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Anchesenamun

unregistriert

1

Samstag, 2. Mai 2009, 21:10

Bin gerade etwas verzweifelt.

Hallo,

ich weiß nicht, ob das jetzt hier so rein passt, aber ich muss es jetzt einfach mal aufschreiben, sonst werde ich noch verrückt.

Wir kamen heute von einem schönen Tag in Nürnberg zurück und ich wollte noch etwas in die Mülltonne schmeißen, als ich darin Bierdosen fand. Meine Schwiegermutter (mit der ich sowieso ein sehr schlechtes Verhältnis habe) ist seit vielen Jahren Alkoholikerin. Sie war eine ganze Zeit lang trocken, aber seit fast zwei Jahren trinkt sie wieder regelmäßig. Ich weiß nicht, wie oft wir sie in dieser Zeit schon ins Krankenhaus gebracht haben und wie viele Therapien sie schon gemacht hat. Zuletzt war sie vier Monate in einer Klinik und hat da eine Langzeittherapie gemacht. Seit dem 08.04.09 ist sie jetzt wieder zu Hause und anscheinend trinkt sie jetzt seitdem auch schon wieder.

Ich habe sie dann (teilweise leider auch mit Geschrei) davon überzeugt, dass wir sie wieder in die Klinik bringen. Dort bleibt sie jetzt erst einmal wieder 7 Tage und dann kommt sie wieder nach Hause.

Ich weiß ja, wie schwer es ist, von einer Sucht loszukommen, ich schaffe es ja selbst nicht. Trotzdem bin ich einfach unglaublich wütend. Ich habe so langsam einfach keine Kraft mehr. Ich habe ab dem 20.05 meine Abschlußprüfung und die sind wirklich nicht einfach und daher stellen sie eine unglaubliche Belastung dar. Dann muß ich die Woche über in die Verwaltungsfachhochschule und bin weg von meinem gewohnten Umfeld und meinem Mann. Dazu soll ich mich dann wieder um sie kümmern und natürlich auch um meinen Mann, den das ganze selbstverständlich auch mit nimmt. Seine Schwester möchte sich ebenfalls bei mir ausheulen und jetzt soll ich (von meiner Schwiegermutter aus) auch noch fremde Leute anrufen (Bekannte von ihr) und die ein wenig psychisch unterstützen, weil es denen ja so schlecht geht. Ich weiß langsam einfach nicht mehr, wann ich noch was machen soll. Ich habe mich jetzt schon einmal dazu entschieden, daß ich die Anrufe bei den Bekannten meiner Schwiegermutter nicht machen werde. Ich habe dabei zwar ein schlechtes Gewissen, aber dann würde ich wirklich zusammenbrechen.

Es hat aber wirklich schon mal gut getan, hier ein wenig davon niederzuschreiben.

Liebe Grüße,

Merle

2

Samstag, 2. Mai 2009, 21:17

Ich hoffe du kannst deinem Mann das genauso anvertrauen wie schlecht es dir geht
wie andersrum.
wenn das gegeben ist, könnt ihr gemeinsam die andren auffangen aber auch abwehren wenn es zu weit geht.

ich finds gut das du das abgesagt hast, nur wie gesagt wenn kein andrer davon weiß
wie angeknackst du wirklich bist, kannst auch nich erwarten, dass du nicht belastet wirst,
wenn andere es nach außen tragen.
Ich weiß nich wie du das handhabst ^^ aber Fassaden sind hinderlich

Anchesenamun

unregistriert

3

Samstag, 2. Mai 2009, 21:33

Ich weiß nich wie du das handhabst ^^ aber Fassaden sind hinderlich
Da hast du Recht, aber das tue ich eigentlich schon. Ich sage es immer wieder, daß ich zur Zeit sehr belastet bin, aber irgendwie kommt das wohl nicht so richtig an.

Naja, ich habe mich dazu entschlossen, daß ich mich jetzt erst einmal auf meine Prüfungen konzentriere und danach kann ich mich wieder um die anderen kümmern.

4

Samstag, 2. Mai 2009, 21:40

Oh je, das kenne ich gut!
Ich lerne es immer besser nein zu sagen, aber ohne Schuldgefühle geht es oft nicht.
Ich finde es super, wenn Du Dich erstmal um Dich kümmerst! Dazu hast Du jedes Recht der Welt!

Schicke Dir mal ein Kraftpaket
LG lols
Geduld bringt die Leichtigkeit zwischen den Schritten.

5

Samstag, 2. Mai 2009, 21:44

Liebe Merle,

als gebeutelte Frau, die auch nur für Gott und die Welt da und verantwortlich war, kann ich Deine Verzweiflung gut nachvollziehen.
Die Mutter von meiner erste Beziehung war auch alkoholikerin und ich habe mich ihr sehr gewidmet. Wieviel Kraft ich investiert habe und sie gar keine.
Das hat mich unendlich wüthend gemacht, bis ich sie losgelassen habe.

Liebe Grüße
Yrla
Is(s) doch:
Und: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
By the way: Be yourself, no matter what they say...
Procrastination is the thief of time (Verschiebetaktik ist der Dieb der Zeit) :whip:

Anchesenamun

unregistriert

6

Samstag, 2. Mai 2009, 22:01

Ich danke euch. Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Forum gefunden habe.

