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1

Freitag, 4. September 2009, 08:56

Ursache und Auslöser noch relevant?

hallo,

ist es bei euch auch so, dass die ES euch schon so lange begleitet oder so zum "Alltag" gehört, dass man keinen direkten auslöser mehr braucht um suchtdruck zu verspüren? ich habe fast jeden tag großen suchtdruck. egal ob der tag wunderschön war oder sehr traurig. das einzige was mir hilft ist starke ablenkung. aber auch nur manchmal.

wie ist das mit den ursachen? ich habe mich während der Therapie und vor allem in der reha sehr weiterentwickelt und habe viele ursachen, die für meine ES verantwortlich sind aufgearbeitet. jetzt habe ich wonach ich mich immer gesehnt habe, dennoch will ich offensichtlich die ES nicht loslassen. eigentlich "benötige" ich sie nicht mehr. aber sie ist eben noch da. ich komme besser im leben klar, bin offener, habe nun nicht mehr so starke angst vor ablehnung...aber meine denk- und verhaltensmuster sind wie automatisch. es ist immer noch so, dass essen das erste ist, woran ich morgens denken und das letzte bevor ich einschlafe. ich stehe immer noch nachts auf und esse heimlich. ich werde immer noch nervös wenn meine tagesstruktur und somit meine ernährungsplanung durcheinander gerät. ich finde mich immer noch unattraktiv fett und ekelig und mache mir mehr gedanken über kalorien als über alles andere. mein kopf ist "voll" mit der frage essen - nicht essen. da hat kaum was anderes platz.

kennt das einer von euch? das die ursache und auch auslöser nicht mehr so "wichtig" (ich hoffe ihr wisst was ich meine) sind und sich die ES verselbsständigt hat?

wäre Verhaltenstherapie da angebracht? was macht man da genau? wer hat erfahrungen?

danke euch,

isa

2

Freitag, 4. September 2009, 10:01

Hallo, Isa,

diesen Text könnte ich geschrieben haben...

Ich behaupte einfach mal, dass ich 95% meiner Probleme, meines Ichs, meines Lebens, meiner "Dramen" kenne und aufgearbeitet habe. Und die restlichen 5% muss ich einfach offen hinnehmen, sie sind nicht mehr klärbar (das zu akzeptieren, hat mich sicherlich ein Jahr meiner (tiefenpsychologisch fundierten) Therapie gekostet).

Ob Verhaltenstherapie DIR hilft, müsstest Du ausprobieren. Mir selbst hat das absolut nicht geholfen, im Gegenteil, ich hatte irgendwann das Gefühl, ich sei alles selbst Schuld, weil ich ja nur nicht "will"...

ich lebe mit diesem "Offenen" und versuche trotz dessen und mit dem abstinent zu sein.

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Petrus« (4. September 2009, 10:01)


3

Freitag, 4. September 2009, 10:06

Hallo Isa

Du schriebst:
ich finde mich immer noch unattraktiv fett und ekelig und mache mir mehr gedanken über kalorien als über alles andere. mein kopf ist "voll" mit der frage essen - nicht essen. da hat kaum was anderes platz.

Das ist immer ein Auslöser daurhaft und latent...
Es hört sich vieleleicht abgedroschen an..
aber solange wir uns nicht von allem Herzen mit unseren ganzen Schwächen annehmen, gehts nicht voran..

das sind meine Erfahrungen..

Auslöser können viel unterbewußt ablaufen..
und leider auch zum Selbstläufer werden...
gebnauso wie in einer Angsterkrankung...
Ich habe meine ES und meine anderen Störungen akzeptiert und mir ist klar, daß ich IMMER mit ihnen leben muß.

Es gibt bestimmte Muster bei den Auslösern, an denen man arbeiten kann, aber machne scheinen aus heiterem Himmel zu können..

Lg
Yrla
Is(s) doch:
Und: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
By the way: Be yourself, no matter what they say...
Procrastination is the thief of time (Verschiebetaktik ist der Dieb der Zeit) :whip:

4

Freitag, 4. September 2009, 10:09

Hallo, Isa,

noch ein Nachtrag: Dieses dauerhafte Kreisen um Kalorien, Kilos usw., das ist bei mir nicht mehr so vorhanden. Seitdem ich meine Waage verbannt habe, ist das kaum noch vorhanden...

