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Lioness86

unregistriert

1

Donnerstag, 4. Februar 2010, 12:24

Wie krank bin ich? Wo fängt man an Binge Eating Disorder zu haben....

Ich bin ganz neu hier. Erst seit Montag weiß ich das die Essattacken die seit einem Monat extrem aufgetreten sind einen Namen haben.
Seit ich kapiert habe, dass die Essattacken nichts mehr mit eine Phase zu tun haben und es eine Krankheit ist habe ich das Gefühl wieder in der Bahn zu sein. Mich im Griff zu haben. Jetzt hoffe ich natürlich dass es nicht nur den Anschein hat und das ein Tief schon bald ansteht. Jedoch weiß ich das ich trotzdem Krank bin. Ich weiß nur nicht wie extrem ich schon drin stecke.

Heute habe ich gemerkt wie die Attacke los ging und ich auch erstmal nicht wiederstehen konnte. Doch das gab es in meinem Leben schon immer. Ich kann einfach schlecht aufhören, wenn es so gut schmeckt.

Doch heute hat nach kurzer Zeit mein Kopf wieder eingesetzt. Ich habe gemerkt, dass mein Bauch voll war und habe aufgehört. Trotzdem haben meine Gedanken um das Thema "Essen" gekreist.

Ich gehe heute Abend noch mit meiner Freundin zum Italiener einen Salat essen. Auch dieser hat einige kcal. Daher weiß ich jetzt schon, dass ich durch die heutige Nascherei zuviel gegessen habe.

Jetzt habe ich natürlich wieder ein schlechtes Gewissen. Ich muss aber endlich lernen, froh zu sein wenn ich diese Attacken besser lerne zu verstehen und natürlich erst recht wenn ich es schaffe dagegen anzukämpfen. Und es nicht so extrem schlimm finden wenn ich mal ein bisschen über meinen Tagesbedarf komme.

Ich bin jetzt einfach unsicher....wie krank bin ich???

Auch wenn ich es mir manchmal nicht eingestehen will. Ich weiß auf jedenfall, dass ich auf irgendeine Art Essgestört bin. Egal wie viel ich mich jetzt unter Kontrolle habe. Ich verspüre immer wieder dieses Gefühl von Essenslust bis zum Muss. Und ich so oft an Essen denke und sich mein Leben darum dreht.

Ach ist das alles kompliziert....

Liebe Grüße

2

Donnerstag, 4. Februar 2010, 12:42

Liebe Lioness,
auch wenn sich das jetzt komisch anhört und vielleicht paradox: Kannst du dir vorstellen, das Essen für eine Zeitlang einfach mal so "laufen zu lassen"? Ohne dir Gedanken zu machen, ob das jetzt ein FA war oder nicht und ob du heute abend einen Salat isst oder eine Pizza?
- Als ich meine erste Therapie gemacht habe (vor vielen, vielen Jahren ^^ ), war ich darauf vorbereitet, Essenspläne zu erstellen, mich regelmäßig zu wiegen etc. Ich hatte sogar vorher noch meinen aktuellen BMI ausgerechnet. Und dann verkündete mein Therapeut mir: "Übers Essen denken Sie allein sowieso schon genug nach. Ich möchte mich hier mit anderen Dingen mit Ihnen beschäftigen: nämlich mit dem, was hinter dem Essen steckt." - Da war ich baff und gleichzeitig auch wahnsinnig erleichtert ^^ Ich weiß jetzt grad nicht, ob du in Therapie bist? Oder in einer Beratungsstelle? Vielleicht wäre das eine Möglichkeit?
LG
Laverne
"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht." (Vaclav Havel)

3

Donnerstag, 4. Februar 2010, 19:41

Hallo Lioness!

Ich versteh deine Situation sehr gut! Als ich vor einiger Zeit festgestellt habe, dass meine Krankheit einen Namen hat,
hatte ich auch eine gute Phase. Ich dachte schon, ich wäre allein dadurch geheilt, dass ich weiß was los ist.
Leider hat das damals nicht sehr lange angehalten...
Auch ich würde dir raten, mal zu einer Beratungsstelle zu gehen. Die gibts überall und die kosten nichts.
So kannst du dir "von außen" nochmal bestätigen lassen, was wirklich mit dir los ist.
Auch das ist eine extreme Erleichterung =) Zu wissen, dass man sich das alles nicht einbildet...

Vie Kraft wünsch ich dir!!
LG =)

Lioness86

unregistriert

4

Freitag, 5. Februar 2010, 08:16

Ihr habt Recht!

Vielen Dank für eure Antworten....sie haben mir Mut gemacht.

