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Donnerstag, 17. November 2011, 11:18

Der Alltag als Binge Eater - mein Tagebuch

Hallo liebe Forengemeinde,



ich habe hier nun ein paar Themen gelesen. Einige davon treiben mir die Tränen in die Augen, bei anderen bekomme ich Angst und in wieder anderen finde ich mich selbst wieder.

Vielleicht gibts ein ähnliches Thema schon. Falls ja, entschuldigt bitte. Vielleicht kann dann jemand so lieb sein und mir einen entsprechenden Hinweis geben. Ich schreibe im nachfolgenden Beitrag viel über Ängste und Empfindungen - vielleicht ist dies für den ein oder anderen nicht sehr positiv. Nur vorneweg als Warnung.



Momentan dreht sich viel um meine Krankheit. Ich beginne nächste Woche meine ambulante Therapie, 4 Monate nach meinem stationären Aufenthalt.

Ich hab Angst. Viel Angst. Vor dem was kommt, vor dem was nach oben an die Oberfläche schwimmen wird im Laufe der Therapie. Viele Dinge habe ich so viele Jahre verdrängt, weggeschoben, eingesperrt und mit Essen verschlossen.



Wie fühlt sich euer Alltag an? Wie geht euer näheres Umfeld mit euch um? Schämt ihr euch? Könnt ihr offen drüber sprechen? Wie seht ihr euch selbst?



Alles Fragen, die mich tagtäglich beschäftigen. Fragen, auf die mir in meinem Umfeld niemand eine Antwort geben kann, weil ich niemanden kenne, der an BED leidet.


Ich fühle mich oft so schlecht. Schlecht, weil ich nicht normal bin. Weil ich süchtig bin. Nach Essen. Dinge, die für andere ganz normal sind, sind für mich eine riesige Aufgabe. Oft zweifle ich schlicht und einfach daran, dass das, was ich tue eine wirkliche, ernstzunehmende Krankheit ist. Dann aber gibt es den Entlassungsbericht der Klinik, Einschätzungen von zwei unabhängigen Therapeuten. Also bin ich wohl doch krank und nicht einfach nur fett, disziplinlos, ohne Maß und ohne Ziel.

Ich habe Angst vorm Essen. Jede Mahlzeit beschäftigt mich vor dem Essen und danach. Ich kann mit dem größten Hunger/Appetit auf eine Mahlzeit zusteuern und muss dann aber manchmal nach 3 Bissen den Tisch verlassen, weil ich es nicht aushalten kann. Immerzu frage ich mich: "Habe ich nun zuviel gegessen?" oder "Hab ich irgendwas gegessen, was ich nicht soll/darf?"

Ich breche oft am Tisch in Tränen aus, heule Rotz und Wasser ohne das ich einen Grund dafür nennen kann. Manchmal kann ich auch anderen Menschen nicht beim Essen zusehen. Dann muss ich weg.

Meine Familie gibt mir viel Halt, viel Kraft. Sie stehen hinter mir, ebenso wie meine engen Freunde. Für manche ist meine Krankheit, ebenso wie für mich, seit dem Klinikaufenthalt erst real und greifbar geworden. Oft stelle ich fest, dass meine Family damit besser umgeht als ich. Ich schäme mich so oft. Habe ein schlechtes Gewissen, dass sie so Rücksicht auf mich nehmen "müssen". Schäme mich dafür, so fett zu sein. Dafür, dass ich es nicht alleine schaffe "aufzuhören". Das ich Hilfe benötige.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Me*Myself*and*I« (22. November 2011, 20:32)


lols

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Donnerstag, 17. November 2011, 14:03

Ja, da kommt mir einiges sehr bekannt vor!

Schön dass Du zu uns gefunden hast.

LG lols
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Donnerstag, 17. November 2011, 16:32

Spontan fällt mir das ein, das wir vor kurzem hatten:

[Frage] Alltag, wie ist das bei Euch? Bei mir ist es meist so

Ansonsten hat mich dein Beitrag irgendwie sehr berührt...auch wenn ich diese Situationen nicht unbedingt kenne, kann ich die Gefühle sehr gut nachvollziehen. :S

Vielleicht ein andermal mehr...

Liebe Grüße,
Wundergecko

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Donnerstag, 17. November 2011, 20:30

Danke euch beiden :lovemore:

Ich hatte den kompletten Beitrag schonmal geschrieben, da hatte die Seite aber einen Ladefehler. Dann hab ich die Seite erneut geladen und der Beitrag stand schon da, leider eben nicht komplett. Aber das wesentliche steht trotzdem drin.

