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Wednesday, January 4th 2012, 12:56pm

Ist Essstörung ein lebenslanges Thema oder ist sie heilbar?

Ich bin schon ein etwas reiferes Mädchen.
Mein Leidensweg begann schon als Kleinkind, richtig magersüchtig wurde ich dann mit 13, und da begann auch meine erste Therapie.
Die Magersucht ersetzte ich dann irgendwann durch Bulimie, nach einigen Jahren war es dann die massive Adipositas durch meine BE-Anfälle.
Die fetten Jahre waren die schlimmsten, weil nicht nur ich mich für mich alleine in meinem Kämmerchen fertig machte, sondern als Miss Molly auch viele Schmähungen und Belehrungen meines Umfelds ertragen musste. Als Dicke Frau wurde ich als Mensch zweiter Klasse behandelt.
Dann wendete sich wieder das Blatt, und nun nach 8 Jahren "Kontrollfigur" bin ich in der Gesellschaft zwar unauffällig, jedoch hat die Essstörung nur ein anderes Gewandt gefunden. Auch mit Normalgewicht bin ich weiter essgestört.
Die 35 Jahre Therapie bei unterschiedlichen Therapeuten haben mich zwar weiter gebracht, doch nicht geheilt.
Ich frage mich nun, bin ich eine Therapieversagerin, habe ich die falschen Therapien gemacht, die falschen Therapeuten gefunden?

Oder, gibt es überhaupt eine Heilung?
Kennt ihr "Geheilte"?
ich bin die ich bin

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Wednesday, January 4th 2012, 1:14pm

Ich kenne keine Geheilten, was aber sicher nur daran liegt, dass meine realen Kontakte zu anderen Betroffenen bisher ausschließlich im psychiatrischen Bereich stattgefunden haben. Daher gehe ich davon aus, dass das eher die chronischen Hardcore-Fälle waren, bei denen außerdem andere psychische Erkrankungen für eine ziemliche "Drehtür-Patienten"-Karriere gesorgt hatten; viele waren Borderliner oder Alkoholiker.

Mich selbst halte ich auch für ne "Chronische". Ich kann froh sein, wenn ich abstinente Phasen habe, aber die "essgestörten Gedanken" werde ich wohl nie wieder los, muss also immer über mich selbst wachen und kontrollieren, wie ich mit dem Essen und meinem Körper umgehe.
Ähnlich ist damals auch die Prognose meiner Psychiaterin ausgefallen. Sie meinte, dass mein essgestörtes Verhalten in über 20 Jahren so chronisch geworden sei, dass ich vielleicht bis auf wenige Ausnahmen (die ich mir dann "erlauben" soll) symptomfrei werden kann, aber nie einen "normalen" und unbekümmerten Umgang mit Lebensmitteln haben werde wie Menschen, die nie oder nur zwei, drei Jahre essgestört waren.

Ehrlich gesagt wäre ich auch schon äußerst dankbar, wenn ich mal eine selbständige Abstinenz (aus eigener Kraft und ohne soziale Kontrolle) hinbekommen würde. Ich habe leider gar keine Erinnerung mehr daran, wie "normales Essverhalten ohne Gedanken" sich anfühlt. Trotzdem stelle ich mir auch oft die Frage, ob es nicht doch sein kann, mal "geheilt" zu werden oder ich träume zumindest davon, wie schön das wäre.

3

Wednesday, January 4th 2012, 1:51pm

Meiner Meinung nach ist Esssucht ab einer gewissen Dauer nicht mehr heilbar. Jedenfalls ist das bei mir so, und auch bei Menschen, die ich durch OA und sonstige Selbsthilfegruppen kennengelernt habe. Es mag sein, dass in der ersten Phase (1-5 Jahre) eine Esssucht "heilbar" ist, aber selbst da bin ich der Meinung, dass auch diese "Geheilten" ein Leben lang gefährdet bleiben, sie müssen immer achtsam sein.

Ich bin seit 1977 essgestört, ich habe an Magersucht und an Bulimie gelitten und bin nun seit gut 25 Jahren an Esssucht erkrankt. Ich habe mehrere mehrjährige Therapien hinter mir, darunter auch eine grosse, klassische Psychoanalyse sowie mehrere mehrjährige tiefenpsychologisch fundierte Therapien und auch eine Verhaltenstherapie wurde gemacht.

