finde oder etwas lernen. Mich nicht so perfekt haben wollen und und und.... Tausende Aufgaben stehen vor mir die ich jetzt meistern muss bis ich diese "Störung" nicht nur erkannt sondern auch "behoben" habe, bzw. damit umgehen kann.
Ich kann das gar niemand erzählen, denn wenn ich diese Worte nutze, die im Moment halt einfach stimmen, wie z.B. dass ich in meinen Augen nichts wirklich kann und in nichts wirklich gut bin, dann wird mir einjeder der mich lieb hat sofort wiedersprechen. Was lieb gemeint ist, mir aber nicht hilft, denn ich will ja kein Mitleid. So sind jetzt gerade die Tatsachen, das ist mein Ist-Zustand und alles weitere wird meine Therapeutin mit mir erarbeiten.
Ich weiß, ich bin auf dem richtigen Weg, aber heute bin ich einfach erschöpft und was ich rausgefunden hab desillusioniert mich und macht micht tief traurig. Aber ich weiß auch was dahintersteht und dass es schon beachtlich ist, dass ich in so kurzer Zeit so viel herausfinden konnte.
Was sagt ihr dazu? Oder war Euch das zu lang??
Liebe Grüße!
Caro