Sie sind nicht angemeldet.

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

1

Dienstag, 21. Juni 2011, 12:00

Auszeit...oder gleich auswandern?!

Hallo zusammen,

durch den Pilger- und den Sabbat-Thread sind bei mir wieder alte Überlegungen hochgekommen.
Warum mache ich nicht mal so richtig lange eine Auszeit?
Sowas wie eine Weltreise wäre finanziell nicht möglich und emotional wohl auch nicht, weil ich zuviel Angst davor habe, mich dauernd auf Massen von neuen Leuten einstellen zu müssen.
Ich bin ja eh arbeitslos, also diesbezüglich ungebunden. Und dass ich tatsächlich in der Lage bin, Geld zu sparen (wenn auch sehr kleine Teilbeträge), habe ich im Zusammenhang mit der Summe gemerkt, die ich zusammenbekommen habe, um mich für den Geburtstag meiner Großmutter "auszurüsten".
Warum also nicht drei oder viel Monate Freiwilligenarbeit (kostet deutlich weniger als ne Reise) in einem ganz fremden Land? Oder ein halbes Jahr auf einem Fernwanderweg so richtig an die eigenen körperlichen Grenzen gehen? Oder direkt auswandern, nach Sibirien oder so?

Natürlich klingt das jetzt ziemlich durchgeknallt. Ich weiß auch, dass man seine "Probleme" immer mitnimmt, dass man sich nicht plötzlich komplett verändert, weil man irgendwo am Ende der Welt in einem ganz anderen Lebenskontext ist... Trotzdem fand ich es früher positiv, wenn ich wärend meines Studiums mal im Ausland gejobbt habe (obwohl ich da auch nicht gleich fressdruck- und angstfrei war).
ABER: Damals hatte ich sozusagen eine "Berechtigung", ich hatte Qualifikationen, wegen der ich geschätzt wurde und die Jobs bekommen habe. D.h. ich war halbwegs nützlich. Jetzt hätte ich überhaupt kein Argument. Und das Geld könnte ich auch für was Besseres sparen, z.B. ein Zweitstudium.

Eigentlich will ich ja nur wieder weglaufen. Immer weglaufen, das ist so typisch für mich.
Dabei heißt es doch "Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah..." von Goethe oder so.

Wie auch immer... Hat Jemand von euch Erfahrungen mit sowas? Oder einfach ein paar Denkanstöße ;g)


Liebe Grüße
Sina

Petrus

Ehrenmitglied

Beiträge: 6 787

Level: 53 [?]

Erfahrungspunkte: 16 303 220

Nächstes Level: 19 059 430

  • Nachricht senden

2

Dienstag, 21. Juni 2011, 12:56

Ich möchte Dich da sehr ermutigen, Sina... Meine Frau ist ja nun in Rente, ich bin seit 16 Jahren "frei", und wir haben einen Schritt gewagt, den man älteren Menschen kaum mehr zutraut, denn "alte Bäume soll man nicht verpflanzen", wie man so sagt. Wir sind aus dem Nordwesten der Republik (Niederrhein) zwar nicht nach Sibirien ausgewandert, aber immerhin 600 km weiter südöstlich in den Osten Bayerns, von einer Grossstadt (wir haben immer in Grossstädten gelebt) in ein 900-Seelen-Dorf, von einer Mietwohnung mit 20 Nachbarfamilien an den Rand des besagten Dorfs, nahe am Waldrand.

Das war in gewisser Weise wie ein Schritt "nach Sibirien".

Aber ich bin sooo glücklich, diesen Schritt getan zu haben, vor dem ich fast zwei Jahre grosse Angst hatte (obwohl ich ihn auch immer wollte!). Und was soll ich sagen? Seit meiner/unserer "Emigration" habe ich nicht nur keine FAs mehr, ich spüre auch keinen Suchtdruck mehr. Ich bin weit davon zu glauben, dass ich "geheilt" sei, aber ich bin in einer so starken abstinenten Phase wie seit Jahren nicht mehr.

Tu es, Sina! Oft ist ein radikaler Neuanfang genau das, was die Seele braucht.

Schönen Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

3

Dienstag, 21. Juni 2011, 13:24

Zitat

Eigentlich will ich ja nur wieder weglaufen. Immer weglaufen, das ist so typisch für mich.
Dabei heißt es doch "Warum in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah..." von Goethe oder so.

und gerade deswegen bin ich da skeptisch ^^, gerade wenn du sowas für typisch hälst wäre ich da aufmerksam.
bei dir klingt es nach "irgendwo hin". klar kann man ein Land besonders toll finden ich kenne Leute die dorthin sind und glücklich wurden. Für mich klingt es nach Flucht ^^

Petrus Umsiedelung empfinde ich da anders, da geht es irgendwie um "ankommen". Seine Angst und seine Flucht bezog sich in meinen Augen eher darauf was nicht zu tun, nicht zu "Springen". Sich zu trauen ist sicherlich eine gute Ermutigung, für den einen kann es hin zu etwas bedeuten, für den andren weg von etwas.

Deshalb möchte ich dich ermutigen das erstmal auszuhalten und konkreter werden zu lassen.

Gruß

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

4

Dienstag, 21. Juni 2011, 14:08

@ Petrus
Es freut mich richtig, zu lesen, dass es Dir durch diesen Schritt so viel besser geht. Gerade auch, weil Du davon schreibst, dass Du Angst davor hattest, obwohl Du es auch gleichzeitig wolltest!
Ich würde auch nicht unbedingt nach Sibirien auswandern, das ist für mich nur ein Synonym für "ein komplett anderes Leben ausprobieren". Das könnte durchaus irgendein abgelegenes Dorf in der Eifel oder der Uckermark sein oder Ähnliches, wo ich dann "spartanisch" leben und mir mein Geld mit was Handwerklichem verdienen würde (also was total Anderes, als von einer wissenschaftlichen Karriere, vielen Freunden, Parties und Schlanksein zu träumen)...

@ Shiva
Ja, natürlich ist sowas eine Flucht. Ich würde es aber auch bei anderen Menschen so bezeichnen, die z.B. zwar nicht psychisch krank sind, aber aus sonstwas für Gründen mit ihrem bisherigen Lebensentwurf unzufrieden sind. Für mich steht sowas wie Auswandern immer dafür, dass jemand in der ein oder anderen Weise mit unserer Gesellschaft nicht klarkommt oder es einfach nicht mehr will, klarkommen zu müssen.

