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An-Chi

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Freitag, 23. Dezember 2011, 12:36

Geht ihr offen mit Eurer Störung um?

Wem würdet ihr von eurer Essstörung erzählen, und wem nicht?

Ich möchte eigentlich keinem davon erzählen, habe keine Lust auf Debatten.
Es reicht, dass die Menschen, mit denen ich täglich esse, Bescheid wissen.
ich bin die ich bin

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Petrus

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Freitag, 23. Dezember 2011, 14:58

Meine Frau und meine besten Freunde und meine wichtigsten Ärzte wissen es (Hausärztin und Diabetologin, Kardiologe). Das genügt. Warum sollte ich es Leuten erzählen, die z.B. nie von meinen Essattacken betroffen sein werden? Und wer mich fragt, warum ich dick bin, dem sage ich, das geht ihn nichts an.

Übrigens, An-Chi: Wenn ich es jemandem erzähle, lasse ich mich auf Debatten gar nicht ein. Wenn jemand damit anfangen sollte, würde ich ihm das untersagen, mit dem Zusatz "Wenn ich gewusst hätte, was Du für einen Terz daraus machst, hätte ich mir das Vertrauen erspart, Dir das zu erzählen". Und schon ist Ruhe im Karton.

Schönen Gruss

Petrus
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Nikolaus Lenau (1802-1850), deutscher Lyriker

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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:07

was heißt offen? ich bin übergewichtig, man sieht, dass ich essgestört bin.

nähere hintergründe kann ich jemandem erzählen, mache es aber selten. wenn es sich während eines gespräches ergibt, check ich ab, wie offen die person ist und entscheide dann nach meinem gefühl.

prinzipiell finde ich es nicht problematisch, über esstörungen zu reden, guck dir doch mal den größten teil der bevölkerung an :megafreu:
ich hab auch ein paar nahrungsmittelallergien und kann zb nougat gut und gern ablehnen, weil da haselnüsse drin sind und ich kein bock habe, mir bauchgrummeln oder asthma einzuhandeln. ich mußte als kind genug mist essen, dass ich das als ein privileg ansehe, nein sagen zu können, heutzutage. zumindest bei essen. es gibt andere sachen, da fällt es mir noch etwas schwerer.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:13

petrus, für mich ist immer noch ein unterschied, ob ich irgendwem alle einzelheiten erzähle, oder allgemein darüber, dass ich mich beim essen oft nicht zurückhalten kann und eigentlich immer über meinen sättigungspunkt hinaus esse, den ich eh fast nie spüre.

aber so pampfragen, wie warum sind sie zu dick, kriegen eine pampantwort, weil ich zuviel esse.
dann noch ein rotziges sonstnochwas?
und wenn diätvorschläge kommen, hab ich ein paar gepfefferte gegenargumente. da hab ich aber immer noch nicht wirklich was persönliches über mich gesagt.
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Leilah

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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:22

Ich gehe mit all meinen psych. Störungen offen um.Das verstecken etc. hat mir zuviel kraft gekostet. Meine Kollegen und auch meine Mandanten, meine Freunde, Familie wissen davon. Die Akzeptanz bei meinen Mandanten ist wesentlich größer als zb bei meinen Eltern. Generell lasse ich mich auf keine Debatte ein und auch Kommentare über Diäten oder mein gewicht sind für mich nur noch ein Schmunzeln wert, denn ICH weiß es für MICH besser und muss niemanden überzeugen mehr wie krank ich bin.


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An-Chi

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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:25

Als ich in den 80ern Bulimie hatte, wurde ich echt gebranntmarkt und schickaniert.
Mein Exmann hat es dem Jugendamt gesteckt, die kontrollierten, ob meine Essstörung negative Auswirkungen auf mein Kind hätte.

Folge war, dass ich mir den Rückwärtsgang komplett untersagte, um der gesellschaftlichen Schmach zu entgehen.

Die Fressanfälle blieben, ich wurde dicker und dicker..... heute würde ich sagen die BED begann.
Mollig bekam ich viel weniger gehässige Bemerkungen.
Die schlimmsten Verurteilungen kamen und kommen aus meiner engsten Familie.
Aber auch in meinem Freundeskreis wird abfällig über Essstörungen geredet. Ich würde es keinem meiner Freundinnen erzählen wollen, und auch nicht meiner Schwester oder Mutter.
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Leilah

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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:29

Meine mutter hatte auch eine Essstörung und diese hatte negative Auswirkungen auf mich.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:32

Meine mutter hatte auch eine Essstörung und diese hatte negative Auswirkungen auf mich.

Mein Exmann war mein ehemaliger Therapeut (Neurolge und Psychiater), und der hat das Jugendamt als Aufsicht über meine Ernährungserziehung beauftragt.
Er war aus beruflicher Sicht, der gleichen Meinung wie Du.