Alle wichtigen Erlebnisse und Erfahrungen, Traumata und Probleme sind dabei zur Sprache gekommen, es gibt meiner Meinung nach kaum noch etwas in meinem Leben, das nicht durchgearbeitet worden ist.

Und dennoch bin ich essüchtig geblieben. Aber ich bin dankbar, dass ich immer wieder "abstinente" Phasen habe, sei es ein einzelner Tag, sei es über ein Jahr lang, wie es 2006/7 der Fall war, und alle anderen Zeiten dazwischen (mal Tage, mal Wochen). Ich bin mir aber auch in abstinenten Phasen bewusst, dass ich meine Sucht nicht geheilt habe...

Schönen Gruss

Petrus

4

Wednesday, January 4th 2012, 2:13pm

Danke Petrus

Dein Beitrag hat mir sehr geholfen.
Was man nicht ändern kann,muss man annehmen.
ich bin die ich bin

5

Wednesday, January 4th 2012, 2:25pm

Was man nicht ändern kann,muss man annehmen.
Hallo, An-Chi,

ja, unbedingt. Ich denke, man muss versuchen, Probleme/Fragen/Themen "loszulassen". Aber wenn das nicht geht, muss man sie annehmen. Man sollte sich dann auch keine Schuld geben (Therapieversagerin!), denn wir sind nicht "schuldig". Und schon gar keine VersagerInnen! Wer einmal jahrelang (oder gar wie wir beide: jahrzehntelang!) mit einer Essstörung gelebt hat, ist kein Versager, im Gegenteil: Dass er überlebt hat, ist ein Zeichen von Kraft (trotz der Hilflosigkeit der Essstörung gegenüber).

Lieben Gruss

Petrus

6

Wednesday, January 4th 2012, 3:34pm

also ich gehöre auch zu den langjährigen. meine ess-störung hat sehr früh angefangen, und ich denke, sie gehört mit zu meiner persönlichkeitsstruktur, genauso wie einiges andere noch.
ich kenn keine geheilten, was aber auch daran liegt, dass ich keinen kenne, der "nur" eine essstörung ohne noch diverses drumherum hatte.
und ich bin ja auch schon älter, früher wurden ess-störungen meiner meinung nach sowieso selten richtig ernst genommen. inzwischen sind die menschen weiter, und es ist bekannt, dass sogar kinder schon essstörungen entwickeln können. dementsprechend früh setzen dann manchmal therapien an, und ich ich denke in so frühem alter gibt es wirklich noch eine chance, dass sich kinder und jugendliche mit genug therapeutischer hilfe da raus entwickeln können.
aber wie gesagt, ich kenne eher andere früh traumatisierte, die sehr spät erst hilfe bekamen, und da ist die essstörung immer nur ein teil von diversen schädigungen. da geht es therapeutisch oft eher darum, die menschen zu stabilisieren, zu gucken, wie sie ihren alltag bewältigen, und wenn man zeit hat, geht man dann noch an die essstörung dran. es sei denn, derjenige hat magersucht in der extremen form, und es müssen erst mal lebensrettende maßnahmen ergriffen werden.
the war is over - are you sure ?

aber auch:

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten "Wo kommen wir denn hin", und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme wenn man ging.

7

Wednesday, January 4th 2012, 4:50pm

Auch ich bin seit 50(!) jahren essgestört. Meine therapeutin hat mich darauf hingewiesen, dass mich das möglicherweise auf dauer begleiten und sich in krisenzeiten verschlimmern wird, und so ist es auch. Ich hatte eine gute phase, dann kamen todesfälle, weihnachten, sylvester und nun ein umzug (eine form der veränderung die mein trauma aktiviert) - und ich häng voll drin!
Allerdings relativ ohne selbstvorwürfe, was neu ist, in der neuen wohnung wirds wieder besser....

PS: Ich habe heute das geheimnis gelüftet, warum mein 11 jähr. neffe seine haare total lang trägt: Er vertraute mir an, er fühle sich so dick im gesicht und könne sich so besser verbergen, er denke über eine diät nach...!!!
Au man,
Malin

8

Wednesday, January 4th 2012, 5:47pm

Ich bin seit der Pubertät essgestört, bin jetzt 31. Ich glaube auch, wie andere hier, dass es sich um eine Sucht vergleichbar mit Alkoholismus handelt. (Mit dem Unterschied, dass wir nicht vollkommen abstinent leben können, weil wir ja essen MÜSSEN). So kann man also trockener Alkoholiker oder trockener Essgestörter sein - aber meiner Ansicht nach bleibt man das ein Leben lang.
"Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat, egal wie es ausgeht." (Vaclav Havel)