Meiner Meinung nach schließt sich "weg von etwas" und "hin zu etwas" nicht gegenseitig aus. Ich finde, dass beides im Idealfall gerade miteinander verbunden sein sollte.
Bei mir war z.B. in den letzten Jahren immer nur "weg von etwas" angesagt - bis hin zur Totalverweigerung des Lebens. Ich wollte einfach nicht mehr so weitermachen, habe bloß nie einen anderen Weg gesehen weil ich "nunmal so bin". Nur muss es ja irgendwo ein "hin zu etwas" geben, ein Ziel, in dem ich die von mir ersehnte Ruhe sozusagen aktiv finden könnte, z.B. indem ich einen Alltag ohne hohe Leistungsansprüche, aber mit klaren Strukturen lebe. Da bin ich nunmal der Vorstellung aufgesessen, dass das anderswo besser gehen könnte (wahrscheinlich ein romantisierter Egotrip).

"Aushalten" mache ich eh schon seit Jahren. Das kann ich mittlerweile gaaanz toll - naja, oder auch nicht... ich sitze es zwar aus, hab ja eh zuviel Angst, um wirklich was zu wagen, aber in mir brodelt es, weil ich doch endlich mal was unternehmen muss.
"Konkreter werden" würde ich sowas eh lassen. Ich war immer die Frau der Pläne. Ohne exakte Planung, Listenschreiben und Infos-Sammeln ging bei mir gar nichts und das wäre auch immer noch so. Schon allein die Tatsache, dass es mindestens ein oder zwei Jahre dauern würde, bis ich genug Geld beisammen hätte für die kleinsten meiner Wünsche, lässt mir viiiel Raum, mich umzuschauen und meine Motivationen zu zerpflücken.

Aber grundsätzlich stimmt es, dass es eine Flucht vor mir selbst wäre... weil ich einfach nicht in der Lage bin, normal zu leben.
Da denke ich halt, dass eine komplett andere Umgebung/eine andere Kultur/ein "ich bin dann mal weg" mich von irgendwelchen Verpflichtungen und unlösbar scheinenden Aufgaben befreien würde. Würde es natürlich vorerst auch (abgesehen vom Auswandern), aber nach der Rückkehr wäre alles wie vorher und der Frust wohl noch schlimmer, weil meine Ansprüche ans Leben einfach falsch sind.

Beiträge: 761

Level: 31 [?]

Erfahrungspunkte: 315 951

Nächstes Level: 369 628

  • Nachricht senden

5

Dienstag, 21. Juni 2011, 14:17

ich kenne dieses einfach nur mal raus und weg wollen.
als junges mädchen hab ich interrailtouren gemacht, damals war das noch bezahlbar (wenn man vorher 1 jahr gespart hat).
ich nahm meinen jahresurlaub und bin los. es war so eine version von weg, nur weg. die reisen waren wunderschön, ich bin heute noch froh, dass ich das gemacht habe. leider sind diese touren heutzutage teuer. und leider auch vom alter her beschränkt. aber prinzipiell finde ich dieses rauskommen können und sich mal treiben lassen einfach gut. grad wenn es daheim ätzend ist.
auswandern, da gehört wenigstens ein bisschen geld dazu, sonst wird das schnell schlimmer, als die verhältnisse, aus denen man kam. ich find auch, man sollte die sprache vorher lernen, und man muß ne ganze weile aushalten, dass man die verhältnisse überhaupt nicht kennt.
so nen krassen umzug vom rhein nach bayern ist schon ein ordentlicher sprung, aber aus deutschland raus ist nochmal was anderes :*) (und es ging in eine mietwohnung rein und mit jemand zusammen)
vielleicht sind die pilgertouren gar nicht mal so schlecht, laufen soll gesund sein, man sollte halt ab und zu mal ne schlafgelegenheit mit dusche haben. aber ansonsten find ich das ne gute idee, um weglaufgelüste zu befriedigen :D
the war is over - are you sure ?

aber auch:

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten "Wo kommen wir denn hin", und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme wenn man ging.

6

Dienstag, 21. Juni 2011, 14:27

Hallo Sina....

ich kann Petrus Argumente verstehen und auch Shivas.

Ich hab früher immer meine Freunde beneidet, als die nach dem ABI mit dem Rucksack durch die Gegend getourt sind ...ich dachte auch immer, woanders würde man mich vielleicht so nehmen wie ich bin, woanders wäre es einfacher mein Leben zu leben. Letzendlich kann ich auf einer einsamen Insel wohnen - mein Kopf wäre ja trotzdem dabei und die Erfahrungen/Traumas die mich geprägt haben.

Du schreibst "in Sibierien" würdest du nicht mehr von karriere und partys und schlank sein träumen - warum geht das nicht im hier und jetzt ? Nur weil die Versuchungen hier so groß sind und in Sibirien nicht?

Selbst in einer Waldhütte in der Uckermark hättest du Verpflichtungen - Waldhütte suchen, Ummelden (wohin soll sonst das Arbeitlosengeld überwiesen werden), wenn Verkauf von Handwerk dann heisst es Gewerbeanmeldung, steuerliche Erfassung zwecks Steuernummer, bei Verkauf auf Märkten heisst es dafür eine Genehmigung einholen. Und nun gehst du zb von deiner Waldhütte wo du selten jemanden triffst aufs Gewerbeamt und die dame die deinen Fall bearbeitet sieht aus wie Super-Woman. Und dann?

Man sollte sich genau prüfen - wieso man etwas will. Das Leben ist zum Ausprobieren da - keine Entscheidung ist entgültig. Letzendlich kann man es ausprobieren und wenn es nicht klappt sucht man sich wieder was anderes. Nur sollte man das ganze schon realistisch betrachten, dass es egal wohin man auswandert, egal ob Sibirien oder Brasilien oder Schweiz, man immer eine Art von Verpflichtung haben wird und man immer sich selbst dabei haben wird.



Leilah

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

7

Dienstag, 21. Juni 2011, 14:35

hm du wirkst auf mich grad recht perspektivenlos und da kann ich verstehen, wenn du Lösungen suchst.
du erkennst ja selbst, das die Lösungen nicht alle im Außen liegen können. Nur welche Konsequenz wird das haben, also diese Erkenntnis?
Du kommst mir halt so uneins vor, da würd ich an deiner Stelle evtl mal für ein paar Wochen oder Monate was planen aber nicht für immer.
Und diese nicht gelebten Träume hm, vielleicht dürfen die auch gar nicht gelebt werden?

Bei dem was ich so verstanden habe geht es dir darum in deinem Leben anzukommen, das dieser Schritt sich nun in die Breite zieht, weil du keine Richtung oder Orientierung hast. Vielleicht auch die Angst sich wirklich in einem Job niederzulassen und festzulegen, wie und wer du bist?