7

Samstag, 2. Mai 2009, 22:59

Ich finds gut, dass du für dich klarer wieder sehen kannst wie du vorgehen willst ^^
lg Dai

PS: jede Opferrolle hat auch ihre Vorzüge, so selbstzerstörerisch diese sein mögen.
abgesehen ihr wisst hoffentlich, um welche Opferrollen es da geht ich mein jetz nich das Mordopfer etc wink

8

Sonntag, 3. Mai 2009, 08:08

Guten Morgen, Merle,

ist Deine Schwiegermutter in Therapie oder noch besser: geht sie zu den Anonymen Alkoholikern?

Ich glaube NICHT, dass man als Alkoholiker bzw. als Süchtiger es schafft, die Kontrolle über sich zu bekommen, solange man es alleine oder nur durch "Willen" versucht. Zumindest in den ersten Monaten und Jahren der Abstinenz braucht man Begleitung, sonst fällt man immer wieder zurück.

Deine Situation kann ich gut nachempfinden. Ich habe meine pflegebedürftige Mutter 9 Jahre lang gepflegt und versorgt, die ersten 5 Jahre neben einem Job, der mich ca. 50-60 Stunden pro Woche in Anspruch nahm, und nach meinem Herzinfarkt dann weitere 4 Jahre eben selbst als Kranker. Das hat mich oft an meine Grenzen geführt, und meine Frau, die auch voll berufstätig ist, auch. Und meine Mutter war "nur" pflegebedürftig und dazu noch sehr nett und liebenswert; bei einem/einer Akoholiker/in ist das alles doppelt schwer...

Einen lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Anchesenamun

unregistriert

9

Sonntag, 3. Mai 2009, 10:27

Guten Morgen, Merle,

ist Deine Schwiegermutter in Therapie oder noch besser: geht sie zu den Anonymen Alkoholikern?

Sie hat so viele Therapiemöglichkeiten, nutzt diese aber immer nur teilweise. Bevor sie in der Langzeittherapie in der Klinik war, sollte sie mehrmals pro Woche in verschiedene Gruppen und zu einer Suchtberatung gehen. Das Problem ist, daß sie einfach oft keine Lust darauf hat. Zu den anonymen Alkoholikern ist sie auch einmal gegangen, aber da hat sie das gestört, daß dort eben auch die Regel herrscht, daß man sich bei anderen Menschen entschuldigen soll, etc. Und genau das ist, was mich so wütend macht. Sie bekommt solche Möglichkeiten und nutzt sie einfach nicht. Dann denke ich daran, wie ich vor einigen Jahren verzweifelt versucht habe, einen Therapieplatz zu bekommen und nirgends war ein Platz frei und sie bekommt von allen Seiten Hilfsangebote und nimmt einfach nichts an.

10

Sonntag, 3. Mai 2009, 10:36

Aufgrund eigener Gefährdung, aber auch, weil ich zwei Freunde habe, die Alkoholiker sind (bzw. waren, denn einer von ihnen starb 1989 an Leberzirrhose), weiss ich, dass manche Menschen wirklich erst "in der Gosse landen" müssen, bevor sie selbst etwas für sich und gegen ihre Sucht tun. Gerade bei Angehörigen ist es sehr schwer, das zu akzeptieren, aber manchmal muss man diese geliebten Menschen "abrutschen" lassen, bevor es mit einer Therapie klappt. Wer "keine Lust" auf Hilfe hat, hat noch nicht begriffen, wie schlimm es um ihn steht. Er muss weiter abrutschen. Sorry, tut mir leid, aber ich denke, so ist es.

Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

11

Sonntag, 3. Mai 2009, 11:12

Hallo...
ja...da muß ich Petrus absolut recht geben,manchmal ist das der einzige Weg die Süchtigen "loszulassen",denn wenn sie jedesmal aufgefangen werden, müssen sie von sich aus garnicht ernsthafte Anstrengungen unternehmen...die Merle ist ja schon zur Stelle..wenn's mal wieder nicht klappt.Das wird zwar nicht leicht sein so zu handeln,aber manchmal m u s s man auch an sich denken u.seine Gesundheit.Ich habe auch eine Schwiegermutter die mir jede Menge Energie entzogen hat...bis es bei mir nicht mehr ging....ich meide nun den Kontakt zu ihr,lasse meinen Mann u.die Enkelin m a c h e n...seitdem geht es mir psychisch um 100%Prozent besser. :)

was_süßes

unregistriert

12

Sonntag, 3. Mai 2009, 17:11

Hey, also..ich habe zwar noch nicht viel Erfahrung mit solchen Dingen gemacht.
Aber das hört sich wirklich so an, als ob deine Schwiegermutter nicht wirklich an einer Heilung interessiert ist. Sie hat noch nicht begriffen, dass sie es nicht für andere tun muss - sondern für sich selbst.
Solange von ihr keine wirkliche Initiative kommt, dann macht das wenig Sinn.

Viel Erfolg bei deiner Prüfung! Und gönn dir selbst auch mal eine kleine Belohung.. ;)