Danke, dass ihr euch den Beitrag durchgelesen habt. Heute ist einfach ein Scheiss Tag für mich und ich musste mir den Frust einfach mal von der Seele schreiben. Ich freue mich dennoch, wenn vielleicht der ein oder andere schreiben mag, wie es ihm im Alltag so ergeht!

LG
MMAI
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Irgendeine

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Donnerstag, 17. November 2011, 21:38

Herzlich Willkommen in diesem Forum!

Deine Vorstellung hat auch micht sehr angerührt - Du schreibst so ehrlich und direkt, das geht einem ohne große Umwege in die Seele. Ich habe zwar nicht genau das erlebt, was Du beschreibst, dennoch kenne ich diese Ängste etwas Falsches gegessen zu haben. Oder mich nur mit dem Essen, dem Nicht-Essen und den Qualen die sich aus beidem ergeben, herumplagen zu müssen.

Für Deine Therapie wünsche ich Dir alles Gute!

Schöne Grüße
von Irgendeiner
Wenn Du ein Gespenst siehst und davor wegläufst, verfolgt es Dich. Wenn Du aber darauf zugehst, verschwindet es. (aus Irland)

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Glück ist nichts Vorgefertigtes - es entsteht aus deinem eigenen Tun. (Dalai Lama)

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Dienstag, 22. November 2011, 21:15

Meine Familie ist wirklich wunderbar! Sie versuchen mir Kraft und Halt zu geben, wo sie nur können. Unterstützen mich, reden mir gut zu, versuchen bei mir zu sein, soweit es ihnen möglich ist.

Ich hab kopiere hier mal einen Beitrag rein, den ich letzte Woche (nach dem Kennenlerntermin meiner neuen Therapeutin) geschrieben hab. Er spiegelt meine momentane Gefühlslage ganz gut wieder:

Ich
war am Montag bei einer Therapeutin, mit der ich zum Glück sehr gut
auskomme. Die Wellenlänge hat gleich gestimmt und sie ist sehr lieb,
offen und lustig und hat schon in der ersten Stunde, die dem
Kennenlernen diente, versucht mir die Angst zu nehmen.
Sie ist auf
Patienten mit meiner Erkrankung (BED = Binge Eating Disorder/Esssucht)
seit 14 Jahren spezialisiert und bietet mir eine Verhaltenstherapie an.
Ich lerne in dieser Therapie mit Gefühlen umzugehen statt sie mit Essen
zu deckeln. Weiters werden die psychischen Hintergründe, die Ursache für
meine Erkrankung sind, aufgearbeitet. Alles wird sehr strukturiert und
regelmäßig ablaufen. Wöchentliche Treffen und "Hausaufgaben" in Form von
Fragebögen für mich.
Nächsten Mittwoch habe ich ein sog.
Erstgespräch. Danach folgen die obligatorischen 5 "Probestunden" und
dann wird sie weitere 40 Stunden bei meiner Krankenkasse beantragen.

Sie hat mir jedoch bereits in der ersten Stunde das Gleiche gesagt wie
meine Therapeutin in der Klinik - ich werde nie "normal" sein oder so
selbstverständlich und normal essen können wie andere Menschen. Ich
lerne lediglich mit meiner Krankheit zu leben. Diesen Gedanken, nie
"normal" sein zu können, kann ich mittlerweile annehmen. Jedoch der
Schritt zu meiner Krankheit zu stehen ist wieder ein Stück rückwärts
gegangen - ich schäme mich so zu sein.
Die Angst vor alldem was nun
die Therapie mit sich bringt ist riesig groß. Aber das Bedürfnis mit
meiner Krankheit leben zu können und sie zu akzeptieren und als zu
mirzugehörig annehmen zu können ist noch größer als die Angst. Die
Klinik war der erste, entscheidende Schritt. Die Therapie jetzt wird ein
Stück meines Weges...ich will und werde nicht aufgeben!

PS: Trotz mentalem Rückschritt halte ich die verlorenen xx KG weiterhin...