Ist das so oder lieg ich da falsch?

Petrus

Ehrenmitglied

Beiträge: 6 787

Level: 53 [?]

Erfahrungspunkte: 16 303 220

Nächstes Level: 19 059 430

  • Nachricht senden

8

Dienstag, 21. Juni 2011, 14:44

Ich denke auch, dass das gründlich überlegt und auch die Motivation hinterfragt werden sollte. Wir haben das 8 Jahre lang geplant und sehr gründlich durchdacht. Und dennoch war es ein Wagnis und die grosse Bewährung steht auch noch bevor. Zum einen sind wir ja erst gerade mal 3 Monate hier, und zum anderen bewährt sich das Ganze wohl erst im Winter. Wir haben immer in Gegenden gelebt, in denen das Thermometer kaum mal unter Null ging, und wo 5 cm Schnee schon arktisch waren. Hier sind es im Winter durchaus -15, zeitweise auch -20 Grad und wenn es "wenig" Schnee gibt, dann sind es "nur" 80 cm...

Aber wir sind optimistisch, wir wussten und wissen, was auf uns zukommt, und das ist wichtig. Genauso wichtig, wie man das Ganze keinesfalls als FLUCHT sehen sollte, sondern mit Herz und Kopf als "NEUANFANG" (was durchaus auch "ankommen" bedeuten kann, wie Shiva das so schön ausdrückte).

Lieben Gruss

Petrus
"Die ganze Welt ist zum Verzweifeln traurig."
Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

9

Dienstag, 21. Juni 2011, 19:52

auswandern, da gehört wenigstens ein bisschen geld dazu, sonst wird das schnell schlimmer, als die verhältnisse, aus denen man kam. ich find auch, man sollte die sprache vorher lernen, und man muß ne ganze weile aushalten, dass man die verhältnisse überhaupt nicht kennt.
Ja, das sehe ich auch so. Ich würde wegen der Sprache auch höchstens in englischsprachige Länder auswandern können (Französisch habe ich komplett vergessen, weil ich seit dem Abi kein Wort gesprochen und das letzte Mal vor 8 Jahren Texte gelesen hab). Und selbst bei Englisch hätte ich massive Probleme, weil ich zwar die Sprache mehr oder weniger fließend beherrsche, mir aber meine mangelhafte Aussprache peinlich ist. Andere Sprachen lernen wäre dementsprechend noch schlimmer :(
Auswandern ist eigentlich auch echt nur ein bekloppter Traum von mir. Realistisch gesehen könnte ich das nie, weil ich vor Heimweh durchdrehen würde. Etwas paradox, ich weiß...


vielleicht sind die pilgertouren gar nicht mal so schlecht, laufen soll gesund sein, man sollte halt ab und zu mal ne schlafgelegenheit mit dusche haben. aber ansonsten find ich das ne gute idee, um weglaufgelüste zu befriedigen :D
Ja... an anderer Stelle nennst Du es auch "sich treiben lassen". Irgendwie stelle ich es mir beruhigend und "reinigend" vor, wenn ich wüsste, dass ich die ganzen nächsten Tage nichts anderes zu tun brauche, als aufstehen, gehen, proviant besorgen, kochen, zelt aufbauen, schlafen. Klar, auch da gibt es die Möglichkeit, in Konkurrenzverhalten reinzurutschen, weil man dauernd Leuten begegnet, die 30 oder 40 km pro Tag gehen, oder weil man "Miss Outdoor-Model" über den Weg läuft... Aber trotzdem: Der einfache Rhytmus und keine Erwartungen, mehr als das zu leisten...


Ich hab früher immer meine Freunde beneidet, als die nach dem ABI mit dem Rucksack durch die Gegend getourt sind ...ich dachte auch immer, woanders würde man mich vielleicht so nehmen wie ich bin, woanders wäre es einfacher mein Leben zu leben.
Oh ja, beneidet habe ich solche Leute auch immer. Ich bin auch selbst zu einer recht ungewöhnlichen Reise aufgebrochen (allerdings nicht so cool mit Rucksack, sondern mitm Auto), aber nach einer Woche war Schluss.
Dass die mich woanders auch nicht unbedingt nehmen, wie ich bin, weiß ich eh. Als Schülerin bin ich in komplett fremden Gruppen immer schnell zur Außenseiterin geworden und während meines Studiums bei den Auslandjobs habe ich auch manchmal rausgefunden, dass man mir Spitznamen wegen meines Übergewichts gibt - selbst am A*sch der Welt.
Für mich wäre es eher eine riesige Überwindung, trotz dieses "Wissens"/dieser Angst, schon wieder bloß die langweilige Fette zu sein, mich auf den Weg zu machen.


Du schreibst "in Sibierien" würdest du nicht mehr von karriere und partys und schlank sein träumen - warum geht das nicht im hier und jetzt ? Nur weil die Versuchungen hier so groß sind und in Sibirien nicht?
Ja, ich nehme tatsächlich an, dass die Versuchungen nicht so groß sind.
Früher hat mir bei Auslandsaufenthalten schon allein die Tatsache Erleichterung gebracht, dass ich mir nicht so viele Gedanken um Klamotten machen musste. Es weiß ja jeder, dass eine, die aus dem Koffer lebt, nur eine sehr begrenzte Anzahl an Outfits zur Verfügung hat - dementsprechend hatte ich nicht dauernd die Befürchtung, dass die alle jetzt denken "iiiih, die trägt ja schon wieder die selben Sachen, bestimmt wäscht sie die nie und sich selbst auch nicht, so sind die Fetten halt"... Ähm, ja, ich denke viel darüber nach, was die anderen denken...



