Guten Morgen, Seelenhunger.
Ich gehe sehr offensiv mit meiner Störung um. Alle meine Freunde wissen es, selbstverständlich weiss es meine Frau, und der eine oder andere Bekannte, von dem ich glaube, er sollte es wissen, weiss es auch. Allerdings sage ich das nicht jedem. Wenn ich von vornherein sicher sein kann, dass derjenige das sowieso nicht versteht, dem sage ich es auch nicht. Ich bin kein missionarischer Kämpfer in Sachen
Essstörung, das kostet mich viel zu viel Kraft, die ich nicht mehr habe.
Aber: Meiner Mutter (die vor 11 Jahren gestorben ist und ihre letzten 10 Jahre bei meiner Frau und mir lebte) habe ich es NICHT gesagt. Sie hätte es erstens nicht wirklich verstanden, und zweitens wollte ich sie schützen, denn sie hätte die "Schuld" bei sich gesucht, und das hätte uns beiden nichts gebracht. Mein Übergewicht schob sie immer "auf Familiengene" (die Familie meines Vaters ist durchweg übergewichtig, und ich vermute, da waren auch einige Binger dabei), und das war in Ordnung so. Wie soll sie denn verstehen, dass man ESS-süchtig sein kann, wo die meisten Ärzte etc. das noch nicht einmal verstehen, von denen man eigentlich annehmen sollte, dass sie zumindest von Binge-Eating schon mal was gehört haben müssten...
Also: ich denke, man sollte einerseits offensiv damit umgehen, andererseits aber vorher abwägen, ob der andere überhaupt in der Lage ist, das zu verstehen. Bei Deiner Mutter könnte ich mir vorstellen, dass sie sich schuldig fühlt oder dass Du ihr (direkt oder indirekt) die Schuld zuweist, und darum auf "dicht" umschaltet, d.h. dass sie das alles ignorieren will. Ich würde das respektieren, würde es mir aber verbieten, dass sie meine Einkaufstaschen kontrolliert. Das geht nicht.
Lieben Gruss
Petrus