Morgen gehts los! Morgen habe ich den ersten Termin. Das sog. Erstgespräch. Den hab ich nochmal bei einem anderen Therapeuten, damit eine weitere Einschätzung vorliegt. Find ich okay, allerdings werd ich auch ganz ehrlich sein, wenn ich mit dem Mann nicht sprechen kann. Und dann freu ich mich auf meine Therapeutin und die Zusammenarbeit mit ihr. Auch wenn´s nicht leicht wird. Aber ich hoffe, dass ich dann auch wieder weiter komme...in meinem Bestreben, meine Krankheit als Teil von mir zu akzeptieren und mit diesem Teil zu leben...
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »lols« (22. November 2011, 21:15)


Petrus

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Mittwoch, 23. November 2011, 05:02

Das klingt sehr gut, ich wünsche Dir eine gute Erfahrung in der Therapie und mit der Therapeutin. Du hast schon zwei grosse Schritte gemacht: Du siehst Deine Situation als Krankheit (da habe ich viele Jahre für gebraucht, bis ich mir sagen konnte "Ich bin krank") und akzeptierst, dass sie im Letzten unheilbar ist. Aber man kann mit ihr sinnvoll und gut umgehen, ohne in dauerndes Überessen und Leiden zu kippen. Genau diesen guten Umgang wünsche ich Dir. Oder kurz: Ich wünsche Dir Abstinenz.

LG

Petrus
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Mittwoch, 23. November 2011, 05:40

Hallo Me*Myself*and*I!

Schön, dass du eine für dich passende Therapeutin gefunden hast! Wenn da die Chemie stimmt, kann man glaub ich viel erreichen.

Alles Gute fürs Vorwärtskommen!

Lieben Gruß,
Wundergecko

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Mittwoch, 23. November 2011, 14:50

Hi ihr beiden,

danke für eure lieben Worte :blush2:

Petrus: Letztendlich hab ich ja schon lange lange Zeit gewusst, dass mit mir was nicht stimmt. Ich hab es halt einfach nur weit weg geschoben, wollte es nicht wahr haben. Meine beste Freundin war Anfang des Jahres dann der Auslöser, dass ich mir Hilfe gesucht habe. Sie saß vor mir und sagte mir auf den Kopf zu (unter vielen vielen Tränen), dass sie große Angst um mich hat und Angst hat, dass ich sterbe. Das war ein gewaltiger Schlag für mich und letztendlich aber die Erkenntnis, dass ich tatsächlich krank bin und mir Hilfe suchen MUSS, weil ich mich sonst womöglich tatsächlich zu Tode fresse. Den Mut hat sie, mein Freund und meine Mama mir dann gemacht, dass ich tatsächlich zu meiner Krankenkasse gegangen bin und drum gebeten habe, dass sie mir helfen.
Also der Prozess, dass ich erkenne überhaupt eine krankhafte Beziehung zum Essen zu haben, eine Krankheit zu haben, hat bei mir wohl unterbewusst auch viele viele Jahre gedauert.



Den Termin heut hätt ich mir eigentlich schenken können. Letztendlich war es ja "nur" das Erstgespräch zur klassischen Aufnahme in die Kartei. Als ich den Typ gesehen hab, is mir schon ganz anders geworden. Er hat ganz leise gesprochen, einen Händedruck wie n nasser Waschlappen, die Schnürsenkel so fest zugezogen, dass sich die Schuhe schon gebogen haben....grausig! Aber ich hatt heut eh nen Scheiss Tag. Hab über 1 1/4 Stunden in die Praxis gebraucht, ewig keinen Parkplatz gefunden und Termindruck mit Firma etc. im Hinterkopf. Äääääääääääääätzend.
Naja, ich hab seine Fragen beantwortet und letztendlich hat er mir nur gesagt, dass ich meine Diagnose BED ja schon hab und er lediglich noch die "leichte Depression" mit aufnehmen möchte. Ja hurra, logisch ist man in den meisten Fällen depressiv, wenn man ständig den Drang hat sich mit Essen vollzustopfen bis einem kotzübel wird und aber versucht abstinent zu sein.
Eigentlich alles heute nur reine Formsache. Nun muss ich die nächsten Dates mit meiner eigentlichen Therapeutin ausmachen.

Momentan ist der Suchtdruck bei mir sehr groß. Ich hab den Gedanken an einen FA täglich. Das Wetter macht mich depri, dass ich mich nicht aufraffen kann meine Wohnung sauber zu machen (obwohl ich sehr ordentlich bin und Unordnung hasse) kaast mich unglaublich an und im Dunkeln immer allein mit den 3 Schätzen Gassi zu gehen macht´s auch nicht besser. Und urlaubsreif bin ich - ganz massiv! Und dass das Gewicht steht stresst mich auch. Es kommen bestimmt wieder bessere Tage - aber momentan ist es so unendlich schwierig "brav" zu sein.