Ich habe meine Tochter von Kleinkind darauf hin erzogen, nur das zu essen worauf sie wirklich Lust hat, und genau dann aufzuhören, wenn Sie satt ist. Meine Tochter ist nun 24 Jahre und gertenschlank. Sie hat keine Essstörung.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:43

also an-chi, ich kann das schon ein bisschen verstehen mit dem jugendamt. ich bin mit einer psychisch kranken erzeugerin aufgewachsen, bei uns kindern wußte das jugendamt bescheid und hat NICHT geholfen. sobald kinder davon mitbetroffen sind, finde ich, ist das nicht mehr nur die sache der betroffenen.

aber heutzutage sieht das doch anders aus. wenn deine erzeugerin + sonstige biologische verwandschaft so abfällig mit dir umgeht, warum gibst du dich noch mit denen ab? noch schlimmer finde ich, wenn das sogenannte freundinnen sind.
ich unterscheide da zwischen freundin und weitläufige bekanntschaften. die bekanntschaften kriegen von mir nur die normalooberfläche zu sehen, dann ist schluß. freundinnen sind für mich die, wo ich offen sein kann. sind nicht viele, eigentlich grad nur 3 und 2 wohnen davon weiter weg. aber da können wir untereinander offen sein und unser leben so schildern und einbauen, wie es wirklich ist.

die bekannten sind nett, aber nicht wirklich wichtig, und der kontakt dahin wird auch nicht allzu intensiv gepflegt. ist mir nämlich einfach zu anstrengend.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 15:47

Zitat

Ich habe meine Tochter von Kleinkind darauf hin erzogen, nur das zu essen worauf sie wirklich Lust hat, und genau dann aufzuhören, wenn Sie satt ist. Meine Tochter ist nun 24 Jahre und gertenschlank. Sie hat keine Essstörung.

ja, du hast sie erzogen. aber als vorbild warst du ein anderes. und das ist das, was grad auch in den ersten jahren wirkt. dazu gehört nicht nur, was du machst, sondern wie deine einstellung zur welt und zu den menschen ist. da wird vieles nonverbal weitergegeben.
vielleicht habt ihr glück gehabt, und deine tochter hat andere methoden zur stressbewältigung entwickelt. aber mir kommt das so verharmlosend rüber.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 16:03

Also generell erzähle ich private Dinge, wenn es ein Nachteil wäre es nicht zu erzählen.

An-Chi

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Freitag, 23. Dezember 2011, 16:13

Zitat

Ich habe meine Tochter von Kleinkind darauf hin erzogen, nur das zu essen worauf sie wirklich Lust hat, und genau dann aufzuhören, wenn Sie satt ist. Meine Tochter ist nun 24 Jahre und gertenschlank. Sie hat keine Essstörung.

ja, du hast sie erzogen. aber als vorbild warst du ein anderes. und das ist das, was grad auch in den ersten jahren wirkt. dazu gehört nicht nur, was du machst, sondern wie deine einstellung zur welt und zu den menschen ist. da wird vieles nonverbal weitergegeben.
vielleicht habt ihr glück gehabt, und deine tochter hat andere methoden zur stressbewältigung entwickelt. aber mir kommt das so verharmlosend rüber.

Meine Tochter bekam zum 4. Geburtstag ihr erstes eigenes Pony. Das Pony bekam ein Jahr später ein Fohlen. Meine Tochter hat ihre gesamte Kindheit und Jugendzeit im Reitstall verbracht. Da ich ganztags arbeiten musste, war der Reitstall mein Kinderhort.
Dort hat sie Kameradschaft, Pferde und Sport erlebt. Die Pferde haben ihr darüber hin weg geholfen, mich als Mutter zu haben.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 16:23

ah gut ;)
das hat meine erzeugerin leider nie gemacht, mich freigegeben sozusagen, dass ich mir das, was sie nicht konnte oder wollte, woanders holen konnte.
ein reitstall ist eine gute sache, ich kannte mal eine, die sagte auch, sie wäre im reitstall erzogen worden, vor allen dingen von den tieren, aber auch vom menschlichen miteinander da.

danke, dass du nicht beleidigt reagiert hast. so eine vom typ meine erzeugerin hätte NIE kritik an sich zugelassen, bzw so ruhig darauf reagiert.

ich fang jetzt übrigends demnächst hippotherapie an :megafreu:
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Freitag, 23. Dezember 2011, 16:30

@ Eiskristalle

Ich kann Dich gut verstehen, denn auch meine Mutter ist eine Psychopathin.
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Freitag, 23. Dezember 2011, 16:33

Wow den Reitstall würd ich gern kennenlernen. Leider hatte ich immer pech (war in 4) und die Mädels da waren wirkliche Zicken!
Sogar in dem Stall, wo ich Western geritten bin -.- hab das Gefühl ich überforder die Meisten oder schüchtere ein. ätzend -.- denn mittlerweile find ich mich ja gut. Meine Freunde von der FH (4 Stück) schätzten mich so wie ich war, allerdings sind die ja nu auch wieder weiter weg...Hoffentlich ändert sich das mal wobei meine Therapeutin immer sagte, dass oben halt die Luft dünner wird.