9

Wednesday, January 4th 2012, 5:56pm

PS: Ich habe heute das geheimnis gelüftet, warum mein 11 jähr. neffe seine haare total lang trägt: Er vertraute mir an, er fühle sich so dick im gesicht und könne sich so besser verbergen, er denke über eine diät nach...!!!
Au man,

Das hat mich gerade unendlich erschreckt, Malin. So fing bei mir die Magersucht an. Ich wollte anfangs gar nicht am Körper abnehmen, sondern ich fand mein Gesicht zu dick (was Unsinn war!). Ich hoffe, er kann mit seinen Eltern darüber reden und sie reagieren "richtig"...

Lieben Gruss

Petrus

Mylife

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10

Wednesday, January 4th 2012, 10:26pm

Da ich selber (für mich) noch nicht so lange in der Essstörunge hänge (obwohls dieses Jahr wahrscheinlich ein 10-jähriges "Jubiläum" gibt) glaube ich trotzdem daran das ich irgendwann unbeschwerter damit umgehen kann. Vielleicht erst in ein paar Jahren oder wenn sich die äußeren Umstände ändern (damit meine ich nicht mein Gewicht).

Aufpassen, wie hier schon oft erwähnt, denke ich muss man als (Ex)Essgestörter immer. Es wird wahrscheinlich nie so ein "unbewusster" Umgang mit dem Essen sein den Andere haben.

Petrus schreibt ja des öfteren "Heilung gibt es (für ihn) nicht, aber abstinente Phasen".
Und ich bin der Meinung das es das wohl auch am besten trifft. Abstinente Phasen, vielleicht auch für immer....

Gruß,
Mylife
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(Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht)

11

Wednesday, January 4th 2012, 10:50pm

Also ich denke auch, es kommt auf die "Schwere" der Eßstörung an und ob man noch rundherum andere Probleme/ Erkrankungen hat.
Außerdem, wenn ich mir die Menschen so rundherum anschaue, dann gibt es so viele die von irgendwelchen Störungen betroffen sind, die sie in ihrem Leben auch einschränken (Zwangsstörungen, Angststörungen, Beziehungsprobleme.....). Wer ist also komplett heil ?????
Und ich finde mit langen abstinenten Phasen (vielleicht auch für immer, wie Mylife schrieb), könnte ich mich durchaus sehr gut anfreunden.
LG Lena

12

Wednesday, January 4th 2012, 10:59pm

uff ich glaub euch nervts langsam... es wird aber auch irgendwie immer wieder neu gefragt? Ich bin Symptomfrei. Wie ihr es definiert: ich esse normal, sprich ohne große Gedanken, worauf ich Lust habe und soviel ich will auch von den Dingen an denen ich sonst überessen hab. Mein Gewicht immer noch stark übergewichtig aber konstant. Mit mehr Sport und etwas mehr auf Tagesumsatz achten würde es sicherlich auch sinken, denn ich hab wirklich sehr viel rumgegammelt mich kaum bewegt...FA-frei bin ich seit ein paar Jahren jetzt. Ich denke an mir kann man gut sehen, dass die Probleme nicht plötzlich aufhören nur weil das Essen nichtmehr dazugehört, ich kanalisier es halt nichtmehr darüber.(nicht das jemand meint ich wäre jetzt irgendwie anders süchtig ^^ich halte das meiste davon nun aus, sicherlich gibts phasen wo ich viel abschalte über Fernsehen oder Internet, aber ich widme mich den Problemen trotzdem)
Es ist eher der Fall, dass ich nun alles ins Leben integrieren muss und die Narben auf meiner Seele mal mehr mal weniger meinen Alltag beeinflussen. Mein Ziel ist es jetzt noch Lebensqualität auch in allen Lebensbereichen zu erreichen.

Ich habe halt früh das Bewusstsein erlangt, dass was nicht mit mir stimmt und auch recht schnell was unternommen. mit 13 fing die Essstörung an (die seelischen wunden stammen aus der Kindheit), mit 16 ging ich in Therapie, mit 25 beendete ich die Einzeltherapie und die Gruppentherapie hab ich vor ein paar Wochen beendet, richtig begonnen hat meine Therapie mit 19 in der Tagesklinik, die Therapie davor war nicht effektiv und ich war noch nicht bereit dafür. Nach der TK hab ich dann die Therapeutin gewechselt.
Ich würde sagen es gibt noch ein Feld womit ich nicht zufrieden bin, weshalb ich nochmal in Therapie gehen würde aber nichtmehr wegen einer Essstörung.
Da möchte ich aber den jetzigen Übergangslebensabschnitt erstmal abwarten bevor ich da was unternehme. Zu meiner letzten Therapeutin kann ich leider nichtmehr damit, denn sie ist eine Kinder und Jugendtherapeutin die normal bis 23 behandeln dürfen mit 26 war ich da also schon ne Ausnahme.