Selbst in einer Waldhütte in der Uckermark hättest du Verpflichtungen - Waldhütte suchen, Ummelden (wohin soll sonst das Arbeitlosengeld überwiesen werden), wenn Verkauf von Handwerk dann heisst es Gewerbeanmeldung, steuerliche Erfassung zwecks Steuernummer, bei Verkauf auf Märkten heisst es dafür eine Genehmigung einholen. Und nun gehst du zb von deiner Waldhütte wo du selten jemanden triffst aufs Gewerbeamt und die dame die deinen Fall bearbeitet sieht aus wie Super-Woman. Und dann?
Joa, den Fall habe ich auch schon gedanklich durchgespielt. Vor über einem Jahr hatte ich eine "Geschäftsidee", mit der ich mir zumindest ein Taschengeld hätte verdienen können. Was Kreatives... ABER ich hatte natürlich viel zuviel Angst vor Finanzamt, IHK, Berufsgenossenschaften usw. und natürlich besonders vor eventuellen Super-Woman-Sachbearbeiterinnen :cursing:



Das Leben ist zum Ausprobieren da - keine Entscheidung ist entgültig. Letzendlich kann man es ausprobieren und wenn es nicht klappt sucht man sich wieder was anderes.
Das kann ich leider nicht so sehen. Ich schäme mich jetzt schon, dass mein Weg nicht geradlinig war. Sonst könnte ich ja evtl. auch einfach versuchen, in meinem "gelernten" Beruf eine Nische zu finden, aber da hätte ich Angst vor Fragen und dass mein Ex-Prof Dinge ausplaudert (also "Diagnosen", die ihm dummerweise mitgeteilt wurden), durch die mein Ruf endgültig futsch wäre.
Ich suche einfach etwas, wo ich mich "offiziell" verkriechen darf, also ohne dass dauernd jemand hinter mir her ist und ohne dass ich im Arbeitsalltag dauernd befürchten müsste, dass meine "Abartigkeit" entdeckt wird.
Natürlich beinhaltet das Verpflichtungen - von irgendwas muss man schließlich leben und man muss sich selbst körperlich und psychisch so weit in Schuss halten, dass man in der Lage ist, seinen Lebensunterhalt zu erwirtschaften.


Du kommst mir halt so uneins vor, da würd ich an deiner Stelle evtl mal für ein paar Wochen oder Monate was planen aber nicht für immer.
Grundsätzlich wäre ich auch eher dafür, nur für ein paar Monate "auszubrechen". Wie gesagt, für Auswandern wäre ich eigentlich nicht mutig genug und viiiel zu heimwehanfällig.


Und diese nicht gelebten Träume hm, vielleicht dürfen die auch gar nicht gelebt werden?
Glaub ich eher nicht. Wenn, dann liegt es jedenfalls ausschließlich an mir, denn andere ermutigen mich immer, mal Urlaub zu machen oder zu überlegen, wie ein beruflicher Neuanfang klappen könnte. Ich denke halt zuviel, z.B. dass ich mich ja kenne und weiß wie abgrundtief faul ich bin und dass ich ja zu fett bin und eh immer nur ausgelacht werde usw. Wobei es momentan wirklich so ist, dass ich körperlich eine längere Reise oder gar Wandern nicht bewältigen könnte.


Bei dem was ich so verstanden habe geht es dir darum in deinem Leben anzukommen, das dieser Schritt sich nun in die Breite zieht, weil du keine Richtung oder Orientierung hast. Vielleicht auch die Angst sich wirklich in einem Job niederzulassen und festzulegen, wie und wer du bist?
Joa, stimmt. Jedenfalls teilweise. Also, ich weiß, wie und wer ich bin, aber ich kann es nicht akzeptieren. Ich hasse mich halt dafür, nicht Super-Woman zu sein.
Wenn ich an sowas wie "Job" denke, kriege ich Panik. Diese dauernden Leistungsansprüche, die ständigen sozialen Situationen und die ewige Angst, enttarnt zu werden. Angst, Angst, Angst... Irgendwie ist sämtliche Energie, mich zu sowas zu überwinden, im Studium draufgegangen. Manchmal denke ich, hätte meine Ex-Psychiaterin doch machen sollen mit ihrem Renten-Kram, aber damals konnte ich so eine endgültige Niederlage" nicht zulassen (na ja, auch heute würde ich mich wehren).
Wahrscheinlich ist das Hauptproblem, dass ich nicht mit Herz, Haut und Haaren hinter so einem Neuanfang stehe. Ich denke bloß immer "ich muss doch jetzt mal endlich...", nicht ich will/möchte/wünsche. Ich schäme mich so dafür, seit Jahren so nutzlos rumzudümpeln. Daher z.B. auch die Idee mit der Freiwilligenarbeit, denn da zahle ich ja sogar noch dafür, dass ich für die arbeite, also müsste ich mich nicht so sehr dafür schämen, dass ich überhaupt was von denen will.

mary

Fortgeschrittener

Beiträge: 346

Level: 30 [?]

Erfahrungspunkte: 284 176

Nächstes Level: 300 073

  • Nachricht senden

10

Dienstag, 21. Juni 2011, 21:02

Ganz oft habe ich den Impuls: jetzt einfach nur weg.... auf eine einsame Insel... nichts hören und nichts sehen.
Ich weiß inzwischen das dies das Signal für mich ist...es ist zuviel...
Trotzdem würde ich sehr gerne mal pilgern oder in einer großartigen Natur eine Weile ganz einfach leben. Zum Beispiel im Sommer auf einer Alm.
Leider kann ich es heute nicht mehr aus körperlichen Gründen. Früher fehlte mir das Geld bzw. die Zeit bzw. der Mut.
Trotzdem habe ich einen Traum...... ich möchte mal nach Patagonien. Am liebsten dort eine Weile leben. Die Natur dort ist wie ich sie liebe.

mary
Es gibt einen Raum hinter richtig und falsch,
dort treffen wir uns

Beiträge: 761

Level: 31 [?]

Erfahrungspunkte: 315 951

Nächstes Level: 369 628

  • Nachricht senden

11

Dienstag, 21. Juni 2011, 21:17

ja, einsame insel, davon träume ich auch.
the war is over - are you sure ?

aber auch:

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten "Wo kommen wir denn hin", und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme wenn man ging.

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

12

Dienstag, 21. Juni 2011, 21:54

hm ich hatte so den impuls in mir, ich würd dich gern ma schubsen...
und entweder springst du dann bzw fällst oder fliegst hin, in reell und nicht nur gedanklich.
So eine Auslandsreise, hat ja auch sowas besondres, das hat für mich auch nicht viel mit Alltag zu tun, es sei denn man zieht wirklich um.

ich finds so schade, das du dich so unter wert verkaufst.
und ich hab auch kein plan, was dir da helfen könnte. (ausser jemand professionellen)
Das macht mich richtig traurig, da so hilflos zu sein.
Aber ok ^^ wenn ich dir hier irgendwie impulse senden kann die helfen, lass es mich wissen.

und glaub ja nicht das ich dir da so unähnlich bin, ich hab auch Angst vor dem was nun nach dem Abschluss kommt.
Und es wird mich sehr viel Kraft und Überwindung kosten mich vorzustellen und zu bewerben.

vesteh ich das richtig?
du magst dich nicht, weil du Dinge tust die du nicht gut findest, und machst keine guten Dinge für dich, weil du dich nicht magst?

Leilah

Moderatorin

Beiträge: 501

Level: 28 [?]

