Lieber Tobit,
ich habe mir letzte oder vorletzte Woche extra den Stern wegen dieses Artikels gekauft, und war enttäuscht. Er bringt NICHTS Neues, sondern verpackt alten Schmarrn in ein neues Gewand.
Da ich selbst seit fast 50 Jahren depressionskrank bin, kenne ich die Phasen der Entwicklung der Depressionstherapien recht gut. Zur Zeit meiner ersten
Therapie (um 1970/75) war es regelrecht BÄÄÄÄH, auch nur an Medikamente zu denken. Man quälte sich lieber jahrelang durch mehr oder weniger sinnvolle oder hilfreiche Therapien als beides zu kombinieren.
Seit Ende der 80er und in den 90er Jahren dann waren plötzlich wieder Medikamente "das einzige Wahre". Ich erinnere mich an Berichte (u.a. im Stern!), in denen geschrieben wurde, dass
Therapie nichts taugt, weil alles "Gehirn" sei und nur Medikamente helfen.
Mittlerweile dreht sich die Fahne wieder und Medikamente werden ZUMINDEST IN DEN SCHLAGZEILEN angezweifelt. Wenn man diese Art Artikel aber zuende liest, findet man dort IMMER auch den Hinweis, dass bei SCHWEREN Depressionen nicht auf Medikamente verzichtet werden soll und darf.
Ich verstehe es nicht, warum die Medien ständig ein Entweder-Oder predigen. Meiner Meinung ist der richtige Weg ein Sowohl-Als-auch. In jedem Fall gehört Psychotherapie dazu. Aber oft sind auch Medikamente nötig, zunächst einmal Johanniskraut (das bei leichten und mittelschweren Depressionen in vielen Fällen ausreicht und hilft), und wenn das nichts nutzt, sollte auch an chemische Medikamente gedacht werden, wobei immer mit der niedrigmöglichsten Dosis begonnen werden muss.
Dennoch danke für den Link. Man sollten diesen Text aber wirklich kritisch lesen.
Liebe Grüsse
Petrus