Offtopic ende...

An-Chi

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Freitag, 23. Dezember 2011, 17:07

Es ist der Reitstall, der ganz in unserer Nähe ist.
Sie hatte das Glück schon mit 6 Jahren Quatrille zu reiten, und die Mädels waren gleich beste Freundinnen, und sind es immer noch fürs Leben.

o.k. es gibt da immer Prinzessinnen, Mädels mit Vätern die alles bezahlen können, aber der Sport und die gemeinsame Liebe zu den Pferden hat sie zusammen geschweißt
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Shiva

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Freitag, 23. Dezember 2011, 18:31

Das freut mich für deine Tochter :) Ich weiß das nicht jeder Hof gleich ist zum glück. Aber wenn ich so ansehe, was alles an deutschen Reiterhöfen so im Namen der "Liebe zum Pferd" passiert, da wird mir mittlerweile schlecht. Es gab auch durchaus schöne Zeiten z.b. waren die Westernpferde auf dem letzten Hof in einem halboffenen Stall untergebracht, sodass sie sich gegenseitig sehen konnten. Und sie lebten im Sommer auch als Herde draußen auf der Weide. Ich war halt schon immer sehr kritisch und hatte früher fast nur Kumpels kaum Freundinnen, weil mir das gezetere und intrigante echt zu stressig war. War halt nie so das "Mädchen".

gruß

JoeB

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Samstag, 24. Dezember 2011, 05:00

Ich sehe den offenen Umgang mit meiner Sucht als schwierig an.

Beim Thema Essstörungen habe ich noch nicht so viel Erfahrung. Aber ich bin wie ich eingangs erwähnt habe auch seit 11 Jahren trockener Alkoholiker. In meinem beruflichen Umfeld habe ich das nie gesagt. Einerseits ist es natürlich gut, wenn Leute mit denen ich viel zu tun habe Bescheid wissen. Andererseits ist es einfach so, dass das Thema so negativ besetzt ist und viele Menschen einfach viel zu wenig darüber wissen, dass ich damit rechnen muss, dass sie das unter Umständen nicht richtig einordnen.

Mit meiner Essstörung werde ich es genauso machen. Ich glaube zwar, dass Essstörungen gesellschaftlich nicht ganz so stark stigmatisiert wie Alkoholismus, aber auch hier sehe ich die Gefahr, dass Menschen damit nicht richtig umgehen können.

Chaosprincess Yrla

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Samstag, 24. Dezember 2011, 08:36

Ich mache viel selbst mit mir aus.. und erwarte gar nicht mehr daß mich einer da versteht. Das gibt mir auch einen gewissen Schutz irgendwie.
Gestern hat mein Vater ganz genau wissen wollen wie ich mit der ES lesben und wie sie sich äußert. Ich wurde erst ziemlich unwirsch weil ich mich komischerweise angegriffen gefühlt habe und auch müde des Erklärens.. aber als ich plötzlich merkte daß er es wirklich verstehen wollte, konnte ich auch darüber reden. Das war eine ganz neue Erfahrung. Gerade mit meinem Vater der immer die Diät als das Mittel gesehen hat. Ja, Menschen können sich wirklich ändern :squint_1:

Liebe Grüße
Yrla
Is(s) doch:
Und: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
By the way: Be yourself, no matter what they say...
Procrastination is the thief of time (Verschiebetaktik ist der Dieb der Zeit) :whip:

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Samstag, 24. Dezember 2011, 20:05

Ich gehe leider oft zu offen damit um. Zumindest im falschen Umfang. Ich erwähne schnell mal so nebenbei Dinge, aber meist nicht das wirkliche Ausmaß. So entsteht bei meinen Mitmenschen oft ein falscher Eindruck und ich ärgere mich dann, das das so ist. Nehme mir wieder vor, das nächste mal vorher zu überlegen, was ich wann und wem erzähle. Leider gelingt es mir trotzdem selten. Erzähl immer viel zu viel in der Hoffnung, verstanden zu werden, in dem Drang, mich erklären zu wollen. Leider meist ohne vorher zu überlegen und abzuwägen.
Ein wahrer Freund ist der, der deine Hand nimmt,
aber dein Herz berührt.

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