Ein freundliches Hallo in die Runde!
Ich habe per Zufall dieses Forum entdeckt und bin darüber wirklich sehr froh. Bisher hatte ich leider noch nie das Glück ein Forum zu finden, welches sich mit dem Thema "
Binge Eating Disorder" beschäftigt. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich ein Neuling bin was dieses Thema angeht. Daher finde ich es auch als sehr positiv, dass ich hier (zumindest vorerst) Anonym als Gast schreiben kann.
Im Augenblick ist es so das ich dringend den Austausch mit Menschen brauche die mich und mein problematisches Essverhalten ernst nehmen. In meinem sozialen Umfeld, das sehr klein ist, gibt es niemanden mit dem ich darüber reden kann und vermutlich würde ich auch aus Schamgefühlen nicht darüber sprechen können. Ich würde gerne diesen Thread nutzen um ein wenig über mich und meine Fragen/Sorgen zu schreiben und somit vielleicht ein paar erste "objektive" Meinungen zu meinem Verhalten zu bekommen. Da ich einfach unsicher bin ob mein Essverhalten und meine Denkweißen wirklich in die Richtung "
Binge Eating Disorder" gehen. Ich hoffe das ist in Ordnung und ich bin in diesem Forenbereich richtig?
Ich war schon immer eher dicklich, aber zur Zeit liege ich mit einem Höchstgewicht im dreistelligen Bereich. Seit frühester Kindheit war das Thema "Diät" ein Begriff. Erst durch meine Mutter und später im jugendlichen Alter habe ich dies als selbstverständlich übernommen. Ich kann sagen, dass ich schon immer gerne und gut gegessen habe. Dennoch hielt sich mein Gewicht (wenn auch etwas erhöht) konstant.
Mit 17 Jahren bin ich dann von zu Hause ausgezogen und zu meinem damaligen Freund gezogen. Jedoch ist auch zu erwähnen das es sich dabei um einen Umzug von Rheinland-Pfalz nach Bayern handelte, also ein großer Schritt. Ich lebte mit ihm und seine Familie in einem Haus, für etwa 7,5 Jahre. Denn die Beziehung ging im Mai 09 zu Ende. Ich möchte nicht schlecht über die Zeit sprechen, aber ich habe den Verdacht das ich in dieser Zeit eine
Essstörung "bekommen habe". Es waren für mich wirklich private und schulichen schlimme Jahre. Ich glaube das ich in dieser Zeit innerlich kaputt gegangen bin.
Ich möchte mein Essverhalten (und Denkmuster) mal so "neutral" wie möglich beschreiben: Meine Gedanken kreisen denn gesamten Tag um das Thema Essen, vom aufstehen bis zum schlafen gehen. Es gibt in meinen Augen gute und schlechte Tage, genauso wie es schon immer verbotene und erlaubte Lebensmittel gibt. Ich kann nicht als Mittelweg handeln, da es für mich immer nur extreme gibt (z.B. Wenn ich "schlecht" gegessen habe und dann jedoch Appetit auf Obst habe, esse ich es nicht - Weil entweder "muss" ich komplett gut oder böse essen). Sobald ich das Gefühl von Hunger spüre "drehe" ich durch und habe das Gefühl als müsste ich alles in kürzester Zeit verschlingen. Mittlerweile ist über all die Jahre eine feste Angewohnheit das ich regelmäßig Unmengen an Süßigkeiten einkaufe und diese komplett auf(r)esse, bis ich nicht mehr kann und meist ohne Hunger. Es ist als würde das Essen mein Leben zusammenhalten. Jedes Gefühl (ob Angst, Trauer, Langeweile, Glück etc.) wird mit Essen (meistens Süßigkeiten) kombensiert. Es ist einfach so, dass ich in gewissen Moment nicht mehr klar denken kann. Als gäbe es eine zweite Macht in mir. Immer und immer wieder versuche ich mit Diäten dieser "Macht" den Zahn zu ziehen, aber es gelingt mir nicht mehr. Das Resultat ist, dass ich über die letzten 7,5 Jahre mehr als 40kg zugenommen habe. Es ist wie ein Teufelskreis aus dem ich nicht raus komme. Ich (fr)esse - Angst/Trauer - Diät - Angst/Verlustgefühle - (Fr)essen ...usw.
Des weiteren hat das alles dazu geführt, dass ich eine absolut schlechte Meinung über mich habe. In meinen Augen bin ich einfach fett, ohne Disziplin, eine Versagerin und nicht mal wert von mir geliebt zu werden. Ich habe absolut kein Vertrauen in mich und meinen Körper. Es herrscht ständig Krieg, zwischen Fressanfällen und dem Diätdrang der mich endlich schlank und zufrieden machen soll. Doch mittlerweile habe ich (so denke ich zumindest) erkannt, dass eine Diät nur Illusion und keine Lösung für mich ist. Ich bekomme es einfach nicht hin "Endlich gut zu essen". Ich kenne weder Freundschaft noch Waffenstillstand mit meinem Körper, nur purer Hass und Krieg. Ständige Neubeginne und das Unwissen "Bin ich wirklich Fresssüchtig". Ich habe mittlerweile keinen Freundeskreis mehr, wohne sehr weit von meinen Eltern entfernt, habe die Trennung hinter mir, Beruflich recht viel Stress und in diesem Jahr stehen wichtige Zukunftsentscheidungen (Ende der Ausbildung) an - das alles überfährt mich manchmal und ich habe keinen Überblick mehr. Ich sehe nichts mehr und finde keinen Ausweg. Also habe ich zur Zeit (und auch in den letzten Jahren) "Nur" das Essen. Es ist das einzige was NUR ICH bestimme. Ich verteufele es und liebe es zugleich.
Bisher habe ich einmal eine kurze Beratung für Essstörungen (Caritas) in Anspruch genommen, aber das konnte mir auch nicht viel weiter helfen. Ich hatte mir erhofft meine Fragen zu klären, aber letztlich war es eher sinnlos. Ich weiß nicht mehr weiter. Sollte ich mir über eine
Therapie gedanken machen? Jedoch ziehe ich im Sommer diesen Jahres vermutlich wieder um, daher ist es eher unpraktisch jetzt mit einer
Therapie zu starten? Dazu dann die Fragen, bin ich esssüchtig und wenn wie soll ich die
Therapie finanzieren? Das ganze Thema ist zur Zeit sehr Uferlos für mich.
Ich weiß das war verdammt viel Text, aber vielleicht hat der ein oder andere das ganze wirre Zeug gelesen und kann mir einfach einen Eindruck geben wie das alles wirkt? Ich wäre wirklich sehr glücklich über den Austausch mit anderen.
Schon einmal ein Danke im Vorraus!