@laverne: Ich bin noch in keiner Therapie. Erst seit diesem Montag weiß ich von dieser Krankheit. Vorher habe ich halt gedacht, dass diese Essattacken von zu wenig Disziplin kommen und ich mich nur einfach nicht unter Kontrolle habe.

Das ein Therapeut sich erstmal um den Hintergrund der Essattacken kümmert als ums Essen ist wirklich gut. Denn nur wenn man den Grund dafür findet kann man es in den Griff bekommen.

Trotzdem muss ich gestehen: Nein einfach das Essen laufen lassen kann ich zur Zeit nicht. Ich habe x Kilo abgenommen und sah sehr gesund aber nicht total dünn aus. Es wäre eigentlich das perfekte-gesunde Gewicht gewesen. Ich habe aber vor kurzem alles wieder zugenommen. Dadurch habe ich mir zuviel Druck gemacht. Gedacht ich muss sofort wieder abnehmen. Mich selber nicht mehr geliebt und mir immer gedacht: Wenn ich erst schlank bin, dann lieben mich alle. Dann wollen mich alle. Dann wird das Leben erst Lebenswert.

Jetzt wo ich mich damit auseinander gesetzt habe, weiß ich dass das totaler Mist war. Aber wenn ich mir vorstelle, jetzt nichts zu machen und mich so zu lassen. Dann fühle ich mich garnicht gut. Jedoch mit dem Gedanken mir Zeit zu lassen um wieder auf das alte Gewicht zu kommen und mich trotzdem zu lieben kann ich besser leben.

@ninny: Du hast Recht. Ich weiß ja das etwas nicht stimmt. Egal ob es noch nicht sooo schlimm ist. Auf irgendeine Art bin ich krank. Und weiter hineingeraten will ich auf keinen Fall. Ich merke schon, dass ich mir es so ganz nicht eingestehen will.

Daher habe ich jetzt per Email um einen Thermin für ein Beratungsgespräch bei "Balance - Beratung und Therapie bei Essstörung" in Frankfurt gebeten. Anrufen wäre vielleicht schneller gewesen aber per Email fällt es mir leichter.

Der erste Schritt ist getan...mal schauen wie es weiter geht.

Heute ist Freitag....das heißt das Wochenende steht an. Jetzt werde ich sehen ob ich mich wirklich etwas besser unter Kontrolle habe oder alles wieder aus dem Ruder läuft. Allein daheim sich einsam fühlen löst es am meisten aus.

Aber ich hab mein Wochenende schon mit Freunde treffen gefüllt und will es schaffen. Dieses Wochenende keine Attacke.....

Eine Frage an Ninny: Möchtest du erzählen wie es bei dir weiter ging, nachdem du festgestellt hast, dass du eben nicht allein durchs Wissen geheilt bist. Bist du bei einer Therapie oder probiest du es alleine weiter? Wie lange weißt du, dass du krank bist?

Würde mich über eine Antwort oder weiter Nachrichten freuen !

Ich möchte euch auch Kraft geben....wir Leben nur einmal auf dieser Welt. Wir alle sind einzigartig und was ganz besonderes.Auch wenn wir diese Krankheit haben können wir glücklich sein. Wenistens für manche Momente. Schließlich leben wir doch nur einmal. Irgendwann ist es vorbei. Lebt jeden Tag bewusst und denkt nicht an gestern und auch nicht an morgen!!!!

Liebe Grüße

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »lols« (5. Februar 2010, 09:11)


5

Freitag, 5. Februar 2010, 09:13

^^ ich denke gern an morgen und gestern :D
aber rein Rational weißt du das dieses "unwohlsein" bei nur x kg eigentlich nicht angemessen ist oder?
diese Zahl verändert dich nicht und man wird es wohl nichtmal sehen wenn du sie verlierst, ausser du auf deiner Waage.
dieses "Perfekte Gewicht" und x Kg drüber sind schon ein Vergehen, das bricht dir das Genick.

So hat es bei mir angefangen und mich immer tiefer reingestürzt.
Nur ganz ehrlich? als es noch xkg waren, konnte ich mein Unwohlsein prima aufs Gewicht schieben.
Erst als es durch Diäten und Essanfälle immer mehr Übergewicht wurde und ich richtig in den sog der Sucht kam
merkte ich, dass ich noch ein andres Problem haben muss, dass mein Unwohlsein nicht nur mit meinem Gewicht zu tun hat.