Ich versuche alles um einen FA zu vermeiden. Ich hab einfach Angst, dass ich ganz und gar zurück falle in mein altes Schema, wenn ich auch nur einen einzigen FA habe. Und davor hab ich unglaubliche Angst. Diese Angst ist so beherrschend, dass mir allein schon beim Gedanken dran schlecht wird und ich literweise Wasser in mich rein kippe und im Geiste schon auf meinem Crosstrainer stehe ;(
Überhaupt hab ich momentan schon wieder das Gefühl, dass ich der unnormalste Mensch unter der Sonne bin. Bah!
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Irgendeine

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Donnerstag, 24. November 2011, 19:22

Hallo Me*myself*and*I,

ich wünsche Dir, dass Du irgendwann einmal sagen kannst "das war der Anfang einer besseren Zeit".

Ansonsten hat mich in Deinem Bericht sehr angesprochen, wie Du von den immer wieder vorkommenden "kleinen Rückschritten" berichtest. Es ist so, wir sind krank und bleiben es auch, sogar wenn wir nach außen hin ab und an durch ein vielleicht "unauffälligeres" Gewicht und vermeintlich "normalem" Essverhalten gesund wirken. Mit dieser Tatsache müssen wir leben.

Ich denke mir dann, weil ich beruflich auch viel mit chronisch kranken Menschen zu tun habe, dass es aber eine ganze Reihe von Leute gibt, die ebenfalls niemals ganz gesund sein werden. Auch die müssen Wohl oder Übel damit leben, ich bin also nicht allein. Und trotz allem ist mein Leben, sofern ich Abstinent bin, so lebenswert, dass ich mit den FA-Gedanken und meinen Einschränkungen schon zurecht komme.

Alles Gute für Dich!
Irgendeine
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Donnerstag, 24. November 2011, 22:01

Zwischendurch hab ich immernoch die Hoffnung, dass ich vielleicht doch irgendwann normal sein kann....aber ich werd es nie sein, das ist nunmal Fakt.
Ich finde es super, dass Du mit den FA-Gedanken relativ gut leben kannst. Ich kann es noch nicht. Die Gedanken quälen mich ungemein.

Aber dann denke ich mir wieder: WARUM zum Teufel soll ich normal sein? Wer erwartet es von mir? Nur ich, sonst niemand. Die Krankheit gehört nun mal zu mir, wie meine Hände, meine Nase, meine Ohren. Ich fühle mich momentan so zerrissen, ich weiss gar nicht warum. Ich kann es gar nicht wirklich in Worte fassen.

Dieses Gefühl ist eh so schwierig in worte zu fassen. Diese Zerrissenheit, dieses Gefühl des allein seins mit meiner Krankheit, weil mich ja letztendlich doch niemand verstehen kann.
Ich fühle mich, als ob mich etwas von innen nach aussen drückt. Als ob ich platzen würde. Das meine äussere Hülle zerreisst und irgendwas nach aussen kommt. Irgendwas Verstecktes, Verborgenes, Geheimes. Total komisch.

Täglich und permanent ist die Angst da, nicht genügend zu sein, nichts zu schaffen, meinen Job nicht gut zu machen. Meine Hunde falsch zu behandeln, mich in meiner Beziehung falsch zu vehalten, Falsches zu sagen, einfach nicht "richtig" zu sein. Menschen, die ich liebe, zu enttäuschen und zu verlieren, weil ich nicht normal bin. Weil ich so oft weine momentan, weil mir Essen Angst macht. Weil ich nachts oft weinen und schreiend aufwache, weil ich schlimm geträumt habe.

Mein Dad hat mir viel Verantwortung übertragen. Er hat mich um meine Zustimmung gebeten und ich hab es angenommen, weil er endlich das Vertrauen in mich hatte, was ich mir immer gewünscht habe und mich dieses Vertrauen hat riesig und mutig werden lassen. Weil ich sein Lebenswerk und das meiner Mama weiterführen will.
Er will alles ganz genau wissen über meine Krankheit, wie es mir geht und wie es mir mit der Therapie ergeht. Ich hab aber Angst ihm alles zu erzählen, weil ich nicht möchte, dass er sich Vorwürfe macht, warum er mir diese Verantwortung "aufgebürdet" oder "zugemutet" hat und es vielleicht bereut?! Weil ich ja krank bin...

Sorry, dass ich euch grad voll heule, aber ich sitze seit 2 Stunden zu Hause und heule mir die Augen aus dem Kopf. Eigentlich erst wg. nem traurigen Film...und dann hab ich angefangen nachzudenken....

