Binge Eating Forum

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Schwerelos

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1

Mittwoch, 6. Januar 2010, 09:57

"Das Leben verschlingen" - Konzept ausprobiert?

[Achtung: Essanfallauslösendes Verhalten wird beschrieben!]

Hallo,

nach dem Tipp hier im Forum, habe ich mir ja mal das Buch "Das Leben verschlingen" bestellt und kaue es nun so nach und nach durch.

Zwei Bücher in der Art habe ich vorher schon gelesen und wieder weggelegt. Mich schreckte irgendwie jegliche Kontrolle ab, denn ich will ja genau lernen ohne Plan zu essen, nur dann, wenn ich Hunger habe. Physischen Hunger. Da momentan bei mir aber alles aus den Fugen gerät, brauche ich einfach überhaupt mal wieder einen Ansatz, einen Anfang, irgendne Möglichkeit wieder einen ersten Schritt zu machen. Also werd ich das Konzept einfach mal ausprobiern.

Hat jemand schon positive Erfahrungen speziell mit diesem ABC-Konzept aus dem Buch gemacht?

Ich find's schon recht schwer, bei manchen Auslösern eine Strategie zu finden. Bei mir ist es oft so, dass ich esse, wenn ich Dinge vor mir herschiebe. Das hat meistens mit der Uni zu tun, wenn mir alles zu viel wird, ich mich überfordert fühle. Dann komme ich gar nicht mehr zur Ruhe, krieg Panik, fange an zu essen um mich zu betäuben, ziehe mich zurück. Die einzige Strategie, die ich hier sehe, wäre ja weitermachen... die Probleme angehen. Einen Lernplan machen vielleicht. Versuchen Kurse/Prüfungen umzulegen um mehr Zeit zu haben.

Hat jemand mit sowas Erfahrungen und eigene Strategien? Das würde mich total interessieren. Mit diesem Problem der Überforderung und dem Aufschieben von Aufgaben ect. quäle ich mich nun schon seit Jahren rum und ich vermute, dass es einer der Hauptauslöser bei mir für’s Essen ist.

Liebe Grüße, Schwerelos

PS: Ich hoffe ich bin hier im richtigen Unterforum und das is ok so wie ich schreibe. Ich weiß auch noch nicht so richtig, was jetzt wirklich triggert und wann ich vor was warnen soll. Bitte schreibt mir einfach, wenn irgendwas ist :*)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Schwerelos« (6. Januar 2010, 09:57)


sonja

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2

Mittwoch, 6. Januar 2010, 10:09

Hallo Schwerelos,

ich bin mir sicher, dass ein Binger niemals wieder soweit kommen kann: essen ohne Plan, einfach so .... ohne darüber nachzudenken. Da wird das Essen immer wieder eskalieren. Genauso sicher bin ich, dass jegliche Form der "Diät" Gift für uns ist.

Ich probiere das ABC-Modell immer wieder mal aus. Finde es sinnvoll, ist aber kein Patentrezept (gibt es ja leider eh nicht). Wäre schön wenn du uns an deinen Erfahrungen damit teilhaben lassen würdest.

LG,

Sonja

3

Mittwoch, 6. Januar 2010, 10:13

Hallo Schwerelos,

ich kenne das Buch, aber ich hab das Konzept nicht ausprobiert. Das liegt daran, dass sich mein Essverhalten schon ziemlich verselbständigt hat und meistens gar keine echten Auslöser mehr braucht. Ich kann Dir also im Bezug darauf nicht helfen, wohl aber bei Deinem Hauptauslöser, dem Verschieben von wichtigen Univerpflichtungen.

Das Studium bringt ja mit sich, dass man eigentlich immer was zu tun hätte. Man ist nie fertig und das macht einen fertig :S Jetzt ist es ja so, dass man nicht weiß, auf was man hinarbeiten soll, denn man ist ja nie am Ziel. Da musst Du ansetzen, deshalb ist die Idee mit dem Lernplan gut.

Du bereitest Dich jetzt auf Deine Prüfungen vor, oder?! Musst Du auch noch Diplomarbeit schreiben?