Erfahrungspunkte: 166 184

Nächstes Level: 195 661

  • Nachricht senden

13

Mittwoch, 22. Juni 2011, 07:43

Ohne dir nahe treten zu wollen Sina...liest man all deine threads hab ich immer eine Unkrautpflanze vor mir (jetzt keine negativen Assoziationen wegen Unkraut !!) - weil du willst von diesem wuchernden Unkraut immer nur die Spitzen abschneiden oder denkst wenn du die Unkrautpflanze in ein anderes Gebiet umtopfst dann wuchert sie nicht mehr. Dabei ist die Lösung eigentlich die Wurzel auszugraben (mit professioneller Hilfe).

Du hast dir selbst viele Regeln auferlegt und stellst dir 5 Fallen auf weil du denkst, die Leute reden schlecht über dich. Ich bin ein wahrer Fan von eigenen Regeln. Aufgrund mancher meiner psych. Macken kann ich nur mit meinen eigenen Regeln überleben. Aber sämtliche Regeln die mit meiner Aussenwelt zu tun haben, habe ich eliminiert. Früher hab ich in der Fortbildung sogar notiert, was ich anhatte, damit ich ja nicht an 2 WE das gleiche trage, ich hab mir eine Liste von Ausreden rausgesucht, warum ich trotz meiner Hochbegabung "nur" in die wirtschaft gegangen bin. Aber da dreht man sich doch dann irgendwann nur noch im Kreis. Und man macht nur eins - sich selbst immer fertiger Aufgewacht bin ich eigentlich als ich jemand traf in einer Vorlesung (jeden Freitag) der wirklich jeden Freitag das gleiche trug - roter Pullover, Cordhose, sogar immer die gleichen Socken. Klar schmunzelten einige und machten Witze in der Vorlesung, er nahm es gelassen und trotzdem wurde normal mit ihm gesprochen. Nach 2 Jahren in der Hitze der Prüfung und in einem sehr schwachen Moment meinerseits warf ich mal in einer Lernstunde meinen Krempel auf den Boden und meinte "scheiss Dreck wieso steh ich mir so selbst im Weg " (ich konnte einfach aus Zwanggründen keine andere Farbe wählen zum unterstreichen) und bin rausgelaufen. Mr. Roter Pullover kam mit nem Kaffee hinterher, wir sassen da schweigend ...ich meinte nur "sry wollte nicht ausrasten...hab da ein paar probleme mit mir selbst" und er lachte nur und meinte "wie ich das kenne...ich kann ja nicht mal freitags was anderes anziehen weil ich mir so im weg stehe". Dieser Mensch hatte auch Zwänge wie ich, er hatte seid 5 Jahren einen Anziehplan und er kam davon nicht los. Am gleichen Abend hab ich meine Liste mit meiner klamottenwahl weggeworfen und zieh jetzt auch im Job manchmal BEWUSST 3 Tage lang das gleiche an, wenn ich merke ich achte da wieder extrem drauf oder hab zb wieder meine "ich stinke -macke" und was ist? Die leute reden trotzdem mit mir, die welt hört sich nicht auf zu drehen.

Ich habe jahrelang 13 mal Türklinken angefasst, oder bin 13 mal über Türschwellen gehüpft aufgrund von Zwängen um nur eine kleine auswahl aufzuzählen - alles in der Arbeitswelt. Ich hab manchmal stunden gebraucht um beim mandanten anzukommen, weil es einfach zuviele türklinken und schwellen gab. trotzdem reden die menschen mit mir...sie tolerieren es...nehmen es hin oder akzeptieren es sogar. In deinem Kopf ist gleich dass du ablehnt wirst, wenn du einen anderen Weg einschlägst beruflich. Aber vielleicht bist du da selbst auch sehr streng...vielleicht ist ein Kommentar oder eine Nachfrage oder vielleicht auch ein blöder Spruch gleich eine Ablehnung deiner ganzen selbst. Wenn eine Bekannte zu mir sagt "ich versteh nicht wieso sie nicht studieren" dann lehnt sie doch nicht mich als GANZES ab sondern versteht einfach nicht meinen Weg.

Man kann solche Gedankenstrukturen mit professioneller Hilfe durchbrechen - das geht nicht von heut auf morgen...ich hab fast 5 Jahre gebraucht um die Zählzwänge abzulegen oder meine Gedankenzwänge. Aber es wäre echt schade, wenn du dir so viele Möglichkeiten die dir das Leben bietet, selbst verbaust.

Leilah
Meine Seele passt in keine Schublade

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

14

Mittwoch, 22. Juni 2011, 10:48

Leider kann ich es heute nicht mehr aus körperlichen Gründen. Früher fehlte mir das Geld bzw. die Zeit bzw. der Mut.
Das ist wirklich sehr traurig, ich kann mir gerade richtig vorstellen, wie sich das anfühlt.

Und ich möchte nicht, dass es bei mir endgültig so wird. Teilweise ist es ja jetzt schon so, nur eher andersrum - vor ein paar Jahren hatte ich noch genug Geld, Zeit und auch eine körperliche Verfassung, mit der das Reisen gegangen wäre (für die Jobs ging es ja auch), aber ich habe nie den Mut gehabt. Jetzt hocke ich da und habe weder finanziell noch körperlich die Kapazitäten, um mir sowas genehmigen zu können.

Patagonien ist übrigens auch eine meiner Traum-Regionen.



hm ich hatte so den impuls in mir, ich würd dich gern ma schubsen...

und entweder springst du dann bzw fällst oder fliegst hin, in reell und nicht nur gedanklich.
Ja, deswegen sagte ich ja neulich bezüglich Therapie, dass ich es vielleicht doch versuchen sollte, weil man manche Leute eben zu ihrem Glück zwingen muss :fies:


ich finds so schade, das du dich so unter wert verkaufst.

und ich hab auch kein plan, was dir da helfen könnte. (ausser jemand professionellen)

Das macht mich richtig traurig, da so hilflos zu sein.