Danke an jeden, der es liest.

Und sorry an jeden, den es runterzieht. Ich musste es mir einfach nur von der Seele schreiben....

LG
Me*Myself*and*I
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Freitag, 25. November 2011, 08:51

Ich habe deinen beitrag gelesen und finde - aus meiner sicht- einiges positive an deiner situation: Du hast menschen, die dir so nah sind, dass sie weinen aus angst um dich, einen partner, einen vater, der sich ernsthaft interessiert.....
Das ist so viel mehr als ich mir je zu erträumen wagte! Deswegen ist dein leid nicht kleiner, ich weiß. Und dieses gefühl, ständig etwas nicht richtig zu machen, zu enttäuschen, nicht richtig zu SEIN (in wessen augen?) das eint uns,
verständnisvolle grüße,
Malin

JustMe

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Freitag, 25. November 2011, 09:29

Danke Malin, für Deine Worte.

Ist es denn jemals leicht? Ich glaub, egal wie gut das Umfeld ist und wie sehr sie hinter einem stehen, aber mit der Krankheit ist man ja doch irgendwie alleine, oder?! Ich meine, ich bin natürlich unendlich dankbar, dass "meine" Liebsten hinter mir und zu mir stehen und versuchen mich zu verstehen. Wenn ich dann aber so wie gestern zu Hause sitze und heule und nicht mehr aufhören kann und mich schlecht fühle und mich dann jemand fragt was grad in mir vorgeht: Ich kann es nicht mal aussprechen. Meinem Freund hab ich gestern den Laptop unter die Nase gehalten und den obigen Beitrag gezeigt, dass er weiss, was in mir vorgeht. Und er sagt auch, er kann sich Mühe geben so viel er will, dass er mich versteht - aber nachvollziehen oder zu 100 % verstehen wird er es nie können. Das ist auch legitim und ich denke normal...

Ich hab einfach ne Scheissphase momentan. Auch wenn eigentlich alles gut ist, was in meinem Leben passiert und wer alles für mich da ist. Und trotzdem bin ich irgendwie auf eine andere Art und Weise alleine...
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Freitag, 25. November 2011, 09:47

Weißt du es muss nicht immer alles scheiße sein, damit es einem scheiße geht.
Und ich bin mir sicher, dass du noch vieles mitschleppst aus der Vergangenheit, was das Hier und Jetzt überschattet.

Und wieder stelle ich fest wie unterschiedlich die Lebenswege mit Binge sein können. Ich bin froh das es bei mir so lief wie es lief und ich hoffe, dass dein Weg gut für dich ist.
Es ist halt eine Gratwanderung, wann Hoffnung auf Besserung notwendig ist und wann sie zerstört.

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Freitag, 25. November 2011, 10:29

Ich frag mich dann total oft ob ich undankbar bin.
Ich hab ja eigentlich alles. Eine tolle Beziehung, tolle Familie, tolle Freunde, eine tolle Wohnung, einen guten Job, meine 3 Hunde, ein großes Auto - mir fehlt es eigentlich an nichts. Und trotzdem geht´s mir momentan so scheisse. Ich quäl mich täglich mit Gedanken an FAs und würde zu gerne einfach nur nachgeben. Aber ich hab Angst davor, dass ich dann nicht mehr raus komme aus dem ganzen Scheiss!

Ich dreh mich im Kreis....

Am Montag hab ich meine erste richtige Therapiestunde. Ich hoffe inständig, dass es dann endlich wieder bergauf geht!
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Freitag, 25. November 2011, 11:03

Das es Bergauf geht kann sich auch oft ziemlich scheiße anfühlen ;)
Erwarte nicht von der Therapie, dass du fröhlich und unbeschwer sein wirst.
Wenn die Therapie gut läuft, geht es dir teilweise unerträglich, dann kommen die Dinge endlich mal raus.

Wie ich schon sagte ^^ es muss nicht alles kaputt sein, damit man sich schlecht oder traurig fühlt.
Mach dich nicht fertig, das Gefühl ist da und es soll da sein dürfen neben all dem was du vielleicht hast, was schön ist.

Gruß

JustMe

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Samstag, 26. November 2011, 11:28

Vor der Situation, dass es sich unerträglich anfühlen wird, davor habe ich Angst....
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Samstag, 26. November 2011, 19:37

Zitat

Vor der Situation, dass es sich unerträglich anfühlen wird, davor habe ich Angst....