Tjo so siehts aus ^^

Ich habe mich eigentlich nie so wirklich mit Abstinenz oder Heilung beschäftigt meine Ziele tauchten immer von alleine auf oft in Form von Problemen die hochkamen.
Diese intensive Beschäftigung damit hätte mich glaub ich auch nur heruntergezogen, mir tats gut einfach zu schauen wie weit ich komme. Denn wirklich Vorreiter gab es nicht, Obwohl ja eine Person hab ich kennengelernt von der TK, mit der es wirklich gut bergauf ging. Das hat mir zumindest Hoffnung gemacht. (Sie ist um die 30, wie alt genau ka...und ihr hat die Struktur der TK sehr geholfen, wir haben uns nach der TK noch ein paar Jahre bei jährliche Treffen gesehn, die sind aber auch schon 5 jahre nun her) Bei ihr sah man den Erfolg, weil sie da abgenommen hatte und die Struktur aufrechterhielt. Meine Version ist ja auch nochmal anders.

Ich denke das ist es auch letztendlich. Gut zu wissen man ist nicht allein, und gut auch zu wissen dass es z.b. andre an dem Punkt gibt an dem man grad steht.
Aber ebensowenig wie ich jemandem sagen würde du "musst" bis zum Punkt xy find ichs auch nicht wirklich praktisch zu sagen es geht nie weiter als bis zum Punkt xy.
Mit andren Worten ^^Orientierung kann beruhigen, sollte aber nicht das Ziel sein, das Ziel ist man selbst in seiner Eigenart.

13

Wednesday, January 4th 2012, 11:01pm

Ich gebe die Hoffnung nicht auf

Ich bin ebenfalls seit knapp 30 Jahren eßgestört. Irgendwann wurde die Eßstörung durch den Alkohol verdrängt, der sie dann viele Jahre an den Rand gedrängt hat. Alkoholismus ist einfach massiver und direkter. Seit 11 Jahren bin ich nun trocken und Alkohol spielt in meinem Leben fast keine Rolle mehr. Sicherlich muss ich nachwievor etwas aufpassen, weil es in einer Gesellschaft in der Alkohol zur Kultur gehört gar nicht so einfach ist , dem Alkohol aus dem Weg zu gehen. Sei es nun auf einer Familienfeier die Torte, die mit Champagner zubereitet wurde oder auf einer Firmenfeier, dass 5 Gänge-Menue mit Rotweinsauce. Stolperfallen gibt es überall. Dennoch kann ich heute sagen, dass der Alkohol mein Leben nicht mehr beeinträchtigt und ich mich frei von Ängsten und Suchtdruck bewegen kann.

So ist es an der Zeit für mich, mich nicht länger dahinter zu verstecken und meine Eßsucht als Suchtverlagerung zu tolerieren. Ich gehe das Thema natürlich mit der Hoffnung an, dass ich auch hier irgendwann einen Punkt erreiche, an dem ich mich frei von Angst und Suchtdruck bewege. Dass ich mein Leben lang auf mich aufpassen muss, kann ich für mich annehmen. Nicht aber die Vorstellung mit ewigen Rückfällen, Ängsten und Suchtdruck zu leben. Dann kann ich auch weitermachen wie bisher - ich sähe darin keinerlei Verbesserung zu den letzten 30 Jahren.

Allerdings habe ich Hoffnung. Die letzten 3 Wochen bin ich frei von FA's, Eßplänen, Diäten und Waage. Ich fühle mich mit meinem Eßverhalten ziemlich gut, auch wenn es weit von Normalität entfernt ist. Aber es ist okay. Ich esse die Dinge auf die ich Appetit habe, ich esse wenn ich Hunger habe. Ich kann es teilweise genießen, freue mich darauf und fühle mich nach dem Essen auch manchmal gut. Das klappt nicht immer. Oft esse ich nachwievor zu schnell und zu unbewußt und sicher auch manchmal zu viel. Aber es geht zeitweise schon ziemlich gut. Und nun sage ich mir: wenn es drei Wochen klappt, warum nicht auch 6 und wenn es 6 Wochen klappt warum nicht auch ein Jahr und wenn es ein Jahr klappt, warum nicht auch länger. Ich will mir trotz der teilweise doch sehr frustrierenden Feedbacks den Optimismus nicht ganz nehmen lassen.