Aber ok ^^ wenn ich dir hier irgendwie impulse senden kann die helfen, lass es mich wissen.
Na ja, "unter Wert" ist ja relativ. Bezüglich meiner Person verweigere ich eben die "Einsicht", dass ein Mensch per se wertvoll ist. Einem anderen Menschen würde ich vielleicht sagen, dass er sich allein deswegen "unter Wert" verkauft, weil kein Lebewesen es verdient hat, wegen irgendwelchen Macken einfach "ausrangiert" zu werden, einfach weil Leben nunmal wertvoll ist :blah: Aber was mich betrifft, möchte ich schon eine positive Bilanz in der Kosten-Nutzen-Rechnung sehen...
Ich glaube aber nicht, dass mir irgendwelche Fachleute helfen könnten, jedenfalls nicht bei den Vorurteilen und Ängsten, die ich denen gegenüber zur Zeit habe. Man sollte sowas ja auch selbst wollen und nicht das Gefühl haben, sich in einen Schützengraben zu begeben, wenn solche Gespräche anstehen.
Ich finde es furchtbar, wenn Du Dich deswegen traurig/hilflos fühlst. Glaub mir, ich erwarte nicht, dass mir jemand die Lösungen auf einem Silbertablett serviert, sondern sehe dieses Forum als Möglichkeit, meine Gedankengänge zu äußern, Denkanstöße zu erhalten und mir dann evtl. die Lösungsansätze zusammenzubasteln. Wenn das aber zu sehr triggert oder jemand das Gefühl hat, ich will mich nur wichtig machen o.ä., dann werde ich mich mäßigen.
Übrigens ist diese ganze Suche nach "Fluchtmöglichkeiten" auch eine Suche danach, mir einen Wert zu geben, mit dem ich leben kann.



vesteh ich das richtig?

du magst dich nicht, weil du Dinge tust die du nicht gut findest, und machst keine guten Dinge für dich, weil du dich nicht magst?
Hm, nicht ganz...
Ich mag mich nicht, weil ich die Dinge nicht gemocht habe, die ich getan habe.
Obwohl damit jeder normale Mensch überglücklich gewesen wäre, haben mir die Dinge nie gereicht, die ich getan und erreicht habe.
Und es ist auch nicht so, dass ich keine guten Dinge für mich mache. Im Studium habe ich mir z.B. dauernd gegönnt, mich ein Wochenende lang mit Bergen von Romanen und Essen in meiner Bude einzuigeln. Oder ich bin früher ganz gern shoppen gegangen oder habe mit nem guten Buch ganze Nachmittage am Fluss verbracht. Auch jetzt bestelle ich mir z.B. noch regelmäßig Kleinigkeiten (reales Shopping wäre mir zu peinlich). Alles ganz nett, aber ich kann es mir nicht wirklich gönnen/kann es nicht annehmen/nicht zulassen, dass ich sowas auch darf. Das ist wohl der Punkt: Ich mache gute Dinge für mich, aber ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich als faule Fette erstmal ordentlich abnehmen und arbeiten gehen müsste, bevor ich überhaupt Bedürfnisse haben darf (s.o. - Daseinsberechtigung erarbeiten)




liest man all deine threads hab ich immer eine Unkrautpflanze vor mir (jetzt keine negativen Assoziationen wegen Unkraut !!) - weil du willst von diesem wuchernden Unkraut immer nur die Spitzen abschneiden oder denkst wenn du die Unkrautpflanze in ein anderes Gebiet umtopfst dann wuchert sie nicht mehr. Dabei ist die Lösung eigentlich die Wurzel auszugraben (mit professioneller Hilfe).

Achtung, Beichte: Habe nicht nur im übertragenen Sinn versucht, die Spitzen des Unkrauts wegzuschneiden. Jetzt ist das schon länger vorbei, aber die Spuren tragen natürlich ihren Teil zu meinem enormen Selbsthass bei. Natürlich war das falsch gedacht.
Dass so ein Unkraut nicht mit dem Wuchern aufhört, nur weil man es verpflanzt, ist mir völlig klar und ich dachte, ich hätte das auch mehrmals erwähnt (so ungefähr in der Formulierung, dass man seine Probleme ja immer dabei hat und dass man auch beim Wandern in Konkurrenzsituationen geraten kann).
Falls Du mit "Wurzel ausgraben" meinst, dass man die Gründe herausfinden sollte, warum man so ist, also die eigentlichen Auslöser der Symptome - da kann ich nur sagen, dass es bei mir da wirklich nichts (mehr) auszugraben gibt, und zwar schon seit Jaaaaahren.In anderen Threads war es ja schon Thema: ich weiß, was bei mir "falsch" läuft und kann es trotzdem nicht ändern. Gleichzeitig drehe ich aber schnell ab, wenn andere (auch Therapeuten), mir sagen wollen, was ich jetzt tun muss (egal ob Jobsuchen, Entspannungsübungen oder Sportmachen, um nicht weiter zuzunehmen). Ich bin halt ein Dickkopf und bilde mir ein, so ungefähr zu wissen, wie es gehen könnte... nämlich eine Nische finden, in der ich zwar was Nütztliches mache und finanziell unabhängig bin, aber gleichzeitig möglichst selten auf Mitmenschen treffe, um nicht evtl. doch wieder die Gelüste auf ein "perfektes Leben auf der Überholspur" zu entwickeln. Ich frage mich halt wirklich, ob ein Therapeut einem dabei helfen kann, die Erkenntnisse in die Tat umzusetzen, denn im Alltag steht der ja nicht gerade mit der Peitsche hinter einem. Nee, man muss irgendwie selbst auf den Trip kommen, das auch selbst zu wollen.



Früher hab ich in der Fortbildung sogar notiert, was ich anhatte, damit ich ja nicht an 2 WE das gleiche trage
Eigentlich ja gar nicht witzig, sondern traurig... aber genau das kenne ich auch. Momentan verlasse ich zwar fast nur einmal pro Woche zum Einkaufen das Haus, aber ich veranstalte das selbe Theater - als ob die Verkäuferin sich wirklich gemerkt hätte, was ich letze Woche anhatte... Die "ich stinke"-Macke kenne ich auch :cursing:



In deinem Kopf ist gleich dass du ablehnt wirst, wenn du einen anderen Weg einschlägst beruflich. Aber vielleicht bist du da selbst auch sehr streng...vielleicht ist ein Kommentar oder eine Nachfrage oder vielleicht auch ein blöder Spruch gleich eine Ablehnung deiner ganzen selbst. Wenn eine Bekannte zu mir sagt "ich versteh nicht wieso sie nicht studieren" dann lehnt sie doch nicht mich als GANZES ab sondern versteht einfach nicht meinen Weg.
Ich finde es extrem bewundernswert, was Du da alles geschafft hast :thumbsup:
Rein rational kann ich mir natürlich denken, dass die Ablehnung eines Details nicht die Ablehnung meiner ganzen Person bedeutet.
Ich habe auch diverse Erfahrungen gemacht, die das bestätigen. Z.B. die eine Chefin, die zwar "gerne" mal Kommentare über meine Figur abgelassen hat, aber immer wieder ganz deutlich gesagt hat, wie sehr sie meine Arbeit zu schätzen weiß. Oder eine alte Freundin, die es "ganz normal" fände, wenn ich mich nicht weiter um eine wissenschaftliche Laufbahn bemühen würde, sondern was Schlichtes machen würde.
Leider unterstelle ich den Mitmenschen immer, dass die in meinen eigenen Maßstäben denken.
Und leider unterstelle ich ihnen auch, dass sie überhaupt über mich nachdenken. Eigentlich ist das ein viel zu großer Egozentrismus, denn wer (außer so "kranken Hirnen" wie mir) macht sich schon dauernd Gedanken über das Aussehen, die beruflichen Leistungen u.ä. von fremden Leuten?!? Angeblich sind die meisten Menschen ja überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Wobei... ich habe durchaus schon abfällige Kommentare von Wildfremden gehört...

