@all
Danke für Eure Kommentare, seien sie nun eher kritisch, mitfühlend, verständnisvoll. Ich kann jedem eigentlich zustimmen. Vielleicht aber noch soviel vorab: ja, ich esse, ich habe eine
Essstörung und meine FA's sind in letzter Zeit nicht gerade selten - täglich um es genau zu sagen. Von daher ist mir auch das Verhalten des Bloch im Film sehr nahe gegangen. Aber ich habe das Problem mit dem Übergewicht nicht (oder noch nicht?) und deshalb kommt dieser erschwerende Punkt der Diskreminierung durch andere nicht dazu, was vielleicht manchen von Euch zusätzlichen Druck und Leid verursacht.
Es stimmt, ich neige immer dazu, das Leid anderer viel wichtiger zu nehmen, als mich um mich selbst zu kümmern. Ein Familientherapeut vor über 25 Jahren hat dazu seinen Teil beigetragen, dass ich so denke. Als Gefühlskalt musste ich mich bezeichnen lassen von ihm, weil ich schon als 13-jährige versucht habe stärker zu sein als alle anderen in der Familie und angesichts des Zusammenbruchs meines Vaters und meiner Mutter, tränenüberströmt in der
Therapie, einfach nicht mitgeweint habe. Einer musste doch schließlich den Überblick behalten .... alle sollten der Reihe nach sagen, was sie meinen was sie dazu beigetrage haben, dass meine Schwester magersüchtig war. Wie bitte? Das war für meine Eltern höchst beschämend und unangenehm, jeder hat erst die Schuld nur bei sich gesucht und wo schon mal alle so entblößt waren, war auch jeder angreifbar für gegenseitige weitere Schuldvorwürfe. So hat man uns nach Hause geschickt und der Zerfall unserer Familie nahm seinen Lauf.
Und ich habe es von Kleinkindalter her gelernt Rücksicht zu nehmen, weil mein Vater schwer krank war und von uns allen deshalb besonders schonend zu behandeln war.
Andererseits muss ich sagen, dass ich tatsächlich auch vieles gut wegstecken kann (natürlich nicht alles, sonst wäre mein Essverhalten nicht so entgleist, ist klar). Ich bin aber schon immer vielen Dingen auf den Grund gegangen, habe schon immer viel in mich hineingeschaut und so manches Problem versucht an der Wurzel zu packen. Oft habe ich es auch geschafft und dieses, was sich so hartnäckig jetzt schon so viele Jahre wohl noch tiefer zu verbergen scheint, das krieg ich auch noch zu packen.
Jeder auf seine Weise und ich stelle bei mir fest, dass ich stärker werde, wenn ich mich "kümmern" kann, dass ich aber immer mehr leide, wenn ich mein eigenes Problem zu wichtig nehme. Dann folgt Gedanke auf Gedanke, so wie neulich, als ich weinend zu Hause saß und hier einen Beitrag geschrieben habe. Mit etwas mehr Abstand und etwas tiefgründigerem Schauen hätte es nicht sein müssen, dass ich mir den schönen Abend verderbe. Negative Gedanken ziehen weitere negative Gedanken nach sich, das wird eine Spirale. Das heißt nicht, dass ich sie verdrängen möchte. Aber bei allem was passiert will ich doch lieber so oft es geht einfach Beobachter sein. Mag auch eine Form von Verdrängung sein, ja, aber ich mag die Tage halt nicht, wo ich dasitze und mit meiner Situation einfach nur hadere. Davon wird's ja nicht besser und das Leben ist zu kurz und zu schön dafür.
LG beeboo