Auch beim Alkoholismus ist es so, dass die Allermeisten wieder saufen. Nur ziemlich Wenige schaffen es dauerhaft trocken zu werden. Aber es gibt sie und ich gehöre seit 11 Jahren zu diesem Club. Warum soll mir das bei meiner Eßsucht nicht auch gelingen. Ich will es jedenfalls versuchen und auch einiges dafür einsetzen und tun.

This post has been edited 2 times, last edit by "JoeB" (Jan 5th 2012, 6:36am)


14

Wednesday, January 4th 2012, 11:18pm

Danke JoeB, dein Beitrag hat mir Mut gemacht :-)
LG Lena

15

Thursday, January 5th 2012, 12:29am

Aber Alkoholiker können ihren Suchtstoff meiden, wir als Esssüchtige müssen doch essen. Und da sind die Feiertage, die Buffets, die Familienfeste, die Einladungen...

Ich hatte auch schon gute Jahre, 15 Monate habe ich komplett die einfachen Kohlehydrate meiden können, und fühlte mich frei und befreit. Habe sehr viel Übergewicht verlieren können. Und irgendwann nach noch mal eine Zeit nicht ganz so konsequenter Ernährung war die Krankheit plötzlich wieder da.
Ich hatte auch eine Zeitspanne, die eine gute Lebensqualität für mich war, in der ich die Krankheit einfach ignorierte... es war gerade die Zeit, in der ich besoffen war vor Liebe... glücklicher Liebe.

Ich kann nur für mich sprechen, aber bei mir war leider immer wieder die Krankheit da, wobei der Leidensdruck milder wird, weil ich selber milder werde...
ich bin die ich bin

16

Thursday, January 5th 2012, 6:30am

Aber Alkoholiker können ihren Suchtstoff meiden, wir als Esssüchtige müssen doch essen. Und da sind die Feiertage, die Buffets, die Familienfeste, die Einladungen...
Alkohol ist aber eben auch eine Droge die körperlich abhängig macht und berauscht. Das ist Essen nicht und Essen wirkt auch nicht so. Ich dachte auch mal dass einfache Kohlenhydrate für mich auch ein Suchttstoff wären. Dann wäre es ja wieder genauso einfach wie beim Alkohol Ich muss dann nur diese Lebensmittel meiden. Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Sie haben diese Suchtwirkung für mich nur, wenn ich sie mir verbiete. Seit ich mir nichts mehr verbiete, haben sie diese Wirkung verloren. Ich habe die Feiertage mit Familienfest gut verbracht, habe wirklich alles gegessen (mit Ausnahme von Lebensmitteln mit Alkohol natürlich). Nun sind 3 Wochen natürlich kein Maßstab, aber es reicht zumindesten mir die Zuversicht zu geben, dass es geht.

17

Thursday, January 5th 2012, 7:50am

Alkohol ist aber eben auch eine Droge die körperlich abhängig macht und berauscht. Das ist Essen nicht und Essen wirkt auch nicht so.
Das ist leider nicht richtig. Mittlerweile weiss man, dass Esssucht (das Überessenmüssen an sich!) ziemlich ähnlich wie Alkohol Strukturen im Gehirn verändert bzw. Ausschüttungen bewirkt, die einer stofflichen Sucht entsprechen. Ärzte, die sich damit auskennen, sprechen sogar davon, dass die Esssucht die Schwester des Alkoholismus ist. Und es ist sicherlich bei mir kein Zufall, dass das Essen "an sich" meinen Alkoholmissbrauch quasi abgelöst hat. Spielsucht ist übrigens auch keine stoffliche Sucht, und dennoch eine schwere Sucht, die ganze Familien in den Abgrund reisst.

Nicht zuletzt kann man das auch in dem Film anschauen, für welchen hier momentan geworben wird, und in dem Tobias mitgewirkt hat.