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

15

Mittwoch, 22. Juni 2011, 18:22

Was ist denn dein Ziel Jetzt?
das hab ich immer noch nicht geblickt.

Was soll sich in deinem Leben wie verändern?

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

16

Mittwoch, 22. Juni 2011, 19:09

Langfristiges Ziel ist, wie bereits erwähnt...
eine Nische finden, in der ich zwar was Nütztliches mache und finanziell unabhängig bin, aber gleichzeitig möglichst selten auf Mitmenschen treffe, um nicht evtl. doch wieder die Gelüste auf ein "perfektes Leben auf der Überholspur" zu entwickeln.

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

17

Mittwoch, 22. Juni 2011, 20:03

achso, ja das ist mir untergegangen danke ^^
hm ich kann den wunsch verstehen, aber ich würde erstmal ausprobieren wollen was davon nun wirklich nicht geht.

Ich glaub das musst du ebenso herausfinden wie andere für sich ob sie mit allen Lebensmitteln leben wollen oder auf einige verzichten. Nur das ich den Verzicht auf Mitmenschen wirklich um einiges trauriger finde, wenn man es eigentlich will. Und noch trauriger, wenn man es nicht wirklich probiert hat. Es ist halt ein aus dem Weg gehen...Für einige ist das ihr weg. Wenn man unter dem Beschnitt nicht leidet, sich damit befriedet ok. Ich fürchte nur, dass man da schnell über sich hinweg gehen kann, wenn man emotional so betäubt ist, wird man evtl leichtfertiger einen Beschnitt eingehen, als wenn man den Schmerz dabei fühlt, wenn man weiß was man vermisst.

Eine schwierige Sache. Nicht zu lange hoffen und nicht zu früh aufgeben.

Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

18

Donnerstag, 23. Juni 2011, 07:13

Und noch trauriger, wenn man es nicht wirklich probiert hat. Es ist halt ein aus dem Weg gehen...Für einige ist das ihr weg.
Na ja, es ist nicht so, dass ich es nie probiert hätte. Ich habe immer viel Wert darauf gelegt, soziale Kontakte zu haben, tolle Parties zu organisieren und im Studium mindestens einmal pro Woche in unserer "Stammkneipe" rumzuhängen. Aber... das habe ich nur gemacht, um meinen "Wert" aufzubessern und es war sooo kräftezehrend, weil ich ja permanent mit Angstüberwindung beschäftigt war.
Ich hab immer gedacht, ich spinne, weil ich das so sehe.
Dann habe ich neulich einen Test zur beruflichen Orientierung gemacht. Und gabs die Frage (als sei das selbstverständlich!) ob man auf Feiern bis zum Schluss bleibt und dabei Energie gewinnt - oder ob man früh geht und trotzdem noch nen Energieverlust hat.
Hmmm... d.h. es ist irgendwelchen Experten zumindest bekannt, dass es sowas gibt...
Ich habe JETZT bloß keine Lust mehr, mich dem auszusetzen. Ich will zwar mein Leben ändern, will ihm irgendwie einen Sinn geben, aber ich will in Ruhe "meine Wunden lecken" können, mir die Zeit nehmen für die Akzeptanz der Tatsache, dass ich nie so sein werde, wie ich es gerne wäre. Im Zweifelsfall dauert das noch Jahre, bis ich über mein Scheitern hinweggekommen sein werde... Und dauernde Kontakte zu Mitmenschen würden mich bloß immer wieder runterziehen (weil ich es nicht mit denen aufnehmen kann). Das müsste ich auch gaaanz vorsichtig angehen, Schritt für Schritt mit solchen treffen, bei denen mein Schamgefühl vielleicht nicht ganz so groß ist.

Aber eigentlich ging es mir ja um eine Auszeit. Das Auswandern kann ich gleich abhaken, das war auch nur so eine Idee, die ich mit dazu geworfen habe. Heute bin ich wieder mutloser als die letzten Tage. Gestern habe ich ziemlich viel gefressen und kann mir aktuell wieder gar nicht vorstellen, dass ich jemals genug abnehmen werde, um Freiwilligenarbeit in einem Dritte-Welt-Land zu leisten oder monatelang auf einem Fernwanderweg zu gehen :cursing:

Shiva

Ehrenmitglied

Beiträge: 4 087

Level: 49 [?]

Erfahrungspunkte: 9 244 093

Nächstes Level: 10 000 000

  • Nachricht senden

19

Donnerstag, 23. Juni 2011, 09:07

Ja das ist schade das du dich bemüht hast ohne das du wirklich was davon mitnehmen konntest. :(
so hast du das jetzt nur als "Mehrarbeit" im Kopf ohne einen positiven Erfolg für dich geschweigedenn Nachhaltigkeit.
Da hast du auch Recht das solche Überwindungen gar keinen Sinn haben, wenn du weiterhin diese Bewertungen behälst.
vielleicht war das undeutlich ausgedrückt mit ausprobieren mein ich auch 100% drauf einlassen, bereit dafür sein.
Sonst jagt eine Horrorerfahrung die nächste und man mag sich nur noch in sein schneckenhaus zurückziehen.

Ich würd dir so sehr wünschen das dir diese Einstellung irgendwann einfach zu blöd wird. Sonst verhungerst du noch :(

Zitat

dass ich nie so sein werde, wie ich es gerne wäre

Die Frage ist warum du so sein möchtest und ob du wirklich so sein willst?
Ich vermute da eine riesige Angst hinter, die dich in diese Zwänge treibt und das ist für mich kein echter Grund so sein zu wollen. Dennoch hast du vollkommen Recht, der Abschied von einem Standpunkt einer Weltanschauung ist immer auch mit Trauer verbunden. Das geht nicht mal eben so, schon klar.

