Es ist schön, hier so nachdenkliche Beiträge zu lesen, danke sehr.
Das Thema Tod ist neben den Themen "Essen" und "Glaube" MEIN Thema, diese Trias "Religion-Tod-Essen" ist wohl das, was mich tagtäglich in der einen oder anderen Form beschäftigt.
Loszulassen fällt mir unendlich schwer, und Sterben und Tod sind wohl das grösste Loslassen, dem der Mensch sich stellen muss. Ich habe bisher beide Eltern, zwei Geschwister, meinen sehr geliebten Schwiegervater, mehrere wichtige Verwandte (darunter meine Patentante und meinen Patenonkel, die in meiner Kindheit eine ganz wichtige Rolle gespielt haben) und vor allem auch drei Freunde durch den Tod verloren, wobei der Tod von T. im März dieses Jahres eines der schlimmsten Verluste war. T war wohl in den letzten zehn Jahren mein engster Freund, uns verband eine ganz tiefe Freundschaft. Ich habe ihn in gewisser Weise bei seinem Sterben an Leukämie auch begleiten dürfen, täglich gemailt, sehr oft telefoniert, selbst in der Phase, in der er niemanden mehr sehen wollte. Sein Sterben und Tod hat mich vermutlich so geprägt wie sonst nur das Sterben meiner Mutter, die in meiner Gegenwart, ja, in meinen Armen gestorben ist. Hinzu kommt, dass ich schon zweimal selbst dem Tod von der Schippe gehopst bin, wie man sagt...
Ich bin also eigentlich "tod-und-sterbe-erfahren" und dennoch machen Sterben und Tod mir grosse Angst, vor allem der Gedanke, nicht mehr zu "sein" und meine Frau nicht mehr zu sehen, zu spüren, zu hören zu "haben". Ich glaube, das ist das Schlimmste überhaupt für mich: Von meiner Frau getrennt zu sein, und nach allen Gesprächen, die wir darüber geführt haben, ist es wohl auch das Schlimmste für meine Frau. Dennoch sieht sie es gelassener als ich, sie ist "sicher" dass es über den Tod hinaus eine "Verbindung" geben wird, die wir hier und heute nicht verstehen können, aber sie ist davon überzeugt. Sie glaubt an ein "Danach", nicht inform eines Paradieses oder so, sondern eher als ein Bewusstseinskontinuum, das mit dem Tod einfach nicht abbricht, auch zwischen Menschen, die einander sehr nahe gestanden haben.
Und hier kommt mein Glaube bzw. meine Zweifel aufs Tablett: Ich sehne mich danach, glauben zu können. Zum einen, weil ich das Leben sonst verdammt absurd und sinnlos fände, zum anderen, weil ich mir davon eine Milderung meiner Todesangst erhoffe, denn der Glaube an Gott und eine Hoffnung auf ein "Danach" sind für mich aufs Engste miteinander verbunden..
Vor dem Sterben an sich, vor Schmerzen etc. habe ich keine Angst. Aber vor dem Abschiednehmen... Und trotzdem möchte ich nicht "einfach so im Schlaf sterben", wie es ja für manche ein Ideal ist. Nein, ich möchte WISSEN, dass und wenn es zuende geht, ich möchte auch diese Phase meines Lebens bewusst erleben, so wie ich alles, was mir möglich war, bewusst erlebt habe bisher.
Etwas ungeordnete Gedanken, aber das ist für mich auch ein sehr heikles, schweres, ungeordnetes, aber wichtiges Thema.
Petrus