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

sadness

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5

Samstag, 5. September 2009, 22:18

So geht es mir auch, mein Kopf ist voll mit der Essens-Frage. Wann, wo, was ...
Ich brauche keine konkreten Auslöser (mehr).
Es gibt Tage, an denen es mir so richtig gut geht, so mit Glitzeraugen (**) und dem "ich-fühle-mich-einfach-toll-so-soll-es-sein-so-soll-es-bleiben" boast Feeling. Und Tage, an denen es mir so richtig schlecht geht, da könnte ich jede Minute losheulen und komme gar nicht aus meinem Loch heraus. Dann esse ich sehr wenig, obwohl ich dauernd dran denke. Aber es ist nicht so drängend. Im ersten Fall vor Glück, im zweiten schnürt es mir die Kehle zu, da geht nichts runter.
Aber: An den meisten Tagen im Jahr sind es stimmungstechnisch die Tage zwischen "gut" und "böse". Normale Tage also, in meinem Leben. Und da denke ich pausenlos ans Essen und tue es auch, sobald ich nach Hause komme, oder am WE zu Hause bin ... :ihgitt:
Einmal wissen, dieses bleibt für immer. Ist nicht Rausch, der schon die Nacht verklagt ...
Einmal wirklich fassen und nie wieder alles geben müssen, was man hält ...


(aus: "Am Fenster" - Hildegard Maria Rauchfuß)

6

Sonntag, 6. September 2009, 08:29

Hallo, ihr alle,



"Selbstläufer" ist genau der richtige Ausdruck für mein individuelles Empfinden. In meiner Jugend ist einiges schiefgelaufen. Die daraus resultierende Frustration habe ich mit gestörtem Essverhalten kompensiert. Jetzt bin ich 45 Jahre alt und denke, dass ich die Probleme aus meiner Jugend verarbeitet und die nötigen Konsequenzen daraus gezogen habe. Man könnte sagen, diese Probleme haben mich verlassen, aber meine ES ist geblieben. Ich führe ein recht gutes Leben, bin glücklich verheiratet aber habe natürlich auch "mein Päckchen" zu tragen. Ich glaube aber auch, nicht mehr Probleme zu haben, als in meiner Kraft steht. Und trotzdem kann ich vom Essen nicht lassen. Wie Yrla schon sagte, am besten ist es die ES zu akzeptieren und sich mit ihr zu arrangieren. Zumindest bei mir mildert dies den Druck erheblich.



LG Bella

7

Montag, 7. September 2009, 00:59

Hallo Isa,

die Verhaltenstherapie geht unter anderen davon aus, dass sich Verhalten tatsächlich mit der Zeit verselbständigen und von den ursprünglichen Auslösern loslösen kann. Dann geht es darum, ganz aktuell (also in deinem heutigen Alltag) die jeweils vorausgehenden, begleitenden und nachfolgenden Bedingungen des verselbständigten Verhaltens und Erlebens zu untersuchen und Strategien zu entwickeln, erproben und einzuüben, diese Bedingungen zu verändern oder anders damit umzugehen. Das ist jetzt sehr abstrakt geschrieben, aber ich weiß ja auch nicht, was genau da bei dir wichtige Punkte wären.

Wie du dein Selbstbild und dein alltägliches Denken beschreibst, gibt es ja tagtäglich viele, viele Situationen, die man sich näher anschauen könnte und in denen du andere Umgehensweisen erproben könntest. Eine Verhaltenstherapie könnte sich also durchaus lohnen für dich! Sollte vielleicht schon jemand sein, der viel Erfahrung mit ES hat. Und eine gute Verhaltenstherapie ist nicht nur das, aber das hast du dir sicher schon gedacht. ;)

LG Gianna

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Gianna« (7. September 2009, 00:59)


8

Donnerstag, 24. September 2009, 01:23

Hallo, (blicke noch nicht ganz durch, wie das hier mit dem zitieren geht)

Wie Yrla schon sagte, am besten ist es die ES zu akzeptieren und sich
mit ihr zu arrangieren. Zumindest bei mir mildert dies den Druck
erheblich.

ich sehe es auch so, dass dies wahrscheinlich die einzige Chance ist, auch längerfristig retour in die "Normalität" zu finden, eben die ES zu akzeptieren, und sie vielleicht sogar ein kleines Stück weit "lieb zu gewinnen", weil sie eben zu einem dazugehört und einen irgendwo unter anderem auch ausmacht als Mensch, der man ist...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »mari« (24. September 2009, 01:23)


9

Donnerstag, 24. September 2009, 09:13

Das sehe ich auch so ^^
solange man sie irgendwann nichtmehr permanent braucht.
Wie ein Kuscheltier. (ja irgendwie ein extremer vergleich xD )
es geht einfach um Halt