Du hast zwei Möglichkeiten:
1. Du macht das ganze leistungsorientiert
2. Du orientierst Dich an bestimmten Zeitkontingenten

Beim Prüfungsaufgaben rechnen oder sowas, ist es meistens besser man nimmt sich eine bestimmte Anzahl vor. Beim Schreiben oder lernen ist es oft besser man macht bestimmte Zeiten mit sich aus.

Wichtig ist, dass Du dann auch wirklich aufhörst, wenn Du etwas geschafft hast, was Du Dir vorgenommen hast, sonst geht der Schuss nach hinten los. Und Du brauchst etwas, auf das Du Dich freuen kannst, wenn Du fertig bist.

Ich schreibe gerade an meiner Magisterarbeit und schaue dann morgens schon, was ich abends machen will. Dazu prüfe ich, was im Fernsehen kommt, was mein Freund so vorhat und entscheide dann, ob ich eine Verabredung treffe, mich aufs Lesen freue oder einen Film sehen will. Das ist dann mein Ziel. Da will ich hin und ich weiß, dass ich das nur wirklich genießen kann, wenn zuvor "produktiv" war. Deshalb fange ich dann an, das abzuarbeiten, was ich mir zurecht gelegt habe. Heute ist das z.B. für mich ein Kapitel zu Ende bringen, vor dem ich mich schon lange drücke, den Schluss schreiben. Nicht zu viel, sonst bremst man sich selber.

Was musst Du denn im Moment genau machen?

Und Du weißt ja sicher selber, dass Du erst mal wieder einen Rhythmus finden musst und dass es dann viel leichter wird...

Schwerelos

unregistriert

4

Mittwoch, 6. Januar 2010, 10:47

@ Sonja
Also eigentlich habe ich schon die Hoffnung irgendwann wieder ohne Plan zu essen... hoffentlich bin ich da nicht zu blauäugig. Aber es klappt ja auch zeitweise ganz gut. Wenn mein Leben zum Beispiel ausgefüllt ist, alles gut klappt, beruflich, Freizeit, Freunde usw. Natürlich esse ich dann trotzdem auch mal mehr oder eben nur aus Genuss und nicht aus Hunger, aber es artet eben nicht aus. Womit ich mich abgefunden habe, is das Dicksein. Wenn es etwas weniger wird - gut, wenn nicht - auch ok. So wie ich jetzt bin, kann ich im Grunde alles machen. Ich weiß, dass ich mit ein bißchen Training schnell sportlicher werde, das ist das einzige was mich sonst am Dicksein wurmt. Aber genussvoll essen ohne Plan, sondern nach Hungergefühl möchte ich schon gerne. Und wenn es nur Phasen sind. Dann hoffe ich, dass diese zumindest immer länger werden...

@ N811e
Puh, genau mein Thema... ich war gerade die letzten Tage schon wieder so weit alles hinschmeißen zu wollen. Ja, ich habe Ende des Monats Prüfungen und ja, ich schreibe im nächsten Semester Diplomarbeit. Falls es mir nicht zu viel wird und ich zumindest auf Bachelor runterstufe. Dann wäre ich im Mai schon fertig und hätte trotzdem einen Abschluß.

Ich schlage mich nun seit ca. 3,5 Jahren mit diesem Thema rum. Ich habe ganze zwei Jahre in einer Therapie, Gruppe und einzeln, versucht daran zu arbeiten. Immer wieder, mit Lernplänen usw. Und immer wieder verzweifle ich. Es gab kleine Erfolge, aber ich hab eigentlich das Gefühl immer nur wieder zu scheitern. Dieses Semester habe ich nun alle meine Nebenjobs und freiwillen Ämter aufgegeben... ein letzter Versuch sozusagen. Nur noch Zeit für's Studium und wenn ich's dann nicht schaffe... keine Ahnung...