Weil den Menschen in den Dritte-Welt-Ländern ist das mit Sicherheit total egal wieviel du wiegst.
Das weißt du ja auch und dennoch bindest du dir diese Klötze ans Bein "mir darf es nur gut gehen wenn xy gegeben ist".
Deshalb kannst nur nochmal wiederholen, sowas wie Freiwilligenarbeit auf Zeit oder ein paar Monate rumreisen, warum nicht?

Nun ok ich hab das Gefühl jetzt doch zu doll auf dich eingeredet zu haben, deshalb lass ich dich jetzt erstmal in ruhe.
Nur soviel, ich erkenne da zwanghafte gnadenlose strukturen in dir, die ich von mir kenne, deshalb sind meine Alamrglocken am läuten. Mir ist klar, das du deinen Weg gehen wirst in deinem Tempo, will dich sicher nicht bevormunden. Nur wenn ich bemerke, da spricht jemand ein Thema an, aber das fühlt sich nur vorgeschoben an...dann kann ich da nicht wegsehen irgendwie.

Ich wünsch dir auf jedenfall so sehr, das du eine bessere Strategie findest mit den Unsicherheiten klar zu kommen als dich fertig zu machen. :D Ich bin mir nämlich ziemlich sicher das da einiges gutes in dir steckt, was raus will aber durch die "Domina" unterdrückt wird grad.
:kappe:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Shiva« (23. Juni 2011, 09:05)


Sina

Fortgeschrittener

  • »Sina« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 314

Level: 26 [?]

Erfahrungspunkte: 120 973

Nächstes Level: 125 609

  • Nachricht senden

20

Donnerstag, 23. Juni 2011, 11:54

Ich finde es immer schwierig, im Nachhinein darüber nachzudenken, ob ich mich wirklich zu 100% eingelassen habe oder nur zu 10% oder so. Natürlich denke ich auch manchmal darüber nach, aber für mich ist das letzendlich auch nur eine Form von Selbstkritik (ich bin eben zu blöd, mich mal einzulassen, mich fallenzulassen und wirklich normal sein zu wollen).
Ich würde es so beschreiben: Es war nicht so, dass ich nie Freude hatte an Treffen mit Freundinnen - solange es was ganz Zwangloses, Spontanes war, konnte ich das durchaus genießen und habe auch mal ein zwei oder drei Stunden die dauernden Gedanken an meinen Körper vergessen (ob jemand meine Speckrolle sehen könnte und ob ich auch ja mein Kinn genug einziehe). Sobald es aber auch nur einen Hauch offizieller war, z.B. ne Geburtstagsparty oder Kneipe/Café, konnte ich nicht aufhören, vor lauter Leistungsdruck und Gefallsucht Panik zu schieben. Ich konnte es einfach nicht. Das klingt komplett lächerlich, ich weiß, aber ich habe es nicht geschafft, mich "mal locker zu machen" oder "positiv zu denken", egal wie sehr ich es mir vorgenommen hatte und das auch wollte (weil ich ja wusste, wie toll ich mich nach positiven sozialen Erlebnissen fühle).

Das Problem ist, dass mir diese Einstellung schon mehrmals zu blöd geworden ist. Abgesehen von dem schon lange vorherrschenden Gefühl, seelisch schon längst verhungert zu sein (durch dauernde Nichtbefriedigung meiner überzogenen Wünsche), hab ich mich auch mal körperlich recht stark ausgehungert. Natürlich war dadurch auch nicht alles plötzlich besser, abgesehen davon, dass ich mich tatsächlich recht unbekümmert vor die Tür getraut habe. Aber die beruflichen Ängste waren nicht weg - und schon wieder eine Nichtbefriedigung meiner Wünsche.
Na, und zu der "Lösung", die ich damals gewählt habe, will ich nicht wieder hin. Ich bin gerade echt ziemlich verzweifelt, aber auch zu erstarrt und ängstlich, um überhaupt wirklich was zu unternehmen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es andere Lösungen gibt. Lösungen, durch die ich mich ändere, durch die wirklich was besser wird? Ich???

Es geht gar nicht darum, dass es mir nur gut gehen darf, wenn was Bestimmtes gegeben ist. Zumindest meiner Auffassung nach würde diese Aussage beinhalten, dass dahinter eine mehr oder weniger bewusst beschlossene Regel steckt - was auch bedeuten würde, dass man sich sagt "ich erlaube mir das jetzt" und dann fühlt man sich plötzlich frei und sicher. Damit will ich übrigens nicht leugnen, dass mir bewusst ist, dass manche Leute diesen Zustand erst durch längere Therapien erreichen, aber da stelle ich mir das auch so vor, dass "irgendwann" in der Therapie beschlossen wird, man könne sich das jetzt "erlauben".

Vorerst ist es nicht von der Hand zu weisen, dass ich mich nunmal nicht gut fühle und dass das mitunter an meinem Aussehen liegt.
Und ich halte es für ein Gerücht, dass "den" Menschen in Dritte-Welt-Ländern egal ist, wieviel man wiegt (sowas würde für mich in die Kategorie "Ethno-Romantik" fallen). Ich war zwar noch nicht in Afrika und Südamerika, aber in den Ländern, wo ich meine Erfahrungen gemacht habe, war sehr wohl schon das westliche Schönheitsideal angekommen (oder Schlanksein schon immer erwünscht), auch in der einfachen Bevölkerung. Den Spitznamen "Kugel" habe ich jedenfalls nicht in einer westlichen Industrienation bekommen.
Abgesehen davon ist es nicht nur die miese Optik, die ich hinderlich finde, sondern dass ich körperlich null Leistungsfähigkeit habe und nicht nur psychisch, sondern eben auch körperlich von jedem Handgriff erledigt bin. Das wären wohl keine guten Grundlagen, um sich um solche Freiwilligenarbeit zu bewerben - mal abgesehen davon, dass (auch wieder nur meine Erfahrung beim Jobben) einer Dicken kaum jemand Belastbarkeit und Disziplin zutraut (und als mir sowas gesagt wurde, habe ich noch etliche Kilos weniger gewogen).


Shiva, ganz ehrlich, ich finde Deinen Eifer und Dein nicht-wegsehen-Können eigentlich ganz gut ;g)
Eigentlich deshalb, weil ich schon offen gestehen muss, dass ich mich in die Enge getrieben fühle. Aber das will bei mir nichts heißen, ich bin da eben ne Mimose. Und wo sollte so eine Mimose den ersten Schritt zum "Aushalten" besser tun können als im Internet. Also, immer drauf... es kann nur besser werden $-d

Thema bewerten