Also ich würd mir wünschen das du diese x kg sein lässt und die Waage erstmal verbannst.
Die sind nur in deinem Kopf so wichtig.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »lols« (5. Februar 2010, 09:13)


6

Freitag, 5. Februar 2010, 09:19

ich denke gern an morgen und gestern


Ich eigentlich auch, ich grüble nur ungern über morgen und gestern. Das raubt mir immer die Kraft zum Leben im Hier und Jetzt, ja hindert mich geradezu am Leben.

Dir liebe Lioness wünsche ich, dass Du es Schritt für Schritt schaffst, Deinen Selbstwert weniger von Zahlen abhängig zu machen. Das hat auch mich immer tiefer in die Suchtspirale getrieben und mich von dem abgelenkt, um das es wirklich geht. Vielleicht wäre ich dann schon einige Jahre früher auf die Idee gekommen Therapie zu machen und es würde mir heute gesundheitlich besser gehen, psychisch geht es mir schon besser durch eine Therapie, die ich mache.

LG lols
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.

7

Freitag, 5. Februar 2010, 10:54

Erst einmal herzlich Willkommen :lovemore:
Ich wünsche Dir, dass Dir der Austausch hier hilft und Dir auf Deinem Weg aus der Essstörung eine Stütze sein kann...

Heute ist Freitag....das heißt das Wochenende steht an. Jetzt werde ich sehen ob ich mich wirklich etwas besser unter Kontrolle habe oder alles wieder aus dem Ruder läuft. Allein daheim sich einsam fühlen löst es am meisten aus.


Ganz ehrlich, ich würde sagen, so geht der Schuss auf jeden Fall nach hinten los. Du kannst Deine Essanfälle keinesfalls "unter Kontrolle" haben, zumindest nicht in dem Sinn, wie man sich unter Kontrolle hat, wenn man sich "zusammen reißen" soll oder muss. Du könntest Dir aber vornehmen, dass Du Dir die Tage so schön machst, wie Du es eben schaffst und dass wenn doch Essdruck aufkommt, Du nicht sofort nachgibst, sondern mal in Dich reinhörst, wo es denn gerade hakt, was denn los ist, warum Du jetzt essen musst. Wenn Du all die Essanfälle, die zweifelsfrei noch kommen werden, als kleine Schritte auf Deinem Weg siehst, dann tut es nicht so weh, finde ich. Wenn Du versuchst aus jedem Essanfall etwas zu lernen. Das mit der Kontrolle, den Gedanken finde ich ganz schlimm. Denn damit unterstellst Du Dir ja im Grunde, dass Du es in der Hand hast. Natürlich hat man es irgendwie in der Hand, aber ich denke Du hast noch nicht die "Skills", um wirklich was in dieser Richtung aktiv zu verändern... Ich hoffe, dass Dich das jetzt nicht zu sehr entmutigt, aber ich erinnere mich so sehr an Phasen, als es mir wie Dir ging und ich immer dachte: "Ab heute!" und es ist immer nur schlimmer geworden...

Sei ein bisschen liebevoller mit Dir. Sperr die Waage weg! Sie wird eh nichts verändern...

Lioness86

unregistriert

8

Freitag, 5. Februar 2010, 11:56

Danke für eure ehrlichen Worte....auch wenn diese erstmal weh tuhen. Ich weiß ihr habt da mehr Erfahrung und bin froh von euch Rat und Antworten zu bekommen.

Eins hab ich zum Glück schon vor 2 Tagen gemacht. Nämlich die Waage verbannt. Aber trotzdem rede (eher gesagt) schreibe ich von meinem alten "tollen" Gewicht. Ihr habt schon recht. Ich muss das endlich vergessen und einen neuen Weg gehen. Auf mich und meinen Körper hören.

9

Freitag, 5. Februar 2010, 12:07

ich weiß wie schwer das ist ^^
oft ist man vom Kopf schon 10 Schritte weiter und grummelt ungeduldig rum,
warum das mit dem Rest (dem Herzen und begreifen) immer so lange dauert.

Auf der anderen Seite ^^ das Verstehen ist immer ein guter Anfang
dann kann es sickern und sich einüben.
Wiederholung gehört halt nunmal dazu gewöhn dich dran ^^ so lernt man.
Finds gut das du die Waage verbannt hast (und nicht heimlich bei freunden drauf stellen :P )

das wird echt nicht leicht werden für dich ^^
aber sagen wir so ich würd es immer wieder tun (in Therapie gehen)