Aber vielleicht hst Du auch Recht. Für die Ferien hatte ich mir natürlich viel vorgenommen. Aber überhaupt nichts konkretes, habe keinen einzigen Tag geplant oder an welchem Fach oder welcher Hausübung ich arbeiten will. Und im Endeffekt nichts gemacht. Dann kam gestern die Verzweiflung, Abbruchgedanken ect. Jetzt habe ich mitbekommen, dass ich am Freitag noch eine Hausübung abgeben muss. Und kaum habe ich ein konkretes Ziel, kriege ich die totale Arbeitsmotivation. Jetzt ist eben nur noch das in meinem Kopf, weil es so dringend ist und dann regt sich bei mir sofort der Ehrgeiz das noch hinzukriegen.

Ich hab auch noch gar keinen neuen Kalender für dieses Jahr, konnte also im Grunde noch gar nix planen (ohne Kalender geht bei mir einfach nix...). Ich geh mal einen kaufen...

N811e - danke für Deine Beitrag! wirklich. Das gibt mir gerade totalen Auftrieb :*)

diclofena

unregistriert

5

Sonntag, 28. Februar 2010, 15:42

Ich find's schon recht schwer, bei manchen Auslösern eine Strategie zu finden. Bei mir ist es oft so, dass ich esse, wenn ich Dinge vor mir herschiebe. Das hat meistens mit der Uni zu tun, wenn mir alles zu viel wird, ich mich überfordert fühle. Dann komme ich gar nicht mehr zur Ruhe, krieg Panik, fange an zu essen um mich zu betäuben, ziehe mich zurück. Die einzige Strategie, die ich hier sehe, wäre ja weitermachen... die Probleme angehen. Einen Lernplan machen vielleicht. Versuchen Kurse/Prüfungen umzulegen um mehr Zeit zu haben.


Tut leid, wenn ich das Thema noch einmal aufheize, aber:

WOW. Ich glaube noch niemand hat mir so schön vorgeführt, wie ich mich verhalte. Bewussst hätte ich noch nicht darüber nachgedacht, aber mir geht es wirklich ganz genau so. Danke für die wertvolle Erkenntnis!
Wenn ich dich fragen darf: wie findest du das Buch? Ich überlege, es mir auch zu kaufen ... obwohl, vergiss es, es gibt sicher noch andere Beiträge über das Buch ^^

6

Donnerstag, 18. März 2010, 15:17

[Achtung: Essanfallauslösendes Verhalten wird beschrieben!]
Ich find's schon recht schwer, bei manchen Auslösern eine Strategie zu finden. Bei mir ist es oft so, dass ich esse, wenn ich Dinge vor mir herschiebe. Das hat meistens mit der Uni zu tun, wenn mir alles zu viel wird, ich mich überfordert fühle. Dann komme ich gar nicht mehr zur Ruhe, krieg Panik, fange an zu essen um mich zu betäuben, ziehe mich zurück. Die einzige Strategie, die ich hier sehe, wäre ja weitermachen... die Probleme angehen. Einen Lernplan machen vielleicht. Versuchen Kurse/Prüfungen umzulegen um mehr Zeit zu haben.


Sehr interessant, ich denk immer nur mir geht es so. Ich dachte immer, je mehr Stress, desto weniger esse ich.

Letzte Woche z.B. wollte ich ein Kapitel angehen, was ich schon ganz lange vor mir herschiebe. Stattdessen bin ich in den Supermarkt gefahren und habe NICHTS gelernt, weil ich ja mit Essen beschäftigt war. Und danach hab ich mich doppelt schlecht gefühlt, weil a) körperlich fertig und b) noch immer das Thema im Kopf.

Wie man sich da am besten rausholt kann ich schlecht sagen. Mittlerweile mach ich es mir zum Lernen bequem. Nehm mir meine Decke aus dem Schlafzimmer, bau alles im Wohnzimmer auf, Kerzchen an, Mini-Packung Süsses dazu und ein warmes Getränk. Klappt oft, aber nicht immer...

Das Buch selber fand ich anfangs gut, aber war sehr enttäuscht, als ich hinten den Tip gelesen habe zu den WW zu gehen. Das ist für mich für einen Essgestörten völlig indiskutabel. Da fand ich Paul McKenna wesentlich besser, da man lernt auf sein Hungergefühl zu hören.