Gruss

Petrus

18

Thursday, January 5th 2012, 1:07pm

Mir ist seit dem ich denken kann die ES aufgedrückt worden. Ich war ein molliges Baby ( wie normale Babys halt sind) und hatte immer einen sehr guten Appetitt. Meine Mutter meinte es gut und wurde mit S*ßem aufgezogen, und dann auf (FDH) Diät gesetzt. Meine Psyche UND mein Stoffwechsel wuchsen in der stetigen Ambivalenz auf. Hamstern und Hungern. Was anders gab es nicht. Genauso wie das Essen. Entweder üppige englische oder deutsche Küche oder Salt roh ohne Dressing und ohne Geschmack. Meine Mutter konnte nicht kochen und daher blieb vom Geschmack her die üppige Küche die einzige Option, die ich dann mit Fr*tten und Mc D*nalds ergänzte. Durch die Kontrolle der Anderen in der Diät, entwickelte ich Futterneid und schlang im Stehen und da wo er sich ergab. Ich bin sogar wegen einer Phiadelphiat*rte an der Hauswand runtergeklettert.
Die TK die Schiva beschrieb, war für mich eine echte Chance und hat mir sehr geholfen, weil sie BEIDES behandelte. Ich bin von einem Tag auf den anderen aus dieser Fr*ss-schleife gekommen und hatte auch auf der Waage den Erfolg. Mein Rückfall kommt immer wenn ich nichts mehr abnehme und auf Stillstand stehe.. da verliere ich die Nerven und denke, hat doch eh kein Sinn. Ja, altes Muster. Aber das zeigt mir auch daß ich wenigiger aus tiefen spychologischen Gründen in einem FA verfalle. Mir fehlt das Mittelmaß zu halten die Struktur.. die innere Ruhe, Das kommt aber auch wegen meiner ADHS und leider hat sich das auch sehr verselbstständigt. Aber eines weiß ich für mich : Allein nur mit Gesprächen schaffe ich es nicht.
"Sinnvollerweise " :cursing: hat das LVR die TK geschlossen und es gibt keine äquavalenten Ersatz dafür :cursing:
Alles andere, und ichhabe so viele Therapien und Aufenthalten wegen der ES hinter mir.. hat wirklich nichts gebracht..
Das ist meine Geschichte.
Mir bleibt jetzt nur noch eine Rhea wo ich in die Struktur kommen und auch Bewegung habe..
Und ganz wichtig! Ich bin froh daß ich Esstechnisch in der besagte TK Werkzeug bekommen habe, das war ein sehr wichtiger Schritt für mich, der mir auch die Augen geöffnet hat.

Lg
Yrla
Is(s) doch:
Und: Wer Tippfehler findet, darf sie behalten
By the way: Be yourself, no matter what they say...
Procrastination is the thief of time (Verschiebetaktik ist der Dieb der Zeit) :whip:

19

Thursday, January 5th 2012, 1:51pm

Hallo Yrla,

leider bin ich noch neu hier und kann mit den Abürzungen nichts anfangen. Was bedeutet TK und was LVR?

Hallo Petrus,

ich habe hier ja wirklich nur für mich gesprochen. Es kann durchaus sein, dass die Wissenschaft schon andere Erkenntnisse hat oder dass es anderen Menschen anders geht. Ich für mich habe die stofflichen Drogen Alkohol (seit 11 Jahren) und Nikotin(seit 9 Jahren) erfolgreich hinter mir gelassen. Ich glaube, dass ich das Thema Eßsucht anders angehen muss. Bislang läuft es sehr gut, aber 3 Wochen sind natürlich keine Zeit.

Ich wollte die Eßsucht nicht herunterspielen. Sie ist genauso schlimm und dramtisch wie andere stoffliche Süchte. Allerdings funktionieren meine mir bekannten Werzeuge bei mir nicht und ich suche nach meinem Wen. Dabei bin ich für Deine Erfahrungen und Feedbacks sehr sehr dankbar.

Euch einen guten Tag!

Joe

20

Thursday, January 5th 2012, 2:04pm

Hallo, Joe,

mir war nicht klar, dass Deine Aussage "Alkohol ist aber eben auch eine Droge die körperlich abhängig macht und
berauscht. Das ist Essen nicht und Essen wirkt auch nicht so." nur für Dich gelten sollte. Es klang "allgemeiner".

TK bedeutet übrigens Tagesklinik. Und LVR ist der "Landschaftsverband Rheinland", das ist in NRW, wo Yrla ja wohnt, der Träger solcher Einrichtungen. In anderen Bundesländern sind das z.B. die Sozialämter.

Gruss

Petrus, Ex-NRWler

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