lg

10

Freitag, 5. Februar 2010, 12:09

Weißt Du, Du musst das ja gar nicht von heute auf morgen schaffen. Es reicht ja für den Anfang, dass Du wirklich was ändern willst. Dass Du es verstehst, das ist wirklich schon mal supergut! Ich habe (hier, aber auch anderswo) schon so viele Postings gelesen, da merkte man, da wird sich nichts verändern, weil das Bewusstsein, was schief läuft nicht da ist. Das habe ich bei Dir gar nicht. Ich denke, Du bist auf einem guten Weg. Ich kann jetzt - wenn ich zurückblicke - sagen, dass es mir immer nicht schnell genug gehen konnte. Was? Ich soll einen Essanfall pro Woche versuchen zu verhindern? Ich will sie ALLE verhindern. Und zwar ab morgen. Das war ich anfangs. Heute würde ich mir wünschen, dass ist nicht so viel Zeit damit verschwendet hätte, alles auf einmal zu wollen, sondern dass ich früher eingesehen hätte, dass es eben dauert und dauert und dauert. Das hätte mir nicht nur die Zunahmen von etlichen Kilos erspart, sondern auch viele Selbstzweifel erst gar nicht nötig gemacht. Jetzt gehe ich meinen Weg langsam. Ich will es schaffen, ja, aber ich kann nichts erzwingen. Ich muss aufmerksam einen Fuß vor den anderen setzen. Jeden Tag ganz bewusst leben und ich hab jeden Tag ganz, ganz viel zu lernen und zum Nachdenken...

Ich wünsche Dir, dass Du wirklich dauerhaft für Dich akzeptierst, dass Du die Krankheit hast, dass sich das Problem nicht bis morgen in Luft aufgelöst hat und dass Figur und Gewicht wirklich nicht alles im Leben ist. Ganz liebe Grüße, N811e

11

Freitag, 5. Februar 2010, 12:15

Eine Frage an Ninny: Möchtest du erzählen wie es bei dir weiter ging, nachdem du festgestellt hast, dass du eben nicht allein durchs Wissen geheilt bist. Bist du bei einer Therapie oder probiest du es alleine weiter? Wie lange weißt du, dass du krank bist?

Also nachdem ich den Begriff "Binge Eating" vor ziemlich genau einem Jahr kennnen gelernt habe, habe ich mich wie gesagt besser gefühlt und hatte eine echt gute Phase. Ich glaub die ging nur 3 oder 4 Tage, dann gingen die Anfälle wieder los. Ich hab es ziemlich lange alleine mit mir rumgetragen und hab immer gedacht, dass ich das schon irgendwie hinbekomme. Als es mir dann einige Monate später mal richtig schlecht ging,
habe ich mich meinem besten Freund anvertraut. Das war sehr erleichternd! Er hat mich dann auch dazu gedrängt, zu einer Beratungsstelle zu gehen und gleich einen Termin auszumachen. Ohne sein Drängen, hätte ich das vermutlich nicht gemacht. Ich denke es ist eine ähnliche Beratugsstelle, wie du sie dir ausgesucht hast. Auch ich habe lieber ne Mail geschrieben, anstatt anzurufen ;-)
Mir wurde dann sofort ein Termin angeboten und ich bin dahin. Ich war nach dem Gespräch echt erleichtert von jemand "Professionellem" bestätigt bekommen zu haben, dass mein Verdacht "Binge Eating" richtig war. Ich habe dort einige Adressen bekommen von Therapeuten und Empfehlungen, wann ich wo gut anrufen kann. Das habe ich aber bis heute nicht gemacht...
Einerseits denke ich im Moment, dass ich in einer relativ guten Phase bin, andererseits müsste mich wahrscheinlich wieder jemand anschubsen, dass ich da tatsächlich anrufe und so den nächsten Schritt gehe.
Aber das wird vermutlich erst so sein, wenn es mir wieder schlechter geht...

Ja, so viel dazu =) Wann ist dein Termin?
Schönes Wochenende!!

12

Freitag, 5. Februar 2010, 12:20

@ ninny
Nur das eine Therapiestelle eben dauerhaft schwer zu bekommen ist
und nicht leichter, weil es dir schlecht geht ;)

Bedenke das einfach mal ganz rational.
Weil was wirst du tun, wenn diese Tiefphase vorbei ist wenn du dann tatsächlich dein Erstgespräch hast?
Wirst du sie dann wieder erst gar nicht beginnen, weil es dir grad gut geht?
Bis zu dem Punkt wos dir schlechtgeht und du wieder nach einer Stelle fragst, dann wieder warten musst usw?

Was ist wenn du davon ausgehst, dass es dauerhaft in dir brodelt, du es nur ab und an besser unterdrücken kannst?
wenn es dir gar nicht mal extrem schlecht geht und dann gut, sondern permanent nicht gut?
Bist du dir so wenig wert, dass du dir nichtmal eine Therapiestelle gönnst?