Da schließe ich mich an!

Aber Shiva schrieb hier irgendwo, dass sie nie mehr aufgeladen bekommen hat, als sie tragen konnte. (darf ich dich "zitieren", Shiva?) Vielleicht möchte sie das nochmal erklären.

Aber irgendwie fürchte ich, dass ich, wenn ich alles tragen muss, was ich ertragen kann, es trotzdem unerträglich finde, auch wenn das ein Widerspruch in sich ist oder ein falscher Eindruck, den ich hätte.

Shiva

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Sonntag, 27. November 2011, 10:56

Es wird sich unerträglich anfühlen.
Aber ich denke so eine Angst ist doch eher an folgende Fragen gekoppelt:
Werde ich je wieder aufstehen danach?
Zerstört es mich?

Und diese Ängste wiederum kann ich nicht bestätigen. (ich bin ja auch noch hier und mir gehts wirklich gut)
Bei all der Qual es war das Beste was mir passieren konnte, es gab keinen anderen Weg für mich als da durch.

Klar gecko darfst du ^^, da sprichst du etwas wichtiges an.
Ich hatte niemanden, der mir Mut machen konnte, das man nie mehr aufgeladen bekommt ich musste quasi so in den Abgrund springen.

Aber dafür kann ichs euch jetzt weitertragen ^^
Es wird sich unerträglich anfühlen, aber man überlebt es. Und dieses Gefühl "ich hab es überstanden" ist so wichtig.
Währenddessen wird man nichtmehr so funktionieren wie man es gewohnt war und es wird einen verändern.
ABER genau das soll es doch! Nur wenn sich etwas generell verändert, kann sich auch etwas an den Ecken verändern die einen stören. Ich empfehle aber wirklich sowas nur in professioneller Begleitung zu machen, weil die Ängste die aufkommen und die Gefühle für einen anfangs nichtmehr rational händelbar sind.

Die Psyche hat das Essen als Schutzmechanismus ja damals ins Leben gerufen, weil sie nicht wollte das einen xy zerstört.
Also wird sie einen auch heute nicht in den sichren T*d stürzen wollen. Man kann sich dann z.b. an bestimmte Sachen erstmal nicht erinnern, und die Erinnerungen kommen auf wundersame weise erst peu a peu zurück, ebensolches mit Gefühlen. Unsre Psyche ist so flexibel und wirklich wundervoll, was das angeht.
Aber wir müssen ihr beibringen, dass wir nichtmehr die hilflosen von damals sind, und sie uns nichtmehr übermäßig schützen braucht, weil es uns krankt macht.

Leilah

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Sonntag, 27. November 2011, 11:08

VORSICHT TRIGGER TRAUMA


Ich kann Shivas Beitrag nur unterschreiben - meine Seele hat selbstbestimmt, wieweit sie geht. Welche Erinnerungen hochkamen hat mich immer wieder fasziniert...ich hatte in der Traumatherapie damals Phasen, wo mir nur schönes einfiel von damals...jetzt weiß ich dass meine seele damals eine Pause brauchte und sich nicht weiter erinnern wollte. Auch lies meine Seele meinen Körper reagieren - wenn die Erinnungen sich zu stark mit den Gefühlen vermischten bezügl. des MB, bekam ich Blutungen und lag dann einige Tage im Bett.

Meine letzte Therapeutin war sehr spirituell eingestellt - sie meinte immer zu mir, sie haben es als Kind überstanden, wieso sollten sie jetzt als Erwachsene es nicht überstehen ? Denn letzendlich hat man das "schlimmste" ja schon überstanden - die Traumas oder die Erlebnisse, die einen krank gemacht haben. Außerdem war sie der Meinung, dass wir die Urkaft unserer Vorfahren in uns tragen (als sie mir das das erste Mal sagte, hab ich ihr regelrecht nen Vogel gezeigt und gesagt sie soll ihren spirituellen Psychoquatsch bitte nicht in meine Therapiestunde schleppen)...mittlerweile hab ich manchmal das Gefühl ich spüre das...zb war mein Großvater ein sehr kraftvoller Mensch und ich bin ein genetischer Teil von ihm und ich denke manchmal wenn doch nochmal Träume hochkommen nachts...dass ich mich selbst beruhige, weil ich weiß dass seine Kraft und die Kraft von Mio. von bestimmt genauso sturköpfigen Vorfahren wie ich es bin in mir strömt.

Leilah
Meine Seele